Abrufkredite

Schnelles Geld zu günstigem Zins


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Dispokredite stehen bei Banken und Sparkassen hoch im Kurs: Da sie bis zu 14% Zins bringen, werden sie den Kunden nur allzu gerne eingeräumt. Weniger bekannt ist hingegen der sogenannte Abrufkredit, der nur die Hälfte kostet und noch dazu mehr Flexibilität bietet.

Keine Gebühren

Festgelegt wird ein bestimmter Kreditrahmen, der jederzeit und ohne weitere Rücksprache in Anspruch genommen werden kann. Zinsen fallen nur auf den aktuellen Kreditsaldo an, Ge­bühren kennt man in der Regel nicht. Auch die Tilgungsmöglichkeiten sind sehr einfach: Eine Einzahlung oder Überweisung auf das Abrufkreditkonto, und die Schulden reduzieren sich entsprechend. Die Tilgungsbeträge müssen allerdings mindestens bei 1% bis 2% der vereinbarten Kreditsumme bzw. 10€ bis 50€ pro Monat liegen.Vergleichbares bieten im Übrigen auch Kreditkartengesellschaften, speziell in Verbindung mit VISA-Karten. Hier wird die Monatsrechnung nicht in vollem Umfang bezahlt, sondern lediglich eine Tilgung von z.B. 10% des aktuellen Kontosaldos abgebucht. Einige Anbieter verzichten sogar ganz auf die Monatsrechnung, sondern führen das Kartenkonto als „echten“ Kredit, d.h., alle Zahlungen werden wie beim Abrufkredit unmittelbar belastet und nicht monatlich gesammelt.

In allen diesen Fällen ist jedoch Vorsicht geboten: Zinssätze von mehr als 15% p.a. sind bei Kartenkonten keineswegs unüblich, sodass diese Form der Raten­zahlung im Regelfall selbst dann gemieden werden sollte, wenn die Karte gebührenfrei zur Ver­fügung gestellt wird.

Doch auch die Bequemlichkeit und die Preisgünstigkeit eines Abrufkredits sollten nicht dazu führen, dass er dauerhaft genutzt wird. Denn schließlich ist ein Zins von etwa 7% weitaus höher als jeder Guthabenzins, der sich derzeit beispielsweise mit An­leihen erzielen lässt. Wird das Geld also für mehr als drei bis vier Monate benötigt, ist ein Rückgriff auf die vorhandenen Geldanlagen wesentlich günstiger als der Abrufkredit, selbst wenn damit Gebühren verbunden sind.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(14):15-15