Prof. Dr. Reinhard Herzog
Große Auswahl
Mit der Griechenlandkrise ist eine weitere Anlagekategorie etwas in Vergessenheit geraten: Staatsanleihen aus anderen Ländern. Fast 400 auf Euro lautende Titel werden z.B. an der Stuttgarter Anleihenbörse gehandelt, hinzu kommen weitere 400 Papiere in fremder Währung sowie fast 1.000 Emissionen von staatsnahen Institutionen wie z.B. großen Städten, Autobahngesellschaften oder der Weltbank. Auch hinsichtlich der Laufzeit herrscht eine große Auswahl, die Palette reicht von demnächst fälligen Papieren bis hin zu Anleihen mit mehr als 40 Jahren oder sogar unbegrenzter Restlaufzeit.
Gerade Griechenland hat allerdings gezeigt, dass auch Staatsanleihen nicht völlig risikofrei sind. Geht ein Staat bankrott, werden Anleihen nicht oder nur mit ganz erheblichen Abschlägen zurückgezahlt. Zum Erkennen der Bonität eignen sich vorrangig zwei Kriterien: Das Rating durch eine Agentur wie Standard & Poor‘s, wobei es auch hier Fehleinschätzungen gab, sowie die aktuelle Rendite, die auf das Risiko schließen lässt. Wer z.B. auf eine norwegische Staatsanleihe setzt, muss sich derzeit mit rund 1,6% begnügen, belgische oder französische Papiere bieten noch weniger. Immerhin zwischen 2,0% und 3,0% werfen Eurobonds aus Polen oder der Türkei ab, Spanien und Portugal bringen es auf 3,5% bis 5,5% und wer ein größeres Wagnis eingehen möchte, bekommt z.B. bei zweijährigen Papieren aus Venezuela oder Albanien um die 6,0% Ertrag.
Vor dem Kauf, der ohnehin nur in überschaubaren Größenordnungen erfolgen sollte, empfiehlt sich ein Blick auf die Wirtschaftslage des jeweiligen Landes, auf die politische Stabilität und die Finanzkraft. Nicht selten lassen sich dabei interessante Chancen finden. Während z.B. Albanien zwar vergleichsweise gering verschuldet ist, aber auch kaum eine nennenswerte Wirtschaftsentwicklung aufweist, profitiert Venezuela vom üppigen Zufluss an „Petrodollars“. Dass die Renditen dennoch vergleichsweise hoch sind, wird insbesondere auf politische Unsicherheiten in Verbindung mit dem Regierungswechsel zurückgeführt.
Gerade solche Investments sollten jedoch laufend überprüft werden. Insbesondere bei einem markanten Renditeanstieg – der zunehmende Risiken signalisiert – ist ein schneller Ausstieg dann meist die beste Lösung.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(11):15-15