Dr. Hubert Ortner
Liebe Leserinnen und Leser,
das E-Rezept sorgt nicht nur für Goldgräberstimmung bei den Versendern, es lockt auch neue Player an, die sich vom milliardenschweren Rx-Kuchen ihr Stück sichern wollen. Insbesondere Online-Lieferplattformen sind zuletzt wie Pilze aus dem Boden geschossen. Gegenüber den Endkunden gerieren sich diese gerne wie moderne, neue Medikamentenanbieter – quasi die nächste digitale Evolutionsstufe von Apotheke. Tatsächlich handelt es sich indes nur um eine weitere Subkolonie von Turnschuh-Brigaden auf Fahrrädern, die im bunten Berliner Biotop statt Pizza und Pasta Prospan und Paracetamol ausfahren. Und die – wohlgemerkt – dringend auf Apotheken als Kooperationspartner angewiesen sind, um überhaupt ihr Pizza- & Pasta-Revier in Richtung Medikamente überschreiten zu dürfen.
Was man von seinen Kooperationspartnern hält, das hat Mayd jetzt unfreiwillig kund getan: In einer Präsentation für Investoren, die uns vorliegt, verunglimpft der Lieferdienst Vor-Ort-Apotheken unter anderem für ihr "ungelerntes Verkaufspersonal" sowie die "mangelhafte Beratung". Deshalb würde die Welt auf einen modernen, digital-kompetenten Pharmazie-Anbieter wie – Sie ahnen es schon – Mayd geradezu warten. Schöne Vorstellung von Kooperation: Die dummen, inkompetenten Apotheker als Steigbügelhalter für das neue, hippe Medikamenten-Lieferando. Diese Rechnung wird nicht aufgehen. Wer bei Freund A damit punkten will, Freund B zu diskreditieren, der hat entschieden zu viele Freunde. Aus Sicht der "mangelhaften" Vor-Ort-Apotheken würde sich übrigens eine klitzekleine Änderung des Firmennamens empfehlen: Statt "Meds at your doorstep" wäre "Mobbing at your Doorstep" doch viel zutreffender!
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Dr. Hubert Ortner
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(05):2-2