Prof. Dr. Reinhard Herzog
Untenstehend finden Sie unsere Städtetabelle mit aktuellen Mietpreisen in verschiedenen Geschäftslagen. Die Daten stammen freundlicherweise vom IVD – Immobilienverband Deutschland e.V. (www.ivd.net). Eine ausführliche Printpublikation, die selbst kleinere Gemeinden bis auf Kreisstadtebene umfasst, ist ebenfalls erhältlich (Stichwort IVD Gewerbe-Preisspiegel 2021/2022).
Was hat es mit den Geschäftslagen auf sich? In 1A-Spitzenlagen befinden sich herausragend gelegene Objekte an höchstfrequentierten Innenstadtlagen mit in der Spitze um oder gar über 10.000 Passanten in den Haupteinkaufszeiten. 1A-Lagen umfassen immer noch diverse Haupt-Einkaufsmeilen. In größeren Städten bedeutet das Passantenströme von etlichen tausend pro Stunde tagsüber zu den Einkaufszeiten.
Darunter nimmt die Frequenz stetig ab. Bisweilen wird noch die 1A-"Edellage" (für teure Läden der Mode- und Schmuckbranche) unterschieden. Immerhin freut man sich dort in den Hauptzeiten über Passantenfrequenzen im unteren vierstelligen Bereich je Stunde.
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In 1B-Lagen sind es dann nur noch einige hundert je Stunde. Apotheken können mit etwa 1% bis allenfalls 2% "Abschöpfungsquote" aus der reinen Straßen-Passantenfrequenz heraus rechnen (anders in Einkaufscentern, dort sind bis etwa 10% möglich). Reicht das alleine nicht – wie es in den meisten Lagen der Fall ist –, müssen Arztpraxen, benachbarte Läden des täglichen Bedarfs sowie die umliegende Wohnbevölkerung den Standort tragfähig machen.
1A- und 1B-Lagen gibt es sowohl in den Geschäftskernen ("Frankfurt Mitte") als auch in den viel günstigeren Nebenkernen entsprechend einer mehr oder weniger zentralen Stadtteillage.
Die Pandemie hat die bereits schon zuvor angespannte Lage des innerstädtischen Einzelhandels weiter verschärft. Zweistellige Rückgänge gibt es vor allem in den (vormals bereits oft überteuerten) Top-Lagen. Die Mieten in den für Apotheken attraktiveren Nebenkernen blieben bislang deutlich stabiler.
Alles in allem haben Mieter heute eine bessere Verhandlungsposition, wobei mehr denn je die konkrete Lage vor Ort entscheidet. Die Bewährungsproben kommen jedoch, wenn nun Konjunktur und Konsumklima kippen sollten, und gleichzeitig die Inflation die Kaufkraft der Verbraucher kräftig schmälert. Zudem: Corona gibt es auch noch.
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Prof. Dr. Reinhard Herzog, Apotheker, 72076 Tübingen, E-Mail: Heilpharm.andmore@t-online.de
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(06):4-4