Helmut Lehr
Durch die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags haben kleinere Betriebe und damit auch viele Apothekeninhaber die Möglichkeit, bereits im Vorfeld einer geplanten Investition Steuern zu sparen, sodass die spätere Anschaffung erleichtert wird. Konkret können 40 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten/Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts, das in den folgenden drei Jahren angeschafft/hergestellt werden soll, steuermindernd geltend gemacht werden1).
Wesentliche Voraussetzungen
Begünstigt ist die Anschaffung/Herstellung eines neuen oder gebrauchten (!) beweglichen Wirtschaftsguts des Anlagevermögens. Der Abzugsbetrag kann allerdings nur beansprucht werden, wenn der Betrieb am Schluss des Wirtschaftsjahres, in dem der Abzug vorgenommen wird, ein steuerliches Betriebsvermögen von nicht mehr als 235.000€ ausweist. Dieses ermittelt sich wie folgt2):
Beispiel: Apothekerin Mertens beabsichtigt, Anfang des Jahres 2015 die Apotheke komplett neu einzurichten. Zur Ladeneinrichtung gehören dann u.a. eine Freiwahl mit zwei Durchgängen mit Ganzglastüren, eine Sichtwahl mit Durchgangsüberbau, sechs Kosmetikfreiwahlregale sowie eine Säulenverkleidung.
Sie hat nun die Möglichkeit, bereits in der Steuererklärung für 2013 einen steuermindernden Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 40 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten zu bilden, sofern sie die Wirtschaftsgüter ihrer Funktion nach benennen kann. Der Finanzverwaltung reicht es aus, wenn die betriebsinterne Bestimmung stichwortartig dargelegt wird.
Hinweis: Die Vorlage eines Investitionsplans oder eine feste Bestellung eines bestimmten Wirtschaftsguts ist nicht erforderlich. Die notwendigen Unterlagen bzw. Angaben zum Abzugsbetrag können in zeitlicher Hinsicht neuerdings auch noch in einem Einspruchs- oder Klageverfahren gegen den entsprechenden Steuerbescheid vervollständigt werden.
Regale und Regalwände als bewegliche Wirtschaftsgüter
Sofern die Ladeneinrichtung (z.B. Freiwahl/Sichtwahl) auch die Funktion von Raumteilern/Wänden übernehmen soll, kommen einzelne Finanzämter womöglich auf die Idee, den Investitionsabzugsbetrag nicht anzuerkennen, weil es sich bei den noch zu erwerbenden Wirtschaftsgütern zivilrechtlich um wesentliche Gebäudebestandteile handelt – schließlich sind nur bewegliche Wirtschaftsgüter begünstigt. So sind beispielsweise Schrank und Trennwände in einem Großraumbüro (eines Architekten) wegen der Funktion von Gebäudeinnenwänden nach Ansicht von Rechtsprechung und Finanzverwaltung dem Gebäude zuzurechnen.
Bei Apotheken verhält es sich aber glücklicherweise anders. Regale und Regalwände in einer Apotheke sind nach einem ausdrücklichen Urteil des Bundesfinanzhofs bewegliche Wirtschaftsgüter (Betriebsvorrichtungen), wenn sie der Ausstellung der in der Apotheke zum Verkauf angebotenen Arzneimittel und Gesundheitspro- dukte dienen3). Betriebsvorrichtungen sind selbst dann selbstständige bewegliche Wirtschaftsgüter, wenn sie zivilrechtlich als wesentliche Gebäudebestandteile gelten.
Hinweis: Auch die im Beispiel genannte Säulenverkleidung gehört nach Ansicht des Bundesfinanzhofs zu den beweglichen Wirtschaftsgütern, wenn sie nicht zur allgemeinen Nutzung des Gebäudes als solchem (z.B. aus statischen Gründen) erforderlich ist.
Problemkreis Pkw
Ein Investitionsabzugsbetrag ist nur für solche Wirtschaftsgüter zulässig, die fast ausschließlich betrieblich genutzt werden. Die private Nutzung darf maximal 10% betragen, weshalb insbesondere Investitionsabzugsbeträge für die künftige Anschaffung von betrieblich genutzten Pkws sehr genau geprüft werden.
Die Finanzverwaltung hat nun zugunsten der Steuerpflichtigen klargestellt, dass Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung und die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb (Apotheke) der betrieblichen Nutzung zuzurechnen sind4).
In der Praxis wird die fast ausschließliche betriebliche Nutzung eines Geschäftswagens, den der Unternehmensinhaber (oder dessen Angehörige) gelegentlich auch privat mitbenutzt, nur durch ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch nachzuweisen sein.
Wird der private Nutzungsanteil für einen Pkw nach der sog. 1%-Regelung berechnet, gehen die Finanzämter für Zwecke des Investitionsabzugsbetrags grundsätzlich von einem schädlichen Nutzungsumfang (>10 % Privatfahrten!) aus. Die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags im Vorfeld der Anschaffung ist dann nicht möglich bzw. später rückgängig zu machen.
Hinweis: Allerdings scheidet die Bildung eines Investitionsabzugsbetrags für die geplante Anschaffung von weiteren Pkws nicht deshalb aus, weil bei einem bereits vorhandenen Fahrzeug die Privatnutzung mittels 1%-Regelung berechnet wird/wurde.
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1) Vgl. AWA-Ausgabe Nr. 15 vom 1. August 2009, Seite 18 und 19.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(03):18-18