Wenig beachtete Marktnischen

Heil- und Hilfsmittel im Aufwind


Prof. Dr. Reinhard Herzog

7,6 Mrd. € gab die GKV 2015 für Hilfs- und 6,1 Mrd. € für Heilmittel aus, in der Summe beachtliche 13,7 Mrd. €, das sind 6,4 % der Gesamtausgaben. Diese Segmente mausern sich immer mehr. So beträgt der Kostenanstieg in den letzten fünf Jahren stolze 29 %, im Vergleich zu 15 % bei Arzneimitteln. Die Privatversicherungen wenden für diese beiden Leistungsbereiche nochmals gut 1,8 Mrd. € auf, und die Eigenanteile der Patienten kommen für die Gesamtumsatzbetrachtung jeweils noch obenauf.

Bei den Heilmitteln rechnen inzwischen rund 60.400 Physiotherapeuten, 10.800 Logopäden, fast 10.500 Ergotherapeuten und gut 5.700 Podologen mit der GKV ab. Die Anzahl der Leistungsanbieter steigt hier seit Jahren beständig an, besonders stark bei den Podologen (+12 % in den letzten zwei Jahren) und Ergotherapeuten (+6,5 %), aber auch die Physiotherapeuten haben seit 2013 um über 1.500 Anbieter (+2,6 %) zugenommen.

Nach Auswertungen des neuesten Heil- und Hilfsmittelreports der Barmer GEK (https://presse.barmer-gek.de) erhielten 22 % der Versicherten in 2015 Heilmittel verordnet, davon Frauen mit 26 % deutlich mehr als Männer mit 17 %. Hilfsmittel erhielten gut 25 %. Bei den Hilfsmitteln sind mitnichten apothekenübliche Produkte die Hauptumsatzbringer! Vielmehr stehen Hörhilfen, Schuhe und Einlagen, Bandagen und Orthesen sowie Inhalationsgeräte an der Spitze.

Bei den Heilmitteln erstaunt die regionale Streuung. So werden in Berlin fast doppelt so hohe Ausgaben je Versicherten verzeichnet (bei der Barmer GEK: 122 €) wie im traditionellen Schlusslicht Bremen (66 €). Allerdings ist auch die Therapeutendichte regional sehr unterschiedlich, in einigen Bundesländern doppelt so hoch wie in anderen!

Im geplanten „Heil- und Hilfsmittelversorgungs-Gesetz HHVG“ ist in einigen Modellregionen eine „Blankoverordnung“ erprobungsweise vorgesehen. Der Arzt gibt Diagnose und Behandlungsziele vor, und die Heilmittelanbieter (v.a. Physiotherapeuten) könnten dann recht eigenständig die Therapie bestimmen.

Da stellt sich die Frage, ob so etwas bei der Arzneimitteltherapie nicht ebenfalls einmal erprobungswürdig wäre ...

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2016; 41(23):3-3