Editorial

Zeit der schönen Worte


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Deutscher Apothekertag, Messezeit, Zeit der warmen politischen Worte: Für Unterhaltung ist gesorgt. Über vieles könnte man schmunzeln oder schlicht darüber hinwegsehen, bestünde nicht stets die Gefahr, dass so manches, was jetzt noch als Antrag oder Idee durch Ausschüsse und Köpfe geistert, nicht irgendwann den Berufsalltag beträchtlich beeinflussen könnte.

Dabei sind es oft scheinbare Kleinigkeiten und wenige Worte, die drastische Konsequenzen haben können – wenn auch nicht gleich so dramatisch wie jüngst die Äußerungen unserer Kanzlerin zur Flüchtlingsproblematik oder seinerzeit die Verlautbarung Günter Schabowskis zur Reisefreiheit und damit Maueröffnung.

„Maueröffnungen“ oder die Öffnung der „Honorarschleusen“ sind für uns nicht zu erwarten, doch Hinschauen lohnt durchaus, selbst wenn der Einzelne wenig ändern kann. Nicht überrascht zu werden ist ja auch schon ein Erfolg.

Profis sehen aber nicht in erster Linie die Gefahren, sondern Chancen. Und diese gibt es, auch wenn der Brotkorb höher hängt und auf dem Weg dahin so manch Hindernisparcours mit vielen Fettnäpfchen und Fallgruben zu überwinden ist. Vor allem aber verstehen sie ihr Geschäftsmodell, wissen, wovon sie (nicht) leben und wo Zukunftsmärkte und Potenziale schlummern. Unter diesem Aspekt ist sogar die Flüchtlingskrise nicht nur eine Herausforderung, sondern lokal eine gewisse Chance!

Mit den besten, herzlichen Grüßen,

Dr. Reinhard Herzog

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2015; 40(19):2-2