Offene Immobilienfonds

Neustart mit Fragezeichen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die Krise der offenen Immobilienfonds hat tiefe Spuren in den Depots vieler Anleger hinterlassen: Kursverluste, Schließungen und sogar Auflösungen prägen das Bild. Mit dem Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) hofft die Branche jetzt auf einen Relaunch.

Neue Fristenregelungen

Der Gesetzgeber reagierte auf das Debakel mit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB). Darin ist festgelegt, dass neu erworbene Fondsanteile mindestens zwei Jahre gehalten werden müssen und auch dann erst nach Ablauf einer zwölfmonatigen Kündigungsfrist zurückgegeben werden können. Dies soll dem Management eine genauere Steuerung des Immobilienbestands und der Liquidität ermöglichen und die Branche wieder in ruhigeres Fahrwasser lenken. Nicht betroffen von den neuen Rückgabefristen ist lediglich der Direkthandel an der Börse, wobei es hier allerdings zu oft erheb­lichen Preisschwankungen und mehr oder minder deutlichen Abschlägen zum realen Wert der Fondsanteile kommen kann.

Während einerseits noch zahlreiche Fonds in der Abwicklung sind und sich andere gerade erst stabilisieren, startet ausgerechnet KanAm Grund mit einem neuen offenen Immobilienfonds, der unter der Bezeichnung LEADING CITIES INVEST derzeit zur Zeichnung angeboten wird und zu­nächst 100 Mio.€ einspielen soll. Das Fondsmanagement strebt einen jährlichen Wertzuwachs von mindestens 3,0% an; der Ausgabeaufschlag liegt mit 5,5% auf Branchenniveau, ebenso die Verwaltungsvergütung von 0,8% p.a., die auf maximal 1,5% steigen kann. Gerade diese Neuemission wird jedoch besonderer Beobachtung ausgesetzt sein, gilt ein Erfolg oder Misserfolg doch als Maßstab für die gesamte Branche.

Auch wenn sich die Renditezahlen der Fondskategorie in den kommenden Jahren wieder stabilisieren dürften, muss sich jeder Anleger über die bestehenden Risiken offener Immobilienfonds im Klaren sein. Denn schließlich basiert die Fondsrendite in erster Linie auf den erzielten Mieterträgen der Immobilien, die erheblichen Schwankungen ausgesetzt sein können. Längst noch nicht vom Tisch ist auch die Frage nach der objektiven Bewertung: Wie die Krise gezeigt hat, lassen sich die bilanzierten Preise der einzelnen Objekte keinesfalls zu jeder Zeit schnell am Markt realisieren, sodass es im Falle neuer wirtschaftlicher Turbulenzen auch hier wieder zu neuen Problemen kommen könnte – wobei die nunmehr eingeschränkte Rückgabemöglichkeit der Anteile die Risiken für den Anleger nochmals erhöht.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2013; 38(22):15-15