Prof. Dr. Reinhard Herzog
Patienten bekommen von ihren Ärzten immer häufiger verschiedene Behandlungen angeboten, deren Kosten von ihnen selbst zu tragen sind. Bei diesen sog. Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) geht es beispielsweise um die Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung, die Laser-Behandlung von Krampfadern, die professionelle Zahnreinigung, den Ultraschall der Brust zur Krebsfrüherkennung oder die Stoßwellentherapie bei einer Kalkschulter.
Die Akzeptanz dieser Selbstzahler-Leistungen ist jedoch nicht gerade hoch, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts für Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Mehr als die Hälfte der gesetzlich Versicherten (53 %) hat danach Zweifel am Nutzen dieser Individuellen Gesundheitsleistungen. So sind 38 % der Ansicht, diese hätten eher keinen Nutzen. Als auf keinen Fall nutzbringend beurteilen sie weitere 15 %.
Rund jeder vierte Befragte (27 %) hat zudem den Eindruck, vom Arzt manchmal oder sogar häufig unnötige Untersuchungen oder Behandlungen empfohlen zu bekommen. Dennoch lässt sich jeder dritte zweifelnde Patient trotz anfänglicher Bedenken vom Arzt überzeugen und nimmt die vorgeschlagene Diagnostik oder Therapie letztlich in Anspruch. Die Hauptgründe hierfür sind das Vertrauen in die ärztliche Kompetenz, die Meinung, eine Diagnostik oder Therapie mehr könne nicht schaden, sowie die Angst, sich falsch zu entscheiden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(05):3-3