Gesundheitsfonds

Drei Fragen an Wolfram-Arnim Candidus


Dr. Christine Ahlheim

Wolfram-Arnim Candidus ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V. (DGVP).

? Welche Erwartungen können die Patienten an den geplanten Gesundheitsfonds haben?

Der Gesundheitsfonds ist nicht zum Nutzen des Gesundheitssystems entstanden, sondern aus einem faulen Kompromiss der Großen Koalition. Deshalb wird für die Versicher­ten und Patienten auch kein Vorteil feststellbar sein, sondern eher erhebliche Nachteile. Die vereinnahmten Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung, die wir Bürgerinnen und Bürger bezahlt haben, werden dem Gesetz entsprechend an den Fonds überwiesen. Dort entscheidet dann ein Kreis von maßgeblichen Politikern darüber, wie viel von den vereinnahmten Beiträgen der Versicherten pro Versicherten an die in­dividuelle gesetzliche Krankenkasse zurückgezahlt wird. Dazu soll auch ein geänderter Risikostrukturausgleich installiert werden.

Aus der Sicht der Versicherten und Patienten müssen wir vor dieser Vereinnahmung der Bei­träge durch die Politik warnen und zwar dadurch begründet, dass im Jahr 2007 von Herrn Finanzminister Steinbrück 4,3 Mrd. € aus dem Finanztopf des Gesundheitssystems abgezweigt wurden und Frau Gesundheitsministerin Schmidt sich gleichzeitig in der Öffentlichkeit damit rühm­te, dass aus Steuermitteln 1,5 Mrd. € in den Finanztopf Gesundheit gezahlt wurden. Für nüchtern denkende Bürger ist dies ein Minus von 2,8 Mrd. € an Finanzmitteln im Gesundheitswesen. Wir brauchen uns also nur vorzustellen, wie es sein wird, wenn im Haushalt Finanzlöcher auftauchen und die Politik über unsere Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse entscheiden darf bzw. muss.

?Mit welchen Folgen des Gesundheitsfonds müssen die Apotheker rechnen?

Der bisher bestehende Kosten­druck auf alle Einrichtun­gen im Gesundheitswesen wird sich durch die pauschalierte Kopfprämie per Versicherten nochmals verstärken. Die gesetzlichen Krankenkassen müssen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgen, dass die Kosten nicht den Wert der Kopfpauschale aus dem Fonds überstei­gen. Also wird versucht werden, auch weiterhin mit Kosten­senkungsmaßnahmen bei Medikamenten und Honoraren für Mediziner sowie mit Fallpauschalen für Krankenhäuser zu sparen. Von den gesetzli­chen Krankenkassen und der Politik wird derjenige gefördert werden, der bestehende Strukturen durch neue, „angeblich bessere = preiswer­tere Or­ga­nisatio­nen“ ersetzt. Insofern müssen die Apotheker mit weiteren Einbußen bei Umsatz und Gewinn rechnen.

? Welche Alternativen zum Gesundheitsfonds würden Sie sich aus Sicht der Patienten wünschen?

Die Alternative kann nur heißen, weg mit dem Gesundheitsfonds und hin zu einer effektiven Nutzung der Finanzmittel im System der gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu gehört die konstruktiv- kritische Kosten-Nutzen-Analyse der gesamten Einrichtungen der gesetzlichen Krankenversicherung, denn dort sind erhebliche Reserven zur Effizienz vorhanden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(05):3-3