Prof. Dr. Reinhard Herzog
Hohe Zinsen
So hat etwa Goldman Sachs eine Aktienanleihe auf die Allianz-Aktie mit Laufzeit bis Dezember 2014, einem Zinscoupon von 12,0 % und einem Basispreis von 100€ ausgegeben, die aktuell zu rund 107 % gehandelt wird (ISIN: DE000GS9AAD6). Die Allianz-Aktie kostet derzeit ca. 125€. Nun gibt es mehrere Möglichkeiten:
- Das Allianz-Papier liegt im Dezember 2014 mindestens bei 100€. In diesem Fall wird neben der Verzinsung von 12,0 % p.a. der volle Nominalwert zurückgezahlt, der Anleger hat also rund 4,6 % (Kaufpreis minus Einlösungskurs plus Zinsertrag) verdient.
- Die Allianz-Aktie kostet im Dezember 2014 weniger als 100€. Dann erfolgt pro Anleihe (1.000er- Stückelung) die Auslieferung von 10 Aktien. Kostet die Allianz-Aktie also z.B. 95€, bekommt der Anleger 10 Aktien im Gegenwert von 950€ gutgeschrieben, sodass er angesichts des aktuellen Einstandskurses von 107 % zunächst einen Verlust gemacht hat.
Ein wichtiger Pluspunkt dabei: Die Zinsen in Höhe von 12 % fließen dem Anleger in jedem Fall zu, sodass Risiken erst bei einem sehr deutlichen Kursrückgang des Basiswerts auftreten. Und selbst davor können sich Anleger schützen: Am Markt werden zahlreiche „Protect-Aktienanleihen“ gehandelt, die zwar eine etwas niedrigere Rendite erwarten lassen, dafür jedoch im Fall eines starken Kursverfalls zumindest einen Schutzwall bieten. Im Übrigen ist es für viele Anleger interessant, während einer temporären Börsenschwäche Aktien zu erhalten – die letztlich wieder neue Chancen bieten.
Attraktiv sind Aktienanleihen immer, wenn eine Seitwärtsbewegung erwartet wird oder allenfalls mit einem mäßigen Kursanstieg des Basiswerts zu rechnen ist. Hingegen ist im Fall eines starken Kursgewinns das Direktinvestment die günstigere Lösung, denn schließlich kann mit der Aktienanleihe maximal der Nominalzins verdient werden.
Während Aktienanleihen im Einzelfall eine gute Alternative zu einem Direktinvestment in eine Aktie darstellen, ist bei der Zusammenstellung größerer Depots aus solchen Papieren etwas Vorsicht geboten. Legt man z.B. ein Portefeuille mit 20 verschiedenen Aktien zugrunde, werden im Regelfall überdurchschnittliche Kursverluste bei einzelnen Titeln durch überdurchschnittliche Gewinne bei anderen ausgeglichen. Letztlich ergibt sich ein Depotertrag, der sich mit steigender Zahl von Papieren immer mehr dem Index, z.B. dem DAX, annähert. Bei Aktienanleihen stehen für den Verlustausgleich jedoch maximal die Zinszahlungen zur Verfügung. Zudem werden im Gegensatz zu Direktinvestments bei Aktienanleihen keine Dividenden bezahlt.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(04):12-12