Editorial

Der Trump-Effekt


Prof. Dr. Reinhard Herzog

„Wie konnte das nur passieren?“ Diesen Spruch hören wir immer öfter. Ob Finanz-, Euro- oder Nahost-Krise, der Brexit, das EuGH-Urteil oder jetzt der „Wahlsieg zweiter Klasse“ (da in absoluten Stimmen unterlegen) von Donald Trump – die Empörungskultur läuft jeweils zur Höchstform auf. Die „Eliten“, noch dazu in behütender Gutmenschengestalt, wussten und wissen es doch besser, aber das dumme Volk will das nicht erkennen.

Zählen wir uns als Apotheker (noch) zur „Elite“? Sehen wir uns als Meinungsmacher und in Schlüsselfunktionen? Falls ja, sollten auch wir achtgeben. Wir malen allerlei schwer verifizierbare Schreckgespenster an die Wand, falls es nicht nach unserem Gusto gehen sollte. Allzu gerne meinen wir zu wissen, was gut für den Patienten ist oder in unserem Sinne zu sein hat. Nehmen wir die Kunden bei alldem noch wirklich ernst? Schaffen wir den echten Schulterschluss? Oder werden wir uns bald wieder einmal wundern, dass die Volksseele ja ganz anders tickt und gar nicht von unseren tollen (wirklich durchweg kundendienlichen?) Leistungen ungefragt (zwangs-)beglückt werden will? Diese Quittung droht möglicherweise indirekt über die „große Politik“, die hier zwischen breiten Wähler- und unseren Partikularinteressen abwägen muss. 2017 ist schließlich Wahljahr.

Menschen mit- und ernstnehmen, die Kunden von uns überzeugen – das ist auch unsere Baustelle für die nächsten Monate!

Herzlichst,

Ihr

Dr. Reinhard Herzog

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(23):2-2