Apothekertag aktuell

Drei Fragen an Friedemann Schmidt


Dr. Christine Ahlheim

Friedemann Schmidt ist Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer sowie Inhaber der Seume-Apotheke in Leipzig.

AWA: Welche Erwartungen haben Sie an den diesjährigen Deutschen Apothekertag in München?

Schmidt: Ich erwarte eine erfrischende und kontroverse, aber dann doch auch sehr zielgerichtete Debatte über die Zukunft unseres Berufsstandes und des Gesundheitswesens. Wir haben jetzt schon fast ein Jahr der Großen Koalition hinter uns und sollten daraus einige Schlüsse für den weiteren Verlauf der Legislaturperiode ziehen. Obwohl er nämlich als „Neuling“ in die Gesundheitspolitik eingestiegen ist, hat Minister Hermann Gröhe schon so einige Pflöcke eingeschlagen und große Projekte angestoßen – ob man nun an die Pflegereform, die Finanzierung der Krankenkassen oder die Versorgung auf dem Lande denkt. Das Spannende ist dabei, dass es im Gesundheitssystem noch immer „Baustellen“ gibt, die ab diesem Herbst angegangen und auch in Gesetzesform gegossen werden sollen.

Für unseren Berufsstand gilt: Alle Projekte, die auf Demografiefestigkeit, Präventionswirkung, Patientenorientierung und Versorgungsqualität abzielen, sind für uns nicht nur interessante, sondern notwendige Zukunftsthemen, derer wir uns strategisch annehmen müssen. Als Ergebnis des vor fast genau einem Jahr in Düsseldorf initiierten Leitbildprozesses legen wir nun das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ dem Deutschen Apothekertag zur Bestätigung und Umsetzung vor. Aber auch mit unserem Grundsatzpapier zum Medikationsmanagement und unseren Thesen zur Europapolitik haben wir wichtige Themen auf die Agenda gesetzt, über die wir in München weiter diskutieren werden.

AWA: Welche Konsequenzen wird aus Ihrer Sicht die Verabschiedung des Perspektivpapiers „Apotheke 2030“ für den Berufsstand haben und mit welchen Reaktionen rechnen Sie seitens der Öffentlichkeit und der Ärzteschaft?

Schmidt: Zunächst einmal: Wir Apotheker können stolz darauf sein, das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ der Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages 2014 vorlegen zu können. Mit einer so breiten, ausführlichen und nachhaltigen Diskussion vieler Tausend Apotheker hätte wohl kaum jemand von uns vor einem Jahr gerechnet. Die vielen Kommentare im Internet, all die Abendveranstaltungen und Mitgliederversammlungen, der Konvent und die Redaktionssitzungen – über so viel konstruktives Engagement würden sich andere Berufsgruppen mehr als freuen.

Deshalb haben wir dem Leitbildprozess und dem daraus resultierenden Perspektivpapier auch diesmal viel Zeit und Raum in der Tagesordnung gegeben. Wie der Name schon sagt, haben wir in „Apotheke 2030“ das Bild einer modernen Apotheke im Jahr 2030 gezeichnet. Doch mit der Abstimmung darüber in München hört die Arbeit nicht auf – im Gegenteil. Jetzt geht‘s erst richtig los, denn nun müssen wir die Strategie auf dem Weg dorthin beschreiben und umsetzen. Qualifikation, Medikationsmanagement und Versorgungsstruktur werden die ersten drei konkreten Themen sein, die in München diskutiert und im Nachgang dazu ausgearbeitet werden.

Die Öffentlichkeit haben wir immer wieder dafür sensibilisiert, dass wir Apotheker für die Versorgungsqualität mehr tun und können als das, was bei der einmaligen Abgabe eines Fertigarzneimittels erkennbar ist. Für Patienten muss die strategische Neuausrichtung der Apotheker aber eben auch in der Apotheke erlebbar sein, um sie wirklich wahrzunehmen. Daran müssen wir im Alltag, in Modellprojekten, mit Worten und Taten stetig arbeiten. Die Ärzte wissen längst, dass wir sie beim Medikationsmanagement unbedingt dabeihaben wollen. Dem „Heilberuflichen Netzwerk“ haben wir im Perspektivpapier ein eigenes Kapitel gewidmet.

AWA: Welche Möglichkeiten sehen Sie, in absehbarer Zeit die Honorierung der Apotheker angemessen zu erhöhen?

Schmidt: Die Anpassung des Festzuschlags auf 8,35€ pro rezeptpflichtigem Arzneimittel im Jahr 2013 war wichtig und richtig, aber eben leider nicht ganz angemessen und ausreichend. Inflation und Tarifgehälter erhöhen die Kosten der inhabergeführten Apotheken, und die Leistungen werden immer anspruchsvoller und aufwändiger. Eine regelmäßige Überprüfung des Fixums und eine leistungsgerechte Rechenmethodik sind die Grundvoraussetzungen für ein kosten- und leistungsbezogenes Honorar der Apotheker. Dafür setzen wir uns weiterhin mit allen Kräften ein.

Daneben spielen auch andere Vergütungsfragen eine Rolle. Der Zwangsabschlag zugunsten der gesetzlichen Krankenkassen soll dauerhaft gesetzlich auf 1,77€ festgesetzt werden. Darauf haben sich der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband geeinigt. Den Kassen bliebe somit ihr Abstand zum PKV-System erhalten – und die Apotheker müssten ihre Fakten und Argumente nur noch der Regierung gegenüber vortragen.

Beim Nacht- und Notdienstfonds wird das versprochene Volumen von 120 Mio.€ pro Jahr wohl nicht ganz erreicht – auch hier mahnt der DAV zu Recht Nachbesserungen an. Apropos Gemeinwohlpflichten: Die allzu niedrigen Rezepturzuschläge und Betäubungsmittelgebühren stehen natürlich auch längst schon auf unserer Agenda. Hier gilt wie fast überall: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(18):4-4