Prof. Dr. Reinhard Herzog
Nebenwerte im Plus
Bereits 2012 wiesen die im MDAX zusammengefassten Nebenwerte überdurchschnittliche Wachstumszahlen auf. 2013 stieg der Index um 40 %, Spitzentitel wie die Aktien von Sky (+94 %), Dürr (+92 %) oder Leoni (+90 %) konnten ihre Kurse nahezu verdoppeln. Auf der Negativseite finden sich vorrangig Papiere der Rohstoffbranche, etwa Salzgitter (–22 %), Aurubis (–18 %) oder Südzucker (–37 %).
Freundlich, aber meist mit wesentlich weniger Elan entwickelten sich 2013 die anderen europäischen Börsenplätze. Der Dow Jones Euro-Stoxx-50-Index erreichte ein Plus von rund 22 %, zu den Spitzenbörsen zählten mit ähnlich positiver Tendenz Zürich, Oslo und London. „Verlierer“ waren die osteuropäischen Börsen, deren Leitindizes 2013 per saldo nahezu keine Veränderung aufwiesen. Leicht abwärts ging es sogar in Russland; hier gab das Börsenbarometer RTX um 9 % nach.
Weltweit war es der japanische Aktienmarkt, der – erstmals seit langer Zeit – wieder deutlich zulegte. Mit einem Plus von 60 % wurde der fast vierjährige Abwärtstrend gebrochen, wobei Experten die Stärke des Aufschwungs mit Nachholpotenzial, aber auch mit der Stabilisierung der japanischen Wirtschaft begründen. Dagegen war in China nicht viel Geld zu verdienen: Der maßgebliche Shanghai-Composite-Index gab im Jahresverlauf 6 % nach, nur Hongkong legte geringfügig um 3 % zu. Recht erfolgreich hingegen war der amerikanische Aktienmarkt: Der 30 Spitzentitel umfassende Dow-Jones-Index schloss das Jahr mit einem Wertzuwachs von 28 %, der mit 500 Aktien breiter angelegte Standard & Poor‘s-Index brachte es auf 31 % und der Technologieindex NASDAQ-100 kletterte um 37 %.
Treibende Kraft für diese insgesamt positive Entwicklung war insbesondere die anhaltende Liquiditätsschwemme: Es steht ausreichend Geld zum Investment an den Aktienmärkten zur Verfügung, gleichzeitig gibt es derzeit kaum interessante Alternativen – Rentenwerte bringen keinen nennenswerten Ertrag, Immobilien sind vielfach überteuert und Sachwerte wie Gold sind seit der Entspannung an den Krisenmärkten Südeuropas wieder in Vergessenheit geraten.
Dennoch mangelt es nicht an Stimmen, die nach der Hausse im zweiten Halbjahr 2013 vor einer „Blasenbildung“ warnen. Und in der Tat gibt es entsprechende Signale: Der DAX notiert nicht nur nahe seinen Rekordständen, sondern hat auch alle charttechnischen Widerstandsmarken des Aufwärtstrendkanals nach oben durchbrochen. Nicht ganz so ausgeprägt ist dies beim Dow-Jones-Index, doch auch hier wurde ein Allzeithoch erreicht.
Allein aus charttechnischer Sicht scheint die Zeit für eine Korrektur gekommen. Ein „gesunder“ Spielraum besteht bis in den Bereich von 8.800 Punkten, erst ein Rückgang unter den bei rund 8.580 Punkten verlaufenden Gleitenden 200-Tage-Durchschnitt wäre als Warnsignal zu sehen. Eine solche Korrektur wäre auch im Sinne der weiteren Börsenentwicklung positiv, lieferte sie dem Index dann doch Potenzial, seinen Kursanstieg in Richtung 10.000 Punkte fortzusetzen.
Denn fundamental ist die Börsenlage derzeit durchaus in Ordnung. Die temporäre Konjunkturschwäche hat sich kaum auf die Ertragslage deutscher Unternehmen ausgewirkt und für 2014 rechnen Beobachter wieder mit einem deutlich stärkeren Wachstum. Auch die fundamentalen Kennzahlen der Aktienkonzerne wie das Kurs/Buchwert-Verhältnis, das Kurs/Gewinn-Verhältnis und die Dividendenrendite sprechen weiterhin für ein Engagement. Nicht zuletzt verzeichnen sowohl die deutschen als auch die europäischen Börsen seit den Zahlungsproblemen der USA ein zunehmendes Interesse internationaler Anleger, insbesondere aus China.
