Andreas Kinzel
Was für die Kunden gilt, sollte auch für die Mitarbeiter gelten: Jeder ist ein Mensch – keine Nummer! Die Persönlichkeit zählt. Der Personalmangel in der Apotheke ist kein Geheimnis. Ignorieren hilft nicht, aktive Angebote sind nötig. Das Zauberwort heißt "persönliche Motivation"!
Eine gute Bezahlung ist immer die Motivationsgrundlage und darf nicht unterschätzt werden, doch kann die Apothekenleitung dem Team wesentlich mehr bieten. Die nachrückenden Generationen bringen hier frischen Wind in die Offizin.
So ist es ein Charakteristikum der Generation Z (geboren ab Mitte der 90er-Jahre), nach dem Sinn der Arbeit zu suchen. Dementsprechend lautet der Wunsch der Mitarbeiter häufig: mehr Gestalten statt Verwalten. Damit decken wir nicht nur den Wunsch der Generation X (geboren bis Ende der 70er-Jahre) nach Selbstständigkeit ab, sondern auch die Individualität der nachfolgenden Generationen. Dazu ist es wichtig, die Teammitglieder nach ihren Begabungen und Vorlieben einzusetzen, statt sich in einer demotivierenden (Um-)Erziehung zu versuchen.
Der Wunsch der Babyboomer und Generation X nach Work-Life-Balance entwickelt sich bei den Nachfolgegenerationen Y und Z (Millennials) immer mehr zum "Work-Life-Blending"-Prinzip, also der Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf. Aus Arbeiten, um zu leben, wird eine Verbindung von beidem. Dazu ist beiderseits ein hohes Maß an Flexibilität gefordert – sei es beim Läusealarm in der Kita, dem Arztbesuch oder der Stippvisite des Heizungsablesers.
Trotz fester Dienst- und Urlaubspläne bieten sich auch hier flexible Gestaltungsmöglichkeiten: Wie wäre es beispielsweise mit einer Rotation eines (zusätzlichen) freien Tags auf Freitag/Montag und somit einem verlängerten Wochenende? So wird nicht nur das einzelne Teammitglied als Mensch wahrgenommen, sondern jeder kann Termine auf diese Tage legen oder sich einfach mal erholen.
Leistung ist Arbeit pro Zeit
Indem Mitarbeiter ihre eigenen Ideen und Fähigkeiten besser einbringen können, lässt sich die Motivation grundsätzlich steigern. Ebenso kann der Wunsch nach Sinnhaftigkeit mit einem sozialen Engagement, z.B. zu Gunsten des örtlichen Kindergartens oder der AIDS-Hilfe die Motivation heben. Diese koppelt wiederum positiv zurück auf die die Leistung.
Grundsätzlich gilt – im physikalischen ebenso wie betriebswirtschaftlichen Sinn: Leistung ist Arbeit pro Zeit. Können wir in weniger Zeit mehr schaffen, benötigen wir damit weniger Personal. Es ist also nicht entscheidend, möglichst viel Personal zu finden, sondern das "richtige". Dabei stehen vor allem die Motivation und das richtige Auge für den Apothekenalltag im Vordergrund. Grundsätzlich gehen uns Arbeiten leichter von der Hand, die uns Spaß machen. Insofern kommt der Einsatzplanung eine wichtige Rolle zu: Der eine mag sich neben der Beratung lieber mit der BtM-Kartei herumschlagen, die andere lieber Rechnungen schreiben. Besonders in kleinen Teams ist es nötig, Hand in Hand zu arbeiten, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren. Letztlich gilt: In weniger Zeit mehr erreichen.
Nun gilt allgemein: Zeit ist Geld. Jede zusätzliche Minute Arbeitszeit muss bezahlt werden. Andererseits können wir durch effizienteres Arbeiten Zeit einsparen und diese an das Team weitergegeben. Damit kommen wir zugleich dem Bedürfnis der Mitarbeiter nach mehr Freizeit, Flexibilität, eventuell auch einer längeren Auszeit oder sogar einer Vier-Tage-Woche entgegen. Solche Angebote stärken unsere Attraktivität als Arbeitgeber und können bei der Personalsuche den entscheidenden Unterschied machen.
Und wie lassen sich unangenehme Aufgaben wie Nachtdienste, Samstage oder die Urlaubsvertretung attraktiver gestalten? Aushilfen und Springer für diese Zeiten zu finden ist nicht immer einfach. Sicherlich hilft ein finanzieller Bonus. Doch wie wäre es mit einem Zeitbonus? Die Bahn macht es vor. Für jede Stunde Nachtdienst bekommen die Mitarbeiter einen Bonus von 5 Minuten. Übertragen auf einen Samstag in der Offizin mit vier bis sechs Stunden, würde sich eine halbe Stunde Zeitausgleich zusätzlich ergeben – ein durchaus charmanter Anreiz.
