Investmenttrends

Profite mit der Zukunft


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Viele Aktien- und Fondsanleger setzen allein auf die Quartalszahlen der Unternehmen und die Kursentwicklungen. Erfahrene Investoren wissen jedoch: Wer langfristige Trends beobachtet und die Geldanlage danach ausrichtet, erzielt letztlich die größten Gewinne.

Viele Anleger treffen ihre Entscheidungen quasi „aus dem Bauch heraus“. Gekauft wird, wenn gerade Geld zur Verfügung steht, die Titelauswahl orientiert sich vorrangig an den „heißen Tipps“ in den Medien oder vom Berater sowie den aktuellen Tagesmeldungen der Firmen. Ebenso schnell und unüberlegt werden Papiere wieder verkauft, weil z.B. Geld benötigt wird oder das Unternehmen mög­licherweise seine bisherigen Wachstumsraten im laufenden Quartal nicht mehr erreichen könnte. Das Ergebnis dieses „Aktien-Hoppings“ ist absehbar: Die Gewinne bleiben mäßig, zudem zehren hohe Umschichtungsspesen an der Rendite der Geldanlage.

Langfristige Erwartungen

Immer mehr Investoren finden daher zu einer Methode zurück, die sich bereits in den 50er- und 60er-Jahren bewährt hat: die Aktienauswahl nach langfristigen Erwartungen. Da­bei geht es nicht zwangsläufig um einzelne Unternehmen, sondern vielmehr um ganze Länder, Regionen oder Branchen. Die Kernfrage lautet: Wie wird sich der ausgewählte Bereich auf Sicht von 5, 10 oder mehr Jahren entwickeln? Erst wenn hier die Entscheidung gefallen ist, geht es an die Auswahl einzelner Titel, seien es Aktien, Zertifikate oder auch Fonds.

Globale Analyse

Gerade in der derzeitigen Phase mit den massiven Kursschwankungen ist eine solche globale Analyse recht spannend. Denn schließlich zeichnen sich aktuell zwei Aspekte besonders deutlich ab:

  • Zum einen werden die Menschen immer älter, aber keineswegs gesünder.
  • Zum anderen herrscht insbesondere in den asiati­schen Staaten wirtschaftliche Aufbruchstimmung – mit allen Konsequenzen für das Einkaufsverhalten, die Lebenserwartung und die Umwelt.

Die neuen Trends sind damit schnell abgesteckt: Zu den Ge­winnern zählt zum einen insbesondere das Gesundheitswesen, speziell die Phar­maindustrie. Mit innovativen Me­dikamenten kann sie möglicherweise in einiger Zeit Krankheiten wie Krebs oder Aids in den Griff bekommen. Zudem gilt es in zunehmen-dem Maß, die Lebensqualität im Alter zu verbessern – Stichworte: Demenz, Alzheimer. Darüber hinaus wächst mit dem Wirtschaftsboom in Asien und in anderen Schwellenländern die Zahl der Menschen, die sich Medikamente überhaupt leisten können. Die Kehrseite der Medaille: Viele Patente laufen in wenigen Jahren aus, die Produktpipeline ist oft nur mäßig gefüllt. Entsprechend wichtig ist die selektive Titelauswahl, vorzugsweise nach einem Blick in die Abschlüsse der Firmen.

Spekulieren auf Forschungserfolge

Interessant sind insbesondere Papiere von Konzernen, die breit gefächert in die Forschung investieren und bei denen sich Erfolge abzeichnen. Unter spekulativen Gesichtspunkten kommen aber auch Papiere von kleineren Firmen in Betracht: Hier sind die Risiken einerseits zwar vergleichsweise groß, dass die Aktie im Fall eines Fehlschlags in der Forschung massiv einbricht. Andererseits fin­den sich in dieser Sparte aber auch immer wie­der einmal „Highflyer“, die entsprechende Erfolge erzielen und kräftig expandieren können.

Ebenfalls zum Gesundheitswesen zählen Unternehmen wie die Pharmagroßhändler und die Betreiber von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Während die erste Gruppe durchaus als chancenreiches Investment angesehen werden kann, lohnt sich bei der zweiten Gruppe ein genauer Blick auf die Bilanzen. Denn zu oft haben in den vergangenen Jahren Firmen enttäuscht, deren Management in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte, die in du­biose Finanzgeschäfte verwickelt waren oder sich dem Kos­tendruck nicht gewachsen zeigten. Hier empfiehlt sich also eine sehr selektive Titelauswahl.

