Prof. Dr. Reinhard Herzog
Ganz gleich, ob der Anleger in deutsche Rentenwerte, internationale Aktien oder auch „exotische“ Produkte wie etwa chinesische Exportwerte investieren möchte – der passende Fonds steht immer zur Verfügung. Die Fondsgesellschaften lassen sich ihre Dienstleistung aber gut bezahlen. Bereits beim Einstieg werden je nach Fondsart meist 3,0% (Rentenfonds) bzw. 5,0% (Aktien- und Immobilienfonds) als Ausgabeaufschlag erhoben – ein Betrag, der nicht mehr für die eigentliche Anlage zur Verfügung steht.
Mitte der 1990er-Jahre kam mit der Gründung der ersten Discountbroker und Fonds-Shops Bewegung in die Branche. Erstmals wurden Investmentanteile mit einem Rabatt angeboten, der sich insbesondere nach den Vereinbarungen zwischen Fondsgesellschaft und Vermittler richtete und meist bei 25% bis 50% des Ausgabeaufschlags lag. Konnten zunächst nur die kleineren sowie ausländische Kapitalanlagegesellschaften zu Preiszugeständnissen bewegt werden, folgten bald schon die meisten „großen“ Emittenten wie DWS und ADIG. Lediglich die sparkasseneigene Deka und die genossenschaftliche Union übten sich in Zurückhaltung. Nachteil jedoch in allen Fällen: Der Abrechnungspreis steht weder beim Kauf noch beim Verkauf fest, vielmehr wird der Kurs einmal börsentäglich durch die Fondsgesellschaft festgelegt.
Sie werden an der Börse gehandelt, sodass der Anleger bereits im Vorfeld den Endpreis seiner Transaktion kennt. Der Börsenkurs richtet sich grundsätzlich nach Angebot und Nachfrage, letztlich aber nach den vom Marktbetreuer gestellten Kursen. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig, die Handelsspanne zwischen Verkaufs- und Ankaufskurs liegt meist bei unter 0,2%. Hinzu kommen aber börsenübliche Transaktionsspesen zwischen 0,2% und 1,0% des Auftragswerts. Einen Ausgabeaufschlag gibt es hingegen nicht.
Lohnend ab mittleren Volumina
Inzwischen haben auch die Manager klassischer Investmentfonds nach und nach den Großteil der in Deutschland angebotenen Fonds zum Handel via Börse freigegeben. Auch hier gilt damit wieder das Wechselspiel aus Angebot und Nachfrage unter Berücksichtigung der Aktivitäten des jeweiligen Marktbetreuers, der ansonsten übliche Ausgabeaufschlag entfällt jedoch.
Während sich der Kauf via Börse bei Kleinstaufträgen bis zu ca. 1.000€ aufgrund der anfallenden Spesen kaum lohnt, rechnet sich das Geschäft bereits ab mittleren Volumina. Anleger, die z.B. den Allianz Vermögensbildung Europa A (ISIN: DE0008481813) kaufen wollen, zahlen beim Erwerb direkt bei der Fondsgesellschaft derzeit 46,62€ je Anteil. Der Rücknahmepreis liegt indes bei 44,40€, was einem Ausgabeaufschlag von 5% entspricht. Beim Kauf über einen Discountbroker reduziert sich der Ausgabeaufschlag in der Regel auf 3%, sodass der Erwerb für 45,73€ je Anteil möglich ist. Spesen fallen dabei nicht mehr an.
Wer indes den Weg über die Börse wählt, kann den Fonds z.B. in Stuttgart oder Frankfurt bereits für 44,12€ bekommen, also ohne Zuschlag auf den Rücknahmepreis. Selbst wenn man vergleichsweise hohe Spesen von 1,0% zugrunde legt, kostet der Erwerb mit 44,56€ deutlich weniger als direkt bei der Fondsgesellschaft. Ein weiterer Pluspunkt des Internetkaufs: Der Auftrag wird sofort zum aktuellen Kurs abgeschlossen, sodass der Anleger nicht erst auf die neue Kursfeststellung der Fondsgesellschaft warten muss.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(18):13-13