Prof. Dr. Reinhard Herzog
Festverzinsliche Wertpapiere gelten als „sicherer Hafen“, der vor Schwankungen der Kapitalmärkte schützt. Gerade 2013 zeigte jedoch: Die Sicherheit hat ihren Preis. Statt wie in den Vorjahren von steigenden Kursen zu profitieren, ließ sich kaum noch die Inflationsrate ausgleichen. Festverzinsliche Wertpapiere haben zwei große Vorteile: Ihr Zins ist für die gesamte Laufzeit festgeschrieben, zudem wird das Kapital in der Regel pünktlich am Fälligkeitstermin zurückgezahlt. Damit sind sie ausgesprochen gut kalkulierbar. Wer heute eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit und 2,0 % Rendite kauft, weiß exakt, wann er welche Zahlungen erwarten kann und welchen Ertrag er erzielen wird.
Einziger Unsicherheitsfaktor ist die Kursentwicklung: Wenn die allgemeinen Kapitalmarktzinsen steigen, geht der Kurs der Anleihe zurück. Umgekehrt steigt er in Phasen mit rückläufigen Kapitalmarktzinsen. Diese Kursveränderungen fallen umso größer aus, je länger ein Papier noch läuft. Tangiert werden davon allerdings nur Anleger, die ihre Papiere vorzeitig verkaufen wollen oder müssen. Da die Rückzahlung zum vollen Nennwert erfolgt, geht der Kurs gegen Laufzeitende stets in Richtung 100%-Marke.
Dennoch lohnt es sich für jeden Anleger, den Rentenmarkt laufend zu beobachten. Denn gerade die Zinsschwankungen machen ein entsprechendes Timing erforderlich, um in jeder Zinsphase die bestmöglichen Erträge zu erzielen. Die Grundregel: Sind die Zinsen niedrig und drohen damit wieder steigende Zinsen, sollte man die Restlaufzeiten des eigenen Portfolios eher kurz halten, bei hohen und womöglich sinkenden Zinsen sollte man auf lange Restlaufzeiten setzen.
Nullsummenspiel
Wenig spektakulär war in diesem Zusammenhang das Börsenjahr 2013: Konnten Anleger zwischen 2008 und 2012 noch erhebliche Zusatzerträge durch steigende Anleihekurse erzielen, hat sich die Lage 2013 stabilisiert. Die durchschnittliche Umlaufrendite, die im Jahr 2012 unter die 1%-Marke abrutschte, ist unter Schwankungen leicht gestiegen, liegt aber mit aktuell rund 1,51 % immer noch nahe ihren Allzeit-Tiefstständen. Unter Berücksichtigung von Zinszahlungen wurde ein Investment 2013 somit meist zum Nullsummenspiel: Die Kursverluste durch den höheren Kapitalmarktzins wurden durch die Zinserträge meist vollständig ausgeglichen, zu verdienen war nicht mehr viel. Zufrieden können Anleger damit freilich nicht sein, denn schließlich zehrt auch die Inflationsrate am Investment.
Die anhaltend niedrigen Zinsen haben vorwiegend zwei Ursachen: Zum einen werden die Kapitalmärkte nach wie vor mit extrem billigem Zentralbankgeld geflutet, zum anderen gibt es immer weniger Alternativen – die Immobilienpreise ziehen massiv an und machen den Einstieg uninteressant, bei Rohstoffen ist die Volatilität zuletzt massiv gestiegen und auch an den Aktienmärkten herrscht nach den kräftigen Kurssteigerungen 2013 zunehmende Skepsis und die Furcht vor Rückschlägen. Nicht ganz unbedeutend ist aber auch der Zufluss ausländischen Kapitals: Nach dem Schuldendebakel der USA sucht z.B. China nach Anlagealternativen zum Dollar. Bemerkbar macht sich dies u.a. bei den Anleihen europäischer Krisenländer wie Italien und Spanien, die zuletzt stark nachgefragt waren und entsprechend deutliche Zinsrückgänge verzeichneten.
Zinsen werden steigen
Da all dies auch den Rentenmarkt 2014 prägen wird, ist wieder mit einer eher ertragsarmen Periode zu rechnen. Tendenziell – darüber sind sich Experten einig – sind jedoch steigende Zinsen zu erwarten und es erscheint keineswegs ausgeschlossen, dass die Umlaufrendite im Jahresverlauf auf 2,0 % anzieht und mittelfristig sogar in den Bereich von über 3,0 % vordringt. Schon jetzt wird dies in den sehr unterschiedlichen Zinskurven für verschiedene Laufzeiten deutlich: Während bei den öffentlichen Anleihen Kurzläufer mit drei Jahren Restlaufzeit immer noch weniger als 0,7 % abwerfen, hat sich die Zinskurve bei den Langläufern mit 15 Jahren Laufzeit im Bereich von 2,6 % stabilisiert.