Finanzdienstleister sind besonders preiswert

Gewinner Nummer zwei ist die Finanzbranche, deren Aktien in den vergangenen Monaten heftigem Druck aus­gesetzt waren. Denn mit der steigenden Lebenserwartung wächst der Bedarf an maßgeschneiderten Anlage- und Finanzierungslösungen. Zudem lassen sich etwa in Asien ganz neue Märkte erschließen – Stichwort: Mikrokredite.

Aber auch die Versicherer sollten davon profitieren, wenn sie ihr Geschäft international ausbauen und sich somit die Globalisierung zunutze machen. Gerade das heute gedrückte Kursniveau kann sich in einigen Jahren als über­‑ aus attraktive Einstiegs­basis erweisen. Denn die Er­fahrung zeigt: Wenn alle Risiken – aktuell ist dies die Subprime-Krise – erst einmal der Ver­gangenheit angehören, liegen auch die Aktienkurse auf wesentlich höherem Niveau als in der Zeit vor der Krise.

Die dritte Position unter den potenziellen Profiteuren nimmt der Bereich Rohstoffe ein, der sich von der Minenförderung bis in den Sektor Landwirtschaft erstreckt. Ein starkes Wirtschaftswachstum braucht Rohstoffe, speziell Metalle und Energieprodukte wie Gas oder Öl. Gerade China hat sich in den vergangenen Jahren zu einem nahezu unersättlichen Abnehmer dieser Produkte entwickelt und daran dürfte sich in den kommenden Jahren wenig ändern. Aber auch die Agrarrohstoffe verzeichnen ein stürmisches Nachfragewachstum und massiv steigende Preise, denn schließlich konkurrieren hier die asiatischen Boomregionen mit Schwellenländern z.B. in Afrika. Darüber hinaus wachsen die Weltbevölkerung und der Wunsch nach Qualität. Allerdings sind die Aktien während des jüngsten Rohstoffbooms bereits recht teuer geworden, sodass Anleger zunächst eine Beruhigung der Marktlage abwarten sollten.

Energie als Zukunftsbaustein

Schließlich spielt auch der Bereich Energieversorgung in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige Rolle. Dabei geht es weniger um die Versorgung etwa der westeuropäischen Märkte, die weitgehend die Sättigungsgrenzen erreicht haben, sondern um die Erschließung interna­tionaler Wachstumsmärkte. Aber auch der Umweltgedanke gewinnt stark an Bedeutung, Stichwort: Klimawandel. Hier dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten einiges tun. Das Problem dabei: Staatli­che Maßnah­men, z.B. bei der Förderung alternativer Energien, können Gewinnerwartungen schnell zunichtemachen. Als Anleger sollten Sie daher die Strategien einzelner Firmen genau unter die Lupe nehmen.

Bei kleineren Unternehmen bestehen zudem ähnliche Risiken wie bei den Aktien der Klinikbetreiber: Begehrlichkeiten der Geschäftsleitung, aber auch Fehlentscheidungen bei der Expansion können die Aktien schnell und sehr massiv unter Druck setzen. Unter langfristigen Gesichtspunkten empfiehlt es sich daher, vorrangig auf die jeweiligen Marktführer zu setzen, sei es nun in der Stromversorgung oder bei neuen Energien wie etwa dem Solarstrom.

Schließlich ist noch die Infrastrukturbranche zu nennen. Nicht nur, dass der Wirtschaftsboom in Asien neue Transportwege, Kommunikationsnetze und Entsorgungsmöglichkeiten braucht. Auch in den westlichen Ländern herrscht ein steigender Bedarf, etwa im Bereich der Sanierung von Straßen, Brücken oder Rohrleitungen. Zu den potenziellen Gewinnern zählen hier u.a. die international aktiven Baukonzerne, aber auch Anbieter spezieller Maßnahmen, etwa Siemens im Kraftwerksbau. Nicht zu vernachlässigen sind darüber hinaus die Telekommunikationskonzerne, die sich neue Märkte erschließen und dort mittel- bis langfristig viel Geld verdienen können.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(21):14-14