Prof. Dr. Reinhard Herzog
Derivate stehen in der Finanzwelt immer noch hoch im Kurs. Ob Optionsschein, Zertifikat oder Terminkontrakt: Anleger werden mit einer breiten Palette „abgeleiteter Produkte“ – so die wörtliche Übersetzung von „Derivat“ – umworben. Gemeinsam ist ihnen, dass sie den Anleger an der Kursentwicklung eines Basiswerts beteiligen. Gemeinsam ist ihnen aber auch, dass die Nebenkosten und Gebühren oftmals nicht direkt erkennbar sind.
Zu den neuesten Produkten dieser Kategorie zählen sogenannte Straight Forward Dealings (SFD), die vom Wertpapierhandelshaus Lange & Schwarz entwickelt wurden und derzeit besonders vom S-Broker, dem Discount-Broker der Sparkassen, beworben werden. Verfügbar sind sie zunächst für die 30 DAX-Werte, wobei neben Bull-Papieren, mit denen der Anleger auf steigende Kurse setzt, auch Bear-Papiere angeboten werden, die bei fallenden Aktienkursen Gewinne bringen.
Gewinne auch bei niedrigem Kapitaleinsatz
Die Konstruktion ist vergleichsweise einfach: So kostet z.B. die Daimler-Aktie aktuell 24,00 € an der Börse, sodass der Anleger bei einem Investment von 5.000 € 208 Aktien ins Depot eingebucht bekommt – wobei Spesen in dieser Musterrechnung unberücksichtigt bleiben. Er kann aber auch einen SFD auf die Daimler-Aktie mit einem Basispreis von 14,12 € kaufen, der aktuell 10,03 € kostet. Rechnet man den Basispreis und den Börsenkurs dieses Papiers zusammen, kommt der indirekte Kauf des Daimler-Papiers also auf 24,15 €. Allerdings erhält der Anleger für seine 5.000 € fast 500 SFDs auf die Daimler-Aktie, also rund das Zweieinhalbfache.
Und damit ist er auch an der Kursentwicklung der Daimler-Aktie beteiligt. Denn die Besonderheit liegt darin, dass der Basispreis dauerhaft festgeschrieben ist. So steigt bzw. fällt der Wert des SFD im gleichen betragsmäßigen Verhältnis wie der Preis der Aktie. Klettert also der Aktienkurs z.B. auf 30 €, kostet der SFD 15,88 €. Der Anleger hat also pro Papier 5,85 € verdient, was einem Zuwachs von rund 58 % entspricht. Bei einem Direktinvestment in der Daimler-Aktie wären es indes nur rund 25 % gewesen.
Das Gleiche funktioniert allerdings auch bei fallenden Kursen. Kostet das Daimler-Papier z.B. nur noch 20 €, hätte der Direktanleger 4,00 € pro Aktie oder 16,7 % verloren. Hingegen wäre der SFD-Preis auf 5,88 € zurückgefallen, der Anleger hätte 4,15 € oder 41,5 % seines Einsatzes eingebüßt. Um einen Totalverlust zu verhindern, hat der Emittent allerdings einen Stopp-Kurs von – hier – 16,20 € eingebaut, bei dem er das Engagement zwangsweise auflösen würde.
Der Emittent erzielt seinen Profit aus unterschiedlichen Quellen: Zum einen verdient er an den Handelsspesen, bei denen zusätzlich zu den üblichen Börsenkosten noch eine „Liquidity-Providing Fee“ von 0,1% des Ordervolumens, mindestens aber 7 € anfällt. Zum anderen stehen ihm auch Dividendenzahlungen und weitere Aktienerlöse zu.
Für erfahrene Anleger
Unser Urteil: SFDs – die es in ähnlicher Form auch von anderen Emittenten gibt – stellen eine durchaus interessante Lösung für den erfahrenen Anleger dar, mit Hebelwirkung in Aktien zu investieren. Auch die Spesen halten sich dabei in überschaubaren Grenzen. Allerdings sind die Verlustrisiken nicht unerheblich, sollte sich der Basiswert nicht in die angestrebte Richtung entwickeln.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(01):15-15