Für gut sortierte bestehende Engagements gibt es derzeit nur geringen Handlungsbedarf. Viel zu verdienen dürfte 2014 zwar nicht sein, jedoch nehmen auch die Risiken angesichts der immer kürzeren Restlaufzeiten weiter ab. Wer sich neu engagieren möchte, sollte weiterhin selektiv vorgehen: Hinsichtlich der Laufzeit sollte der Schwerpunkt auf den Bereich vier bis sieben Jahre gelegt werden, bei der Titelauswahl sollte man auf Papiere mit „angemessener“ Rendite achten. Dies sind insbesondere Bank- und Unternehmensanleihen von Emittenten mit guter Bonität, mit denen selbst in diesem Laufzeitsegment Renditen zwischen 1,75 % und 2,75 % zu erzielen sind.
Kaum eine Alternative stellen hingegen Bundesanleihen dar, die immer noch keinen nennenswerten Ertrag abwerfen. Meiden sollte man derzeit aber auch „nachrangige“ Bankschuldverschreibungen, denn hier droht im Fall einer Schieflage der Bank ein Kapitalverlust. Oft extrem risikobehaftet sind die im vergangenen Jahr in großer Vielfalt angebotenen Mittelstandsanleihen: Da sich die Bonität hier selbst von Experten kaum zutreffend einschätzen lässt, sollten allenfalls solche Papiere gewählt werden, deren Emittenten man z.B. durch die regionale Nähe kennt. Aber selbst dann sollten Engagements eher klein gehalten werden. Mehr Transparenz herrscht hingegen bei den Unternehmensanleihen börsennotierter Firmen, ist hier die Bonität doch zumindest bis zu einem gewissen Grad aus der Kursentwicklung der jeweiligen Aktie ablesbar.
Mehr denn je lohnt sich jedoch ein Blick ins Ausland. Der Euro hat im Jahresverlauf 2013 aufgrund der zunehmenden Beruhigung an der Schuldenfront gegenüber vielen Währungen deutlich zugelegt. Dabei waren es insbesondere die einst als „Fluchtwährungen“ gepriesenen Devisen wie die norwegische Krone oder der australische Dollar, deren Kurse um bis zu 20 % gegenüber dem Euro nachgaben. Einige davon, etwa der südafrikanische Rand, notieren heute bereits im Bereich ihrer Allzeit-Tiefststände. Hier ist es – auch angesichts der meist attraktiven Zinsen – durchaus überlegenswert, ein kleines Engagement aufzubauen. Entscheidend ist, wie sich die Wirtschaft im jeweiligen Zielland entwickelt und wie groß die Zinsdifferenz zu Papieren aus der EWWU ist. Besonders wichtig ist zudem, auf die Schuldnerbonität zu achten – erkennbar u.a. am Rating der führenden Agenturen, aber auch an eventuell deutlichen Abweichungen von der Durchschnittsrendite der jeweiligen Anlagewährung. Grundregel dabei: Je höher ein Papier verzinst und je größer der Zinszuschlag gegenüber vergleichbaren Titeln, umso höher ist auch das Risiko eines Investments.
Entwicklung des Dollar beobachten
Eine Sonderstellung nimmt der US-Dollar ein, der in vielen Anlagevorschlägen als wichtigste Basis eines Fremdwährungsinvestments dargestellt wird. Sein Kurs hat im Jahr 2013 deutlich nachgegeben – wobei er mit 1,37 US-Dollar je Euro immer noch erheblich höher notiert als im Krisenjahr 2008, als sein Kurs bei annähernd 1,60 US-$ lag. Gegen eine neuerliche Kursstärke spricht insbesondere der marode Staatshaushalt der USA, aber auch die zunehmende Abwendung von Ländern wie China, die das Vertrauen in die „Weltwährung Nummer eins“ zumindest momentan etwas verloren haben. Andererseits hat gerade der US-Dollar in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Trendwenden oft unvermittelt kommen und sich zudem mit fundamentalen Fakten kaum begründen lassen. Denn schließlich spielt hier die „Spekulation“ – auf die mehr als 95 % aller Umsätze an den Devisenbörsen entfallen – die entscheidende Rolle. Zumindest vorerst sollten Engagements daher eher klein gehalten werden, jedoch lohnt es, die weitere Entwicklung und insbesondere die „Stimmung“ pro oder contra Dollar zu beobachten.
Weniger turbulent dürfte die Entwicklung im kommenden Jahr hingegen beim Schweizer Franken sein: Nachdem die Regierung 2011 den Höhenflug durch Festlegung einer Interventionsgrenze gestoppt hat, pendelt der Franken in einer vergleichsweise engen Bandbreite. Als Anlagewährung erscheint er indes weiterhin eher uninteressant, denn einerseits droht bei einer anhaltenden Stabilisierung der Wirtschaftslage in Europa durchaus eine Kursschwäche, die auch von der Schweizer Wirtschaft herbeigesehnt wird. Andererseits sind die Zinsen im Nachbarland ebenfalls extrem niedrig, sodass ein Investment kaum besser abschneiden dürfte als in Euro. Einzig als „Krisenanlage“ im Falle einer erneuten Verschärfung der Eurokrise ist der Franken durchaus geeignet – und selbst dann dürften Investments nur wenig Ertrag bringen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(01):13-13