Zinsentwicklung

Vorsorgetaktik gegen steigende Zinsen


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die durchschnittliche Anleiherendite bewegt sich derzeit im Bereich historischer Tiefststände. Nicht leicht haben es Anleger, die gerade jetzt neu investieren wollen – oder müssen. Mit der richtigen Strategie kann die Zinsbaisse jedoch abgemildert werden.

Die Aktienmärkte klettern von Rekord zu Rekord, die Immobilienpreise sind vielerorts überhöht und auch bei Sachwerten sind die Risiken in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gefragt sind daher „sichere Häfen“ und hier – insbesondere wegen der problemlosen Handhabung – vornehmlich festverzinsliche Wertpapiere. Entsprechend niedrig sind jedoch die Zinsen: Deutsche Staatspapiere sind praktisch unverzinst, selbst mit Anleihen aus der zweiten Bonitätsliga lassen sich kaum Renditen erzielen, die – insbesondere nach Steuern – die Geldentwertungsrate ausgleichen können.

Nun stellt sich einerseits die Frage nach der weiteren Zinsentwicklung, andererseits aber auch nach der optimalen Anlagestrategie. Die Grenze des Zinsabschwungs dürfte mittlerweile erreicht sein, denn mittel- bis langfristig sind Renditen im Bereich von 1,0% kein Zugpferd mehr, um die Geldanleger „bei der Stange halten“ zu können. Doch schon ein Renditeanstieg von derzeit 1,0% auf nur 2,0% hat fatale Folgen für die Kurse ausgegebener Papiere: Je nach Laufzeit bestehen bis zu 10% Kursrisiko, bei bonitätsschwachen Papieren sogar noch deutlich mehr. Zum Tragen kommt das Kursrisiko zwar nur im Falle eines vorzeitigen Verkaufs, denn die Rückzahlung der Papiere erfolgt zum vollen Nennwert. Schmerzhaft ist es dennoch, wenn die Zinsen einiger Jahre durch die Buchverluste aufgezehrt werden.

Mittelfristige Laufzeiten

Gut beraten sind Anleger daher, wenn sie ihr Depot entsprechend strukturieren. Erste Wahl sind festverzinsliche Wertpapiere mit relativ überschaubaren Laufzeiten. Investoren, die etwa ein vierjähriges Papier mit einer aktuellen Rendite von 1,5% erwerben, müssen kaum ein Kursrisiko fürchten. Denn selbst wenn die durchschnittliche Umlaufrendite in den kommenden beiden Jahren beispielsweise auf 2,5% steigen sollte, dürfte die Marktrendite für zweijährige Papiere – die für den gewählten Titel dann maßgeblich ist – kaum wesentlich über den genannten 1,5% liegen. Und zum Ende der Laufzeit wird die Anleihe ohnehin zum vollen Nennwert von 100% getilgt, sodass sich für Daueranleger kein Kursrisiko ergibt.

Oftmals ist es nicht einmal sinnvoll, aktuell freie Gelder bis zum – erwarteten – Erreichen eines höheren Kapitalmarktzinses zwischenzuparken. Denn im kurzfristigen Geldmarktbereich werden heute allenfalls 0,1% bis 0,3% bezahlt, während z.B. eine sechsjährige Unternehmensanleihe immerhin bis zu 2,0% bringt. Geht man davon aus, dass die Umlaufrendite in den kommenden beiden Jahren wieder auf 2,5% steigt, droht dem – bis dahin nur noch vierjährigen – Papier zwar ein Kursverlust von rund 3%-Punkten. Dies ist aber auch nicht mehr als der Zinsnachteil, den der Anleger im Falle des „Zwischenparkens“ seines Geldes realisiert hätte. Sollte das Zinsniveau gar auf heutigem Niveau verharren, ist das sechsjährige Papier ganz klar im Vorteil.

Anders ist die Lage lediglich dann, wenn sich durch die Auswahl eines renditestarken Tages- oder Festgeldangebots akzeptable Renditen erzielen lassen. Wer damit beispielsweise 1,1% erreicht kann es durchaus in Erwägung ziehen, sein Geld hier kurzzeitig zwischenzuparken. Allzu lang sollte dies jedoch nicht betrieben werden, denn schließlich ist damit doch ein beträchtlicher Zinsnachteil verbunden.

Spezielle Überlegungen sind aber auch erforderlich, wenn das Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt wird. In diesem Fall sollten Anleger die Restlaufzeit ihrer Investition auf den voraussichtlichen Verfügungszeitraum abstimmen: Das Geld wird zum benötigten Zeitpunkt fällig und kann damit genau eingeplant werden. Tragbar sind allenfalls Überschreitungen von einem bis maximal zwei Jahren, da sich hier die Kursrisiken in überschaubaren Grenzen halten.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2014; 39(20):13-13