Geldanlage

Aktien „schlagen“ Anleihen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Gerade heute setzen viele Anleger auf Sicherheit: Tagesgelder, Bundesanleihen und allenfalls Fonds dominieren die Portefeuilles. Doch die Rendite ist mäßig, der Sicherheitswunsch nicht immer erfüllt. Unter langfristigen Aspekten sollten daher Aktien in keinem Depot fehlen.

Plus in 20 Jahren

Legt man jedoch eine 20-jährige Anlagedauer zugrunde, sieht die Rechnung anders aus: Hier erzielten Anleihen einen Wertzuwachs von 215%, was einer jährlichen Durchschnittsrendite von 5,9% entspricht. Ein Anleger, der seinerzeit den Gegenwert von 10.000€ investierte, verfügt heute über ein Kapital von rund 31.500€. Wesentlich besser gestellt ist hingegen der Aktionär: Ein Depot, das sich am Deutschen Aktienindex DAX orientiert, legte im selben Zeitraum immerhin 361% zu, der Wert einer 10.000-€-Anlage stieg auf ca. 46.000€. Dies entspricht einer Rendite von knapp 8,0% p.a. Al­lerdings war dieses Investment erheb­‑ lich nervenaufreiben­der, denn schließlich pendelte der DAX in dieser Zeit zwischen 1.500 und über 8.000 Punkten.

Das höhere Endergebnis des Langzeit-Vergleichs zeigt jedoch, dass Aktien bei keiner langfristig orientierten Geldanlage fehlen sollten. Denn selbst ohne spezielles Timing ergibt sich bei Aktien bei einer Laufzeit ab zehn Jahren stets ein mehr oder minder deutlich positives Ergebnis.

Die Betonung liegt hier allerdings auf der Langfristigkeit. Dies bedeutet zum einen, dass das Geld dauerhaft investiert werden kann und nicht kurzfristig wieder benötigt wird. Zum anderen bedeutet dies aber auch, das Investment selbst in schwierigen Zeiten beizubehalten. Lediglich im Falle eines aktiven Managements – das allerdings etwas Erfahrung erfordert – sollte das Depot an die Marktlage angepasst werden. Im Klartext: Nach einem Kursverfall bei Aktien werden diese gezielt gekauft, bei sinkenden Zinsen wird dagegen den Anleihen der Vorzug gegeben.

Gerade bei Anleihen ist nach den Verwerfungen an diesem Markt eine selektive Vorgehensweise erforderlich. Risikoarm, aber kaum rentabel sind derzeit Bundesanleihen und vergleichbare Titel. Mehr Rendite lässt sich mit Bankschuldverschreibungen und Unternehmensanleihen erzielen. Da das Zinsniveau in der Eurozone seine Tiefststände erreicht haben dürfte, sollte der Schwerpunkt der Restlaufzeiten im Bereich zwischen zwei und fünf Jahren liegen, denn bei längeren Laufzeiten drohen im Fall eines Zinsanstiegs Kursverluste.

Aber auch bei Aktien gibt es sehr unterschiedliche Entwicklungen. Wer sich mit dem Markt nicht weiter befassen möchte, setzt vorrangig auf Papiere, die einen ganzen Index abbilden, z.B. Exchange Traded Funds auf den DAX. Gezielter investieren lässt sich hingegen mit Einzel­titeln, wobei man hierbei sowohl auf fundamentale Kenn­zahlen der Vergangenheit als auch auf die Zukunftsperspektiven und nicht zuletzt die Chartentwicklung achten sollte.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(13):13-13