Lebensversicherungen

Die Koppelung als Bumerang


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Die Finanzkrise hat auch bei den deutschen Lebensversicherern Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass auch in diesem Jahr die Gewinnbeteiligungen der Versicherungskunden herabgesetzt werden könnten, auch manche Koppelungspolice ist tief in die roten Zahlen gerutscht.

Bei einer klassischen Kapital-Lebensversicherung handelt es sich – genau genommen – um zwei Verträge: Ein Baustein ist die Risikoabsicherung, d.h., bei Tod des Versicherten zahlt die Gesellschaft die vereinbarte Versicherungssumme an die Hinterbliebenen bzw. Begünstigten aus. Der zweite Baustein ist ein langfristiger Sparplan, mit dem der Versicherte Kapital z.B. als zusätzliche Altersvorsorge aufbaut. Entsprechend werden auch die Beiträge versicherungsintern in Risikoprämie, Sparprämie und Verwaltungskosten der Gesellschaft aufgeteilt.

Auf den Sparanteil der Prämie zahlt die Versicherungsgesellschaft zunächst den sogenannten garantierten Rechnungszins (aktuell: 2,5 %), zusätzlich profitieren Versicherte von einer Beteiligung an den erwirtschafteten Überschüssen, z.B. aufgrund einer positiven Entwicklung des Kapitalmarkts oder einer günstiger als kalkuliert verlaufenden Sterblichkeit. Per saldo können Kunden derzeit mit Renditen zwischen 1,5 % und 4,7 % – bezogen auf die Gesamtprämie – rechnen, allerdings dürfte die Finanzmarktkrise in diesem Jahr – erneut – erhebliche Spuren in der Gewinnbeteiligung der meisten Policen hinterlassen haben. Ein weiterer Nachteil liegt in der Informationspolitik der Gesellschaf­ten, lassen sich doch selbst aus den Auskünften zur Vertragsentwicklung selten konkrete Renditezahlen ablesen.

Fonds und Zertifikate

Inzwischen haben aber auch die Verbraucher reagiert: Lebensversicherungsverträge sind längst kein Selbstläufer mehr in der Produktpalette der Vermittler, vielmehr setzen immer mehr Anleger auf die Kombination aus Risiko-Lebensversicherung und ei­gener Geldanlage. Aber auch die Versicherer bieten inzwischen eine ganze Reihe neuer, oftmals recht innovativer Produkte an. Bereits seit den 1990er-Jahren wird die Fondsgebundene Lebensversicherung propagiert. Hier fließt die Sparprämie nicht in einen recht konservativ konzipierten „Deckungsstock“ bei den Gesellschaften, sondern direkt in einen oder mehrere Investmentfonds. Die Wertentwicklung der Police orientiert sich damit an der Rendite des gewählten Basisprodukts – mit allen positiven, aber auch negativen Folgen. So konnten sich Anleger in den Jahren 2003 bis 2007 bei der Wahl eines Aktienfonds regelmäßig über zweistellige Zuwachsraten freuen. In diesem Jahr haben die Policen jedoch oftmals mehr als 50 % eingebüßt. Problematisch wird dies insbesondere dann, wenn der Vertrag in einer Baissephase zur Auszahlung kommt.

Noch relativ jung ist die Anlage in Indexzertifikaten, z.B. auf den DAX. Hier haben die Versicherten in den vergangenen Monaten nicht nur hohe Buchverluste hinnehmen, sondern sich auch um die Sicherheit sorgen müssen: Im Fall der Insolvenz des Emitten­ten greift weder die Einlagensicherung der Banken noch die Absicherungseinrichtung der Versicherer. Fraglich ist, ob stattdessen die Versicherungsgesellschaft selbst einspringt, die schließlich die Zertifikate ausgewählt hat. Besser geschützt sind hingegen die Inhaber einer Fondsgebundenen Lebensversicherung, da hier das Fondsvermögen im Fall der Pleite der Kapitalan­lagegesellschaft nicht in die Insolvenzmasse fließt.

Fazit

Gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise sollten Sie sich Ihre Vertragspartner besonders genau ansehen. Bestehen Zweifel an der Bonität, kann eine frühzeitige Vertragsumstellung vor Risiken schützen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2008; 33(24):16-16