Prof. Dr. Reinhard Herzog
Bei den Kunden punkten
Wer sich mit den „Klassikern“ wie Kalendern oder üblichen Weihnachts-Kleinigkeiten aus der Masse hervorheben möchte, muss schon etwas Besonderes bieten, was schwierig und dann oft überproportional aufwendig wird. So lassen sich Kalender beispielsweise individuell mit eigenen Bildern (interessant vor allem für die semiprofessionellen Fotografen unter den Kollegen, die durch die Landschaft und Natur streifen), mit Zeichnungen aus einem Malwettbewerb etc. gestalten. Als Alternative, und abseits vom klassischen Kalender, kommen heute die beliebten Fotobücher in Betracht – etwa ein „Apotheken-Fotobuch“ mit allerlei Tipps und Anregungen. So etwas hat jedoch lange Vorlaufzeiten – und wäre eine Anregung für die nächste Saison.
Heute dominieren mehr und mehr die neuen Medien. In Betracht kommen daher Dinge wie eine Weihnachts-CD oder Weihnachts-DVD, bestückt mit:
- allerlei Bildern (von der Apotheken-Außenansicht tags wie nachts, dem Team bis hin zum „Innenleben“, ob Rezeptur, Kommissionierautomat, sonstige Technik oder Warenpräsentation),
- für den Kunden interessanten Videos und Clips rund um die Apotheke und die Gesundheit,
- Texten, diversen Selbsttests und sinnvollen Formularen (für die Bestellung, für die Erfassung von Nebenwirkungen, ein Medikationsblatt zur übersichtlichen Zusammenfassung aller Medikamente etc.),
- etwas fürs Herz: von Stimmungsbildern (gibt es zahlreich für wenig Geld auf Fotoportalen wie Fotolia.com, Bilderbox.com u.a.) und Musik bis hin zur (selbst vorgetragenen?) Weihnachtsgeschichte oder -aufführung. Hier ist im Vorteil, wer selbst musiziert, eine künstlerische Ader hat bzw. in entsprechenden Vereinen ist.
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Eine solche CD bzw. DVD kann man heute für erstaunlich wenig Geld professionell machen lassen, die reinen Herstellkosten (bei angeliefertem Inhalt) inklusive Bedruckung und Hülle liegen je nach Auflage oft unter 1,00€ netto. Hierzu suche man im Internet einfach mit Stichworten wie „DVD professionell brennen“ oder „DVD Kleinserie“. Individuelle Kleinauflagen bzw. Spezial-CDs/-DVDs für kleine Kundengruppen bis maximal etwa 50 Stück kann man vorteilhafter selbst „brennen“. Die beliebten Daten-Sticks sind dagegen immer noch recht teuer, auch wenn sie bereits Einzug in die Welt der Marketing- und Messeartikel gehalten haben.
Stets auf positive Resonanz stoßen einmalige Aktionen wie ein „Fotoshooting“ zum Nikolaustag für die Kleinsten unter den Apothekenbesuchern. Ein Nikolaus ist schnell organisiert, die Fotos kann man per Digitalkamera selbst oder von einem (semi-)professionellen Fotografen machen lassen. Die Bilder können dann leicht per Mail an die Betreffenden übermittelt werden, und mit Zustimmung der Teilnehmer lässt sich in der Apotheke eine Fotowand aufbauen.
Wer eine intensive Heimbelieferung betreibt, kann daran denken, Seniorennachmittage mit Spielen, Quiz, einer kleinen Lesung bzw. einem kleinen Vortrag etc. zu organisieren. Ein Nikolaus ist auch hier gern gesehen. Oft ist die Heimleitung sehr dankbar, wenn etwas Abwechslung geboten wird. Besser kann man kaum in positiver Erinnerung bleiben. Übrigens funktioniert so etwas genauso in den heute zahlreichen Seniorentreffs, Bürgerhäusern und Gemeindezentren.
