Prof. Dr. Reinhard Herzog
Unser Berufsstand ist meisterhaft darin, sich „Arbeit einzukaufen“, bei noch so grotesken Aufgaben laut „hier“ zu rufen, ja sogar Zusatzbelastungen selbst zu konstruieren und Probleme aufzuwerfen, um daraufhin stolz Antworten auf Fragen zu finden, die niemand gestellt hat. Vieles soll dem Erhalt eines vermeintlich „goldenen Käfigs“ dienen, der oftmals längst kein goldener mehr ist und dessen Schutzfunktion zunehmend fragiler wird.
Wirklich durchdachten Angriffen würde er nicht mehr standhalten. Vielmehr sind es Dinge wie die hoch geschätzte Vor-Ort-Präsenz, Zuverlässigkeit, eine ganze Menge Sympathie an der Basis und am Ende doch überschaubare Margen und Kosten, die unserem Berufsstand auch in weiten Teilen der Politik immer noch ein gutes Standing verleihen. Gar nicht einmal so viele harte Fakten mischen sich mit einem nicht zu unterschätzenden Sympathiefaktor, auch und gerade seitens unserer Kunden, gleichzeitig Wähler – die beste Versicherung für unsere Position im Gesundheitssystem.
Vor diesem Hintergrund muss man genau hinschauen, ob man sich freiwillig Zusatzaufgaben oder gar Lasten aufbürden mag. Das Thema Heimbelieferung gehört hierher. Die obigen Zeilen zeigen jedoch, dass es oft nicht nur nüchterne Zahlen sind, die über ein Pro oder Contra entscheiden. Der Ruf vor Ort spielt ebenfalls eine starke Rolle.
Seien Sie ganz herzlich gegrüßt,
Ihr
Dr. Reinhard Herzog
„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ (F.W. Nietzsche)
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2017; 42(06):2-2