Prof. Dr. Reinhard Herzog
Von Zeit zu Zeit werden wir Ihnen auch einmal verrücktere, ungewöhnliche Anlagemöglichkeiten vorstellen. Alle weisen große, teils atemberaubende Gewinnchancen auf. Umsonst gibt es das jedoch nicht.
Der Preis heißt Risiko! Zwar weiß niemand, was die Zukunft bringt. Selbst vermeintlich solide Aktien können dramatisch einbrechen, Beispiele gibt es genug. Sogar Staatsanleihen haben ihre Unschuld verloren. Streichen Sie also das Wort „sicher“, wenn wir von Kurstafeln reden. Vielleicht ist Ihr Häuschen sicher, und selbst da gibt es mehr Fragezeichen, als Sie jetzt denken.
Die beste Versicherung ist die Risikobegrenzung durch Streuung, laufende Nachverfolgung (und ggf. Ziehen der Reißleine, Stichwort Stop loss) und ein striktes Budget der eingesetzten Mittel. Bei spekulativen Empfehlungen sollte es immer nur um „Spielgeld“ gehen, welches Sie nicht wirklich brauchen und bei welchem Sie ggf. einen (Total-)Verlust verkraften können. Nach dieser Vorrede also Leinen los!
Der witzigste „Lottoschein“
... steht ausgerechnet auf dem Kurszettel für Anleihen. Tatsächlich kann man mit „High Yield Bonds“, hochverzinslichen Anleihen von Schuldnern minderer Bonität, enorme, Aktien vergleichbare Gewinne machen. Andersherum „nach Süden“ geht es natürlich auch. Es gibt sogar eigene Fonds, die quasi „Schrottanleihen“ zu ihrem Anlagethema gemacht haben (googeln Sie nach High Yield Bond Fund).
Wenn Sie auch sonst zu einem Wetteinsatz nicht Nein sagen, dann schauen Sie einmal auf unsere griechischen Freunde. Da werden sich die Nackenhaare sträuben angesichts der „Pleite-Griechen“, aber genau das macht ja die Spekulation aus. Einen Schuldenschnitt in jüngerer Geschichte (2012) haben sie ja schon hinter sich, und aus dieser bereits „geschröpften“ Schuldenmasse resultiert u.a. der Griechenland-Bond mit Laufzeit vom 24.02.2012 bis 15.10.2042, WKN A1G1UW. Gute Anleihe-Infos bietet stets die Börse Stuttgart (www.boerse-stuttgart.de).
Es gibt bislang noch keine Zinsen, etwaige Zahlungen i.H. von 1% p.a. sind abhängig von der BIP-Entwicklung Griechenlands (Fachbegriff GDP-Linker). Dafür notiert der Bond bei gerade mal um 0,30% (!), nahe dem Rekordtief. Er kann ab 2020 vorzeitig ausbezahlt werden. Dabei sinkt allerdings der Rückzahlungsanspruch (Nominalwert) von Jahr zu Jahr bis auf null in 2042, was einem „Verfall“ gleichkommt. Das sind schon viele Pferdefüße ... aber: Beim Lottospielen sind die Chancen noch weit geringer!
Der situationsbedingte Minimalkurs (u.a. Flüchtlingskrise) lockt, kleines Geld in diesen „Lottoschein“ zu investieren. Vergessen Sie das Ganze dann erst mal. Taktiker kaufen, warten auf eine jederzeit mögliche kräftige Zwischenerholung (die Anleihe notierte schon bei 1,4%, also dem Fünffachen!), verkaufen die Hälfte, haben so ihren Einsatz raus, und warten mit dem Rest ab ...
Konservativer ...
Hier sei die Deutsche Bank empfohlen. Wobei: So weit von einer Lotterie oder Wundertüte ist die auch nicht mehr weg. Wer hätte gedacht, was einmal aus dieser Ikone der Wirtschaft werden würde. Dennoch: Kaufen und einfach Geduld haben sollte sich lohnen, das Schlimmste dürfte eingepreist sein.
Bei VW ist jüngst Bewegung in den Abgasskandal gekommen. Wie die Bilanzen in dem auch von anderen Problemen geplagten Konzern aber noch gerupft werden, steht in den Sternen. Trotz Erholung steht eine weitere „Ausverkaufswelle“ womöglich nochmals an. Mutige greifen jedoch an schwachen Tagen schon einmal zu, laufen aber den Kursen nicht hinterher.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(09):15-15