Das nahende Jahresende bietet die Gelegenheit, sich bei den Stammkunden in Erinnerung zu bringen. Im Mittelpunkt stehen zumindest die Top-100-Kunden, diese sollten Ihnen in jedem Fall eine Karte wert sein. Machen Sie sich die Mühe und schreiben Sie mindestens die Anrede per Hand und unterschreiben Sie persönlich. Nicht nur im privaten Umfeld haben in den letzten Jahren Weihnachtsbriefe eine hohe Beliebtheit erlangt –ein bis zwei Seiten Text in festlich-künstlerischer Schriftart auf ebenso festlichem Papier. Als Textinhalte bieten sich ein Rückblick auf das vergangene und ein Ausblick auf das kommende Jahr an (Was hat sich in der Apotheke und vielleicht beim Inhaber selbst getan, und was ist im kommenden Jahr alles geplant?). Einige Anmerkungen zu den Entwicklungen im unmittelbaren Lebensumfeld stoßen ebenfalls meist auf lebhaftes Interesse.
Profis fassen an dieser Stelle noch bei denjenigen nach, die aus welchen Gründen auch immer schon länger nicht mehr in der Apotheke waren.
Sie können auf Tausende bekannte Kartenmotive zurückgreifen – oder selbst kreativ werden. Wer sich einmal mit dem Angebot einschlägiger Druckdienstleister (flyeralarm.com, druckfibel.de, wir-machen-druck.de und viele andere) beschäftigt, wird staunen, was für wenig Geld alles möglich ist. Individuelle Grußkarten mit eigenen Bildern und Motiven zu den verschiedensten Anlässen sind durchaus erschwinglich.
Ärzte und Schlüsselpersonen
Ärztepräsente sind ein Dauerthema – wobei es genauso wichtig ist, die Praxismitarbeiter im Auge zu behalten, läuft über diese doch der größte Teil der Kommunikation. Dennoch entwickelt sich dieses Thema mehr und mehr zum Ritt auf der Rasierklinge – der Ruch der Korruption auf der einen und der einer Missachtung auf der anderen Seite. Daher der Rat: Nicht übertreiben, auf die individuellen Befindlichkeiten der Ärzte und die Praxisbesonderheiten Rücksicht nehmen, und nicht zuletzt „Der Ton macht die Musik!“. Eine persönliche Übergabe, einige herzliche Worte und der Ausdruck gegenseitiger Achtung sind oft genauso wichtig wie das Geschenk selbst, das rein wirtschaftlich betrachtet in aller Regel für die üblichen Gutverdiener völlig nebensächlich ist. Wer seine eigenen „Besonderheiten“ entwickelt hat: Menschen sind Gewohnheitstiere, radikale Veränderungen sind immer gefährlich.
Das oben Gesagte gilt natürlich gleichermaßen für Heimleiter und die jeweiligen Bediensteten.
Mitarbeiter nicht vergessen
2013 wird für die Apotheken ein wirtschaftlich recht gutes Jahr werden. Wer nette Mitarbeiter – flink auf den Beinen und fix im Kopf – hat und dazu einen wenigstens halbwegs gut gelegenen Standort ohne Strukturprobleme, dürfte erfreulichen Zahlen entgegenblicken. Gleichwohl läuft eine Apotheke heute nicht mehr von selbst, und so ist man auf eine weitgehend reibungslos, „wie geschmiert laufende“ innerbetriebliche Infrastruktur angewiesen wie nie zuvor. Dafür müssen beide Seiten etwas tun. Viele Betriebe sterben heute nicht an schlechten Marktbedingungen, sondern an einer schleichenden „inneren Vergiftung und Sklerotisierung“, die irgendwann zur Implosion führt. Es ist ein wenig wie in einer Schulklasse, in der das Niveau und Lerntempo empfindlich angezogen haben: Wer den Anschluss verliert, seine Hausaufgaben nicht macht, bleibt am Ende verloren zurück. Als Apothekenleiter können Sie aber nicht einfach eine Klasse wiederholen. „Sitzenbleiben“ bedeutet nicht selten das wirtschaftliche Aus.
Deshalb ist es das Gebot der Stunde, ein leistungsstarkes Team gesund und motiviert zu halten. Wirtschaftlich reden wir zumindest in einer nicht allzu kleinen Apotheke über die berühmten „Peanuts“, wenn Sie sich das zu einem Anlass wie Weihnachten einen niedrig vierstelligen Betrag kosten lassen.
