Prof. Dr. Reinhard Herzog
Optisch preiswert
Gerade einmal 99 Cent kostet der „UNFALL-SCHUTZ48“ der Ergo Direkt, der via kostenloser App jederzeit abgeschlossen werden kann. Geboten wird eine Unfallversicherung mit 50.000€ Todesfallleistung, 50€ Krankenhaustagegeld sowie eine Bergungskostenabsicherung von maximal 5.000€. Noch einen Schritt weiter geht der Düsseldorfer Versicherungsmakler Lennart Wulff mit seiner SituatiVe GmbH, die eine Palette unterschiedlicher Versicherungspolicen per App offeriert – angefangen von einem Schutz für Besucher von Sportveranstaltungen für 1,59€ für 24 Stunden über einen Kurzzeit-Schutz für Radfahrer für 3,99€ bis hin zu einem Schutz für Schüler, z.B. bei Sportfesten oder Klassenfahrten.
Das Prinzip entspricht dabei regelmäßig dem Konzept der amerikanischen Automaten, kurzfristig einen bezahlbaren Schutz für ganz bestimmte Aktivitäten anzubieten. Dies kann praktisch sein, wenn man z.B. tatsächlich ohne entsprechenden Krankenversicherungsschutz im Ausland unterwegs ist. Aber auch die Möglichkeit, einen bisher lediglich auf den Halter eingetragenen Kfz-Versicherungsschutz kurzfristig auf einen anderen Fahrer zu erweitern, dürfte sich schnell großer Beliebtheit erfreuen. Das Problem jedoch: Entsprechender Versicherungsschutz ist teuer. Wer etwa für eine zweiwöchige Auslandsreise eine Krankenversicherung abschließt, zahlt dafür mit 13,86€ deutlich mehr als eine vergleichbare Jahrespolice kosten würde. Zudem besteht die Gefahr, dass man eine Kurzzeit-Police unterwegs selbst dann abschließt, wenn bereits ausreichender Versicherungsschutz besteht, z.B. in Form einer entsprechenden Kreditkarte.
Aber auch die Leistungen sind meist wenig überzeugend: Der von SituatiVe angebotene Unfallschutz sieht eine Todesfallleistung von 10.000€ sowie eine Invaliditätsentschädigung von maximal 50.000€ vor – viel zu wenig, um im Schadensfall eine wirkliche Hilfe darzustellen. Beim UNFALL-SCHUTZ48 gibt es gleich gar keine Invaliditätsleistung – doch gerade die wäre wirklich sinnvoll. Zudem haben Verbraucher kaum Möglichkeiten, das „Kleingedruckte“ zu lesen und dabei Schwachstellen der Policen zu erkennen. Nicht zuletzt kann auch die Laufzeit Risikopotenzial bergen, angefangen vom oftmals erst recht späten Inkrafttreten des Versicherungsschutzes bis hin zum festgelegten Ablauf der Police, den man z.B. bei Reisen sehr genau im Auge behalten sollte.
Unser Urteil: Die meisten App-Versicherungen erscheinen auf den ersten Blick zwar vorteilhaft, bieten jedoch nur eine sehr geringe „Ausschnittdeckung“ zu vergleichsweise hohen Preisen. Wichtiger ist es daher, den eigenen Versicherungsschutz schon im Vorfeld so zu gestalten, dass eine gute Absicherung besteht, sodass eine App-Police nur im Einzelfall genutzt werden muss.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(01):15-15