Risiken drohen vorrangig aus dem Ausland. Sollte sich z.B. die Finanzkrise in Südeuropa wieder verschärfen oder die Verschuldung der USA unverändert stärker ansteigen als in den Rahmenbedingungen zulässig, könnte dies die Börse deutlich negativ beeinflussen. Größtes Damoklesschwert ist jedoch die Geldmengensteuerung der Notenbanken. Jedem ist klar, dass die „Politik des billigen Geldes“ nicht langfristig aufrechterhalten werden kann, ohne die Geldwertstabilität zu gefährden. Schon kleinste Anzeichen einer etwas restriktiveren Geldpolitik sorgten jedoch bereits für Kursrückschläge an den Börsen. Wenn die Notenbanken ihre Zügel dauerhaft anziehen, wird dies an den Aktienmärkten nicht spurlos vorübergehen.
Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Anleger? Zum einen sind Aktien weiterhin ein unverzichtbarer Teil jeder breit gestreuten Geldanlage. Allein die Dividendenrendite vieler Papiere liegt weit über den Erträgen, die 2014 von Rentenwerten erwartet werden. Zum anderen gilt es aber, sich auf temporäre Abschwächungen einzustellen. Entsprechend sollten Engagements derzeit eher unter kurzfristigen Gesichtspunkten eingegangen werden, zudem ist eine selektivere Titelauswahl geboten.
Favorit unter den Aktienmärkten bleibt weiter Deutschland, das sich auch 2014 als „Konjunkturlokomotive“ in Europa behaupten wird. Zunehmend sollten Anleger ihr Augenmerk jedoch auch auf die europäischen Börsen legen. Bisher dominieren in den meisten Märkten und Branchen noch die Unsicherheiten. Im Falle einer fortgesetzten Konjunkturerholung besteht daher ein entsprechender Nachholbedarf, der 2014 für größere Gewinne als beim DAX sorgen könnte.
Korrekturpotenzial in den USA
In den USA empfehlen sich ebenfalls eher selektive Investments in Papiere mit erkennbarem Nachholbedarf. Dabei sollte man sich der Tatsache bewusst sein, dass der Dow-Jones-Index nach dem Kursanstieg 2013 derzeit ein gewisses Korrekturpotenzial hat. Zudem bestehen Risiken in Zusammenhang mit dem Haushaltsdefizit, die den Markt in den kommenden Jahren weiterhin belasten werden. Hingegen wird dem US-Dollar nach der Schwäche im vergangenen Jahr ein erkennbares, wenn auch überschaubares Nachholpotenzial eingeräumt.
Weiterhin eher geringe Chancen sehen Experten an der chinesischen Börse. Im „Reich der Mitte“ liegen die Wachstumsraten zwar deutlich über den Sätzen in Europa oder den USA, andererseits ergeben sich gerade daraus zunehmend Enttäuschungsrisiken. Zudem belastet die Flut der jetzt wieder zugelassenen Neuemissionen, die dem Markt erhebliches Kapital entzieht.
Zu einem Jahr der Konsolidierung dürfte 2014 in Japan werden. Nach dem massiven Kursanstieg 2013 wird mit einer Stabilisierung des Nikkei-225-Index im Bereich von 15.000 Indexpunkten gerechnet, die sich durchaus über mehrere Monate erstrecken könnte. Potenzial besteht insbesondere dann, wenn das Börsenbarometer die Widerstandsmarken des bereits 1990 begonnenen Abwärtstrendkanals nachhaltig nach oben durchbrechen kann, also deutlich über 15.500 Punkte ansteigt. Hingegen erscheinen die Risiken vorerst überschaubar: Solange der Nikkei nicht unter rund 14.000 Punkte einbricht, ist der neue Aufwärtstrend aus charttechnischer Sicht intakt. Eines muss man dabei jedoch beachten: Fundamentale Risiken – insbesondere die anhaltend schwierige Lage in Fukushima – sind bisher noch nicht in den Kursen eingepreist, sodass die weitere Entwicklung genau beobachtet werden sollte.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(03):12-12