Prof. Dr. Reinhard Herzog
DZI kontrolliert
Keine Privatperson wird jedoch in der Lage sein, den Umgang mit „ihrer“ Spende genau zu prüfen. Eine Lösung bietet das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) an, das in seinen Archiven mehr als 2.000 Spendenorganisationen des sozialen, insbesondere humanitär-karitativen Bereichs gespeichert hat und besonders solide wirtschaftenden Anbietern auf Antrag das „DZI-Spendensiegel“ verleiht, eine Art „TÜV-Plakette“ für Spendensammler.
Bei der Vergabe – die in jedem Jahr erneut beantragt werden muss – gelten relativ strenge Regeln. Hierzu zählt etwa, dass die Werbung wahr und sachlich sein muss, die Mittel sparsam verwendet werden, eine nachvollziehbare Rechnungslegung unter Aufsicht erfolgt und grundsätzlich keine Provisionen für die Vermittlung von Spenden gezahlt werden. Die Ergebnisse werden auf der Homepage des Instituts (www.dzi.de) veröffentlicht, auf der darüber hinaus vor umstrittenen und unseriösen Spendensammlern gewarnt wird.
Auch wenn die Hilfsbereitschaft vieler Menschen einem tief empfundenen Mitgefühl entspringt, sollte vor jeder Spende auch der gesunde Menschenverstand herangezogen werden. Zu bedenken ist, dass Spenden freiwillige Gaben ohne Gegenleistung sind, zu denen der Spender weder überredet noch genötigt oder gar per Termindruck quasi gezwungen werden soll. Werbe- und Informationsmaterialien von Spendenorganisationen lassen oft schon erkennen, ob hier sparsam gearbeitet wird. Kein Garant sind Schauspieler, Politiker und andere Prominente, die sich als Fürsprecher für einzelne Organisationen einsetzen. Das zusätzliche Vertrauen, das sie vermitteln sollen, kann eine ausführliche, sachliche Information nicht ersetzen. Auch wenn an der Haustür für Mitgliedschaften gesammelt wird, vielfach sogar in Uniform des Unternehmens, sollte man wissen, dass es sich dabei meist um „freie Werber“ handelt, die ein bis zwei Jahresbeiträge als Provision kassieren.
Beim Spenden selbst gilt: Besser einmal mehr geben als oftmals wenig. Kleine Spenden verursachen denselben Verwaltungsaufwand wie größere Zahlungen, sodass letztlich weniger Geld für den eigentlichen Zweck verbleibt.
Doch nicht nur bei Geldspenden ist blindes Vertrauen fehl am Platz. So stehen auch viele Altkleidersammlungen heute im Kreuzfeuer der Kritik, selbst wenn der „Aufwand“ für den Spender in diesem Fall meist gering ist oder er durch die „Entsorgung“ seiner Altkleider sogar profitiert. Der Grund: Die Menge gesammelter Altkleider (ca. 600.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland) übersteigt den tatsächlichen Bedarf hiesiger Stellen für die Versorgung Bedürftiger bei Weitem. Auch karitative Organisationen verkaufen daher überschüssige Kleider an kommerzielle Betriebe und finanzieren damit einen Teil ihrer eigenen satzungsgemäßen Arbeit.
Große Mengen Altkleider werden von Händlern in Entwicklungsländer exportiert und dort verkauft. Damit wird jedoch die örtliche Textilindustrie – die oftmals eine der wenigen Einkommensquellen in Ländern der Dritten Welt darstellt – ge- oder sogar zerstört. Zudem können sich die wirklich Bedürftigen diese Kleider nicht leisten. Im Übrigen finden sich derzeit zunehmend mehr oder minder illegal aufgestellte Altkleidercontainer von Pseudo-Organisationen, die allein in die eigene Tasche wirtschaften und gerne mit einem „guten Zweck“ werben. Altkleider sollten daher dort abgegeben werden, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch einem Nutzen in der Region zugeführt werden.
Persönlicher Kontakt
Auch bei persönlichen Patenschaften sollte man auf verschiedene Besonderheiten achten. So bedeutet die Übernahme einer Patenschaft, die den persönlichen Kontakt zu einem Kind in einem Entwicklungsland einschließt, in der Regel heute nicht mehr, dass der Patenschaftsbeitrag dem jeweiligen Patenkind unmittelbar zugutekommt. Vielmehr werden in den meisten Fällen Projekte finanziert, von der die ganze Gemeinschaft, in der das entsprechende Kind lebt, profitiert. Damit wird die Bevorzugung und Hervorhebung Einzelner vermieden, die früher im Zusammenhang mit Patenschaften häufig kritisiert wurde. Lediglich gezielte Einzelspenden – etwa zum Geburtstag des Kindes oder zu Weihnachten – werden zumindest anteilig unmittelbar für den Beschenkten verwendet. In jedem Fall sollte man der Werbung der jeweiligen Organisation eindeutig entnehmen können, in welcher Form die Patenschaftsbeiträge Verwendung finden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Patenschaften, die mit der persönlichen Kontaktpflege zu einem Kind verbunden sind, zwar nett und oftmals auch informativ sein können, jedoch zusätzliche Verwaltungskosten für Abrechnung, Koordination, Korrespondenz und Übersetzung erfordern. Besonders aufwendig kann es werden, wenn Pateneltern „ihre“ Kinder besuchen wollen. Andererseits ist es zweifellos ein Erlebnis, wenn man „sein“ Patenkind z.B. im Rahmen eines Urlaubsaufenthalts persönlich kennenlernen kann. Allerdings sollte man sich zuvor mit dem Deutschland-Büro ebenso wie mit der Patenschaftsbetreuung vor Ort in Verbindung setzen, ob z.B. Geschenke erwünscht sind.
Schließlich ist noch der große Bereich des Verkaufs von Behinderten- und Blindenwaren zu nennen. Die Bundesanstalt für Arbeit veröffentlicht regelmäßig ein Verzeichnis der von ihr anerkannten Behindertenwerkstätten. Während Behindertenware lediglich an der Herkunft erkennbar ist, wird Blindenware durch das Symbol der zwei erhobenen Hände, die zur Sonne greifen, gekennzeichnet. Als Blindenware dürfen lediglich bestimmte Produkte vertrieben werden, etwa überwiegend handgefertigte Bürsten und Besen oder Korbflechtwaren. Nur gemeinsam mit diesen Produkten dürfen auch „Zusatzwaren“ verkauft werden, die nicht handwerklich hergestellt sein müssen, z.B. Putzzeug und Pinsel. Generell benötigt der Verkäufer einen entsprechenden Ausweis, der ihn zum Verkauf der Blindenware berechtigt.
Beim Haustürverkauf lauern Fallen
Gerade im Bereich Haustürverkauf liegt jedoch manches im Argen. Nicht nur, dass mancher Ausweis gefälscht ist, auch werden oft unseriöse Offerten unterbreitet, z.B. als Spende „verkappte“ Zeitschriftenabonnements. Zunehmend dient der Haustürverkauf auch dazu, die Bewohner auszuspionieren oder Zutritt zur Wohnung zu erhalten – um dann z.B. Wertsachen zu stehlen. Hier ist also größte Vorsicht geboten, auch von der Vereinbarung von Mitgliedschaften an der Haustür sollte man im Regelfall Abstand nehmen. Gleiches gilt schließlich für Straßenbettler, z.B. aus Osteuropa, die unter Darstellung von Notlagen in ihren Heimatländern Mitleid erregen wollen. Meist handelt es sich um organisierte Banden, bei denen die wirklich Betroffenen keinen Cent der gesammelten Spenden erhalten.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(19):15-15