Editorial

Zwei-Klassen-Medizin längst Realität


Claudia Mittmeyer

Gesetzlich Krankenversicherte müssen bis zu dreimal so lange auf einen Termin beim Facharzt warten wie Privatpatien­ten, so das Ergebnis einer Studie des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität Köln, die derzeit das Reizwort Zwei-Klassen-Medizin in den Mittelpunkt der Diskussion rückt.

Doch so neu ist die Diskussion gar nicht. Dass es systemimmanente Unterschiede zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung gibt, ist hinlänglich bekannt. Auch die deutlichen Divergenzen beim Leistungsspektrum sind nicht wirklich neu. So können etwa PKV-Versicherte bestimmte Therapien in Anspruch nehmen, die von der GKV nicht bezahlt werden. Im Arzneimittelbereich ziehen gesetzlich Krankenversicherte ebenfalls den Kürzeren. Beispielhaft seien hier nur der GKV-Erstattungsausschluss für OTC-Präparate und das eingeschränkte Arzneimittel­angebot im Rahmen der Rabattverträge genannt.

Fazit ist: Die Zwei-Klassen-Medizin ist bereits längst Realität. Sie ist jedoch nicht primär Folge eines Verhaltens der Leistungserbringer im Gesundheits­wesen, sondern liegt vielmehr in einer kontinuierlichen – gesundheitspolitisch forcier­ten – Rationierung im GKV-Bereich begründet. Es ist daher falsch, den Leistungserbringern wie etwa Ärzten oder Apothekern den Schwarzen Peter zuzuschieben, orientieren sich diese doch lediglich an den Vorgaben, die ihnen die Politik macht. Denn tun sie das nicht, müssen sie mit (wirtschaftli­chen) Konsequenzen rechnen. Hier zeigt sich wieder einmal: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.

Deutscher Apotheker Verlag

AWA -Redaktion

Claudia Mittmeyer

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(08)