Dabei sollten Sie klar unterscheiden zwischen den individuellen leistungsbezogenen Prämien und den Aufmerksamkeiten anlässlich der Festtage. Leistungsprämien sind sinnvollerweise ein Thema für individuelle Mitarbeitergespräche, die Sie auch in der schwächeren Zeit im neuen Jahr unter geringerem Zeitdruck führen können, und zudem noch auf der Basis der dann vollständigen Vorjahreszahlen.
Bei den Aufmerksamkeiten kommt es weniger auf den Preis und die Größe an, sondern auf die Individualität. Haben Sie sich Gedanken gemacht? Passt das Geschenk zum Mitarbeiter, wird es Freude bereiten, eine echte Überraschung darstellen, positiv in Erinnerung bleiben?
Den Herren unter den Lesern sei empfohlen, auf die Ratschläge ihrer Partnerin zu hören; die Damen haben hier oft das bessere Gespür, zumal die meisten Mitarbeiter ja weiblich sind.
Die sinnstiftende und stimmungsverbessernde Wirkung der traditionellen Weihnachtsessen und -feiern stumpft dagegen erfahrungsgemäß im Laufe der Jahre ab, erst recht, wenn es zu einem formalen Ritual geworden ist. Sie können für Belebung sorgen, indem Sie die Mitarbeiter viel stärker einbeziehen – oder die Veranstaltung gleich vom Team selbst organisieren lassen. Statt sich in vorweihnachtlich überfüllte Lokalitäten zu quetschen, mit Mitarbeitern, die selbst gestresst sind, bietet sich eine Veranstaltung in ruhigeren Zeiten nach den Feiertagen an – aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Angebote und Produkte
Das Äußere macht gerade an Weihnachten und in der Vorweihnachtszeit viel her. Üblich ist der Service, die traditionellen Waren als Geschenk zu verpacken. Wer etwas auf sich hält, hat hier jedoch mehrere Varianten im Angebot – z.B. klassisch, modern, festlich-luxuriös, ausgefallen...
Zudem kauft das Auge ja stets mit. Und so bieten sich attraktiv hergerichtete Arrangements und Warensets an, am besten „auf dem Präsentierteller“ ausgestellt. Prädestiniert sind hier Kosmetik und Körperpflege, auch Zahnpflege, Fitness und Wellness sowie thematische Pakete („Anti-Stress-Paket“, Erkältungsset, „Fit im Alter“ etc.). Diese müssen nicht billig sein, sondern in erster Linie attraktiv! Mit weiteren Eyecatchern, Figuren, Tierchen oder sinnvollem Zubehör lässt sich so ein Paket in den Augen der Kunden nochmals erheblich aufwerten.
Indes ist der Weg zur „schönen Schale“ oft gar nicht so leicht. Für hübsche Geschenkkartons kann man viel Geld anlegen, wie ein Besuch in einem der unzähligen Geschenkshops lehrt. Schaut man allerdings in die zahlreichen Ein-Euro-Shops, auf die Websites einschlägiger Büro- und Werbeartikelversender sowie auf Handelsplattformen wie Amazon, Ebay oder Hood, dann wird man auch für kleines Geld fündig.
Atmosphäre und Dekoration
Ob es nun immer die große Weihnachts-Außenbeleuchtung sein muss, sei dahingestellt und hängt vom jeweiligen Umfeld ab. In vielen Städten herrscht ja quasi „Mitmachzwang“ bei den gemeindetypischen Dekorationen. Innen darf es durchaus etwas heimeliger zugehen – warum nicht die Weihnachtskrippe, ein hübsches Lichthaus, nett beleuchtete Modelle, vielleicht sogar weihnachtliche Düfte?
Das kundige Auge sieht zudem sofort, ob der jeweilige Laden „mit Herz und Liebe“ geführt wird – erkennbar an Details, wie eine Dekoration hier und der dezente Weihnachtsschmuck dort platziert sind.
Der Nutzen lässt sich sicher nicht auf Euro und Cent beziffern. Für die Imagebildung spielen jedoch gerade solche atmosphärischen Aspekte eine herausragende Rolle, und welcher Anlass eignet sich da besser zur „Imagepflege“ als Weihnachten?
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(22):6-6