Gefragt sind kreative Ideen, um den Mitarbeitern Gutes zu tun und die Teambindung zu erhöhen – ohne dass das zwangsläufig auf mehr Geld hinausläuft. Wie bei den Kunden gilt auch bei den Mitarbeitern: Etwas "in der Hand zu halten" bindet oft emotional stärker als bares Geld.
Auf das "Wir-Gefühl" kommt es an!
Sowohl bei der Teambindung als auch der Suche neuer Kollegen ist neben all diesen Punkten das "Wir-Gefühl" entscheidend. Eine Gruppe Mitarbeiter macht noch lange kein Team aus! Entscheidend sind das Gefühl der Zusammengehörigkeit sowie die Wohlfühlatmosphäre.
Letztere beinhaltet die Gestaltung des Pausenraums ebenso wie das Radioprogramm. Da kann das Schuhspray der Kollegin genauso störend sein wie die schlechte Laune vorm ersten Kaffee. Hilfreich sind gemeinsame Events, aber auch die tägliche Kaffeepause. Gerade letztere gibt jedem Einzelnen Zeit zum Durchatmen und Kräftesammeln, erhöht aber auch die Produktivität durch das Besprechen von Tagesablauf und Organisatorischem. Selbstverständlich tragen immer auch ein respektvoller Umgang, gute Laune und Pünktlichkeit zum Wir-Gefühl bei.
Selbst in Stresssituationen sollten wir nicht vergessen, den Team-Zusammenhalt im Blick zu behalten. Beginnt der Verteilungskampf z.B. wegen drei statt zwei Samstagsdiensten im Monat, dann ist das Wir-Gefühl schnell verloren und die innerliche Kündigung beschlossen. Dagegen erhalten kleine Aufmerksamkeiten die Freundschaft – auch bei Stresss und Personalmangel.
Wie wir Zeit sparen und die Teamleistung steigern
- Zeitfresser ausschalten ("Not to do"-Liste)
- Regelmäßige Pausen zum Regenerieren
- Selbstständiges Arbeiten und flache Hierarchien – Vertrauen ist effizienter als Kontrolle
- Arbeiten im Team – miteinander, nicht nebeneinander
- Einsatz technischer Hilfsmittel, z.B. Headset für die PKA
- Einfache Arbeitsabläufe – weniger ist manchmal mehr!
Diese Benefits binden Mitarbeiter
- Zuschuss zu Versicherungen (z.B. Betriebsrente) und Jobticket
- Dienstfahrzeug, E-Bike
- Freistellung für soziale Events (z.B. Einschulung der Kinder)
- Längere "Pausen" durch Ansammlung von Urlaub und Überstunden
- Gesundheitsmanagement, z.B. durch Zuschüsse für Sport, ergonomische Büromöbel
- Gemeinsame Events (z.B. Feierabendbier oder Betriebsausflüge)
- Arbeitsmaterialien zur privaten Nutzung (Smartphone, Computer)
Literatur
- Wala, H. H., Uwe H. Lebok: Schöne Meine Welt, Wir Marken Verlag, München, 2017
- Mangelsdorf, M.: Von Babyboomer bis Generation Z, Gabal Verlag, Offenbach, 2015
- Ebergardt, H. (Studie): Das wünschen sich Gen Z und Millennials im Job, www.absatzwirtschaft.de
- Eine Generation ohne Grenzen, OC&C Strategy Consultants, 2019
- Flaig, M.: Diese Benefits wünschen sich Arbeitnehmer im Job, W&V, 2020, www.wuv.de
INTERPHARM: Rechtliches und Vertragliches rund um die Heimversorgung
Die Arzneimittelversorgung der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen ist eine anspruchsvolle pharmazeutische Versorgungsform, die in einem komplexen Spannungsfeld unterschiedlicher Professionen und Anforderungen stattfindet.
Heimversorgende Apotheken haben mit Heimträgern, Pflegekräften und Ärzten zu kooperieren, ohne rechtliche Schranken zu überschreiten. Der Vortrag macht auf rechtliche und vertragliche Fallstricke aufmerksam und zeigt praxisgerechte Lösungswege auf.
Prof. Hilko Meyer – Freitag, 1. April 2022 13:45 bis 14:30 Uhr
Weitere Informationen unter www.interpharm.de
Andreas Kinzel, Apotheker und Diplom-Kaufmann (FH), 80637 München, E-Mail: a-kin@web.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(05):14-14