Prof. Dr. Reinhard Herzog
Scheine mit Eigenleben
Dies wird zum Problem für Anleger: Mit dem Erwerb setzen sie allein auf die Kursentwicklung des Basiswerts, die weiteren kursbeeinflussenden Faktoren des Optionsscheins werden zwangsläufig in Kauf genommen. Wird z.B. erwartet, dass der DAX auf 8.500 Punkte klettert, wird ein Optionsschein gewählt, der diesen Kursanstieg aller Voraussicht nach entsprechend nachvollzieht. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird sich jedoch erst bei Verkauf des Papiers zeigen.
Genau diesen Unsicherheiten will die Börse mit ihrem neu eingeführten Limitsystem „Order-on-Event“ begegnen. Üblicherweise setzt der Anleger bei einem geplanten Verkauf des Optionsscheins ein Verkaufslimit bei seinem Zielkurs. Wird es erreicht, erfolgt automatisch ein Verkauf. Bei der neuen Orderform wird jedoch nicht der Zielkurs des Optionsscheins als Limit genannt, sondern z.B. der angestrebte Zielkurs des Basiswerts. Der Optionsschein wird im genannten Beispiel also dann verkauft, wenn der Basiswert DAX die 8.500er-Marke erreicht hat. Der dann geltende aktuelle Kurs des Optionsscheins spielt mithin keine Rolle mehr, sodass der Anleger kein Risiko hinsichtlich Optionsschein-individueller Faktoren eingeht. Insgesamt stehen derzeit 50 verschiedene Indikatoren zur Verfügung, von den namhaften Aktienindizes bis hin zum Goldminenindex und dem Volatilitätsindex VDAX New, der die Schwankungsbreite eines Marktes widerspiegelt.
Mit der neuen Ordermöglichkeit bietet die Deutsche Börse mittlerweile mehr als 20 verschiedene Limitvarianten. Zu den neuesten zählen FOK (Fill or Kill), die nur ausgeführt wird, wenn die gewünschte Menge zum vorgegebenen Limit ge- oder verkauft werden kann, und IOC (Immediate or Cancel), die einmalig nur für die zum Limitpreis verfügbaren Stücke gilt. Gern genutzt wird die Trailing Stop Loss Order. Hierbei handelt es sich um ein Limit zur Verlustbegrenzung, d.h., das Papier wird verkauft, wenn sein Kurs unter ein bestimmtes Limit (z.B. 10% unter den Kaufkurs) zurückgefallen ist. Beim Trailing Stop Loss wird diese Verlustmarke nach oben fortgeschrieben: Steigt der Basiswert, klettert das Limit im gleichen Verhältnis. Bei fallendem Kurs wird das Limit indes eingefroren, sodass die Maximalforderung der Anleger „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ in optimaler Form erfüllt wird.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(08):14-14