Claudia Mittmeyer
Aber auch in den Bereichen Rezeptur und Betäubungsmittelbelieferung sollte eine Anpassung der Vergütung stattfinden. Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich deshalb dafür ein, dass die Abgabe von Betäubungsmitteln und auch das Zubereiten von Rezepturen entsprechend dem nötigen Aufwand besser vergütet werden. Zusätzliches Honorar kommt dann dort an, wo es wirklich gebraucht wird. Dies ist transparent und auch den Bürgerinnen und Bürgern gut vermittelbar.
Das Ziel ist eine leistungsgerechte Vergütung der Apotheken. Sie muss hoch genug sein, um alle Kosten zu decken und das Bestehen der Apotheke bei wirtschaftlicher Betriebsführung zu sichern sowie den Angestellten ein angemessenes Gehalt zu zahlen. Wir sehen derzeit, statt einer generellen wirtschaftlichen Bedrohung aller Apotheken, eher eine wachsende regionale Ungleichheit zwischen ihnen. Deshalb müssen wir im Interesse der Versorgungssicherheit der Patientinnen und Patienten vor allem darauf achten, dass die Apotheken in dünn besiedelten strukturschwachen Regionen erhalten bleiben, und die Honorierung entsprechend gerecht gestalten.
AWA: Mit welchen gesundheitspolitischen Entwicklungen, speziell auf dem Arzneimittelsektor, können die Apotheker bei einer eventuellen Regierungsbeteiligung der SPD nach der Bundestagswahl rechnen?
Volkmer: Sie können sicher sein, dass nach dem Regierungswechsel 2013 eine konsistentere Politik, nicht nur im Bereich der Gesundheit, vorherrschen wird. Ein stabiles, fair vergütetes und flächendeckendes Apothekennetz spielt hierbei natürlich eine entscheidende Rolle. Versandapotheken können zwar einen Beitrag leisten, vor allem dort, wo es in der Fläche Versorgungslücken gibt. Ohne die Apotheke vor Ort wird es nicht gehen.
Die von uns angestrebte Bürgerversicherung wird nicht nur zu einer nachhaltigen gerechten Finanzierung des Gesundheitssystems führen, sondern auch zur besseren Planbarkeit für alle Gesundheitsakteure.
AWA: Welche Erwartungen hat die SPD an die Apotheker und welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie für den Berufsstand?
Volkmer: Die Erwartungen der SPD dürften sich mit denen des Großteils der Bevölkerung decken: Wir erwarten von den Apothekerinnen und Apothekern, dass sie weiterhin ihren Kernaufgaben nachkommen. Also, dass sie uns verlässlich zu Arzneimitteln beraten, uns bei Bedarf Rezepturen anfertigen und im Notdienst auch nachts und am Wochenende erreichbar sind. Sie sind diejenigen, die kompetent über Arzneimittel und deren Wechselwirkungen Bescheid wissen und die entsprechend beraten können. Das gilt besonders für chronisch Kranke, die viele Medikamente parallel einnehmen. Idealerweise sollte die Betreuung der Patienten natürlich in enger Zusammenarbeit mit dem Hausarzt geschehen.
Entwicklungsmöglichkeiten für die Apotheker sehe ich daher vor allem in zwei Bereichen: Erstens könnte ich mir gut vorstellen, dass Apotheker Aufgaben im Bereich der Gesundheitsförderung übernehmen. Warum soll nicht auch einmal der Apotheker in Schulklassen gehen, um Kinder und Jugendliche zum Beispiel über die Folgen des Rauchens aufzuklären? Das führt auch zu einer ganz anderen Wahrnehmung des Apothekerberufs in der Öffentlichkeit. Zurzeit liegt uns der Entwurf des Präventionsgesetzes der Regierung vor. Leider ist dieser Entwurf stark arztzentriert, z.B. wird überhaupt nicht auf das Potenzial der Apothekerschaft eingegangen.
Außerdem gibt es noch das etwas abgewandelte ABDA/KBV-Modell, das hoffentlich in diesem Jahr in Betrieb geht. Hier wird das Medikationsmanagement als zentraler Punkt eingeführt. Viele Apotheker übernehmen dies schon jetzt von sich aus. Jedoch wird dem Management nun ein großer Stellenwert eingeräumt und so genau die oben erwähnte Kompetenz der Apotheker im besten Sinn der Patientinnen und Patienten festgeschrieben. Dieses Modell könnte ein positives Beispiel dafür werden, wie durch das Zusammenwirken der Leistungserbringer im Gesundheitssystem zukunftsweisende Ideen verwirklicht werden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(04):3-3