Immobilienrente

Das eigene Haus als Altersversorgung


Prof. Dr. Reinhard Herzog

In den USA, aber auch in Spanien und in Frankreich hat sie sich längst eingebürgert, hierzulande sind entsprechende Versuche bisher gescheitert: Die Immobilienrente ist deutschen Investoren immer noch suspekt. Doch am Markt zeichnet sich ein Umdenken ab.

Die eigenen vier Wände sind den Deutschen lieb und teuer: 80% des Vermögens der über 65-Jährigen – so hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelt – sind in Form von Immobilien angelegt. Das Problem jedoch: Selbst genutzter Immobilienbesitz sichert zwar mietfreies Wohnen, bietet jedoch keinen zusätzlichen finanziellen Spielraum. Aber auch die Übertragung an Kinder spielt eine immer geringere Rolle:

  • Zum einen lebt der Nachwuchs oft bereits selbst in der eigenen Immobilie, sodass kein Interesse am Haus bzw. der Wohnung der Eltern besteht.
  • Zum anderen steigt die Zahl kinderloser älterer Ehepaare, bei denen die Frage nach dem Vererben nachrangige Bedeutung hat.

Viele lösen das Problem, indem sie sich bereits frühzeitig von der „Familienimmobilie“ trennen und einer kleineren Wohnung den Vorzug geben. Speziell für die Zielgruppe der 50- bis 65-Jährigen arbeiten Finanzdienstleister an ei­nem hierzulande noch neuartigen Konzept: Mit der „Immobilienrente“ soll ihnen die Möglichkeit geboten werden, aus der selbst genutzten Immobilie Kapital zu ziehen.

Konzipiert werden zwei Varianten:

  • Bei der Umkehrhypothek nimmt der Hauseigentümer einen Kredit auf seine (schuldenfreie) Immobilie auf, der als monatliche Rente ausbezahlt wird. Zins und Tilgung werden gestundet. Stirbt der Eigentümer, geht das Haus in den Besitz der Bank über, alternativ können die Erben das Darlehen aber auch zurückzahlen.
  • Beim Leibrenten-Modell geht das Eigentum unmittelbar an den Vertragspartner, also z.B. eine Bank, über. Der bisherige Eigentümer behält ein lebenslanges, grundbuchlich gesichertes Wohnrecht, zusätzlich wird eine Leibrente überwiesen.

Die Höhe der Zahlung richtet sich in beiden Fällen vorrangig nach dem Wert der Im­mo­bilie. Je exklusiver die Wohnlage und je hochwertiger die Ausstattung, umso mehr können Immobilienbesitzer für ihr Objekt erwarten. Dies ist auch der Grund, warum die Angebote insbesondere auf „jüngere“ Eigentümer zugeschnitten werden, also Menschen ab 50: Hier gehen die Finanzdienstleister davon aus, dass die Qualität heutigen Standards entspricht. Hingegen muss bei Objekten, die sich schon seit 40 oder mehr Jahren im Familienbesitz befinden, oft ein so hoher Renovierungsbedarf einkalkuliert werden, dass sich das Geschäft für alle Beteiligten nicht mehr rechnet.

Wenige Anbieter

Ohnehin tun sich Interessenten momentan noch schwer, entsprechende Anbieter zu finden: Unter den bekanntesten Adressen haben sich bisher die Hannoversche Leben, die HypoVereinsbank und die Dresdner Bausparkasse auf die­sem Gebiet versucht, ihre Offerten jedoch bald wieder vom Markt genommen. Jetzt starten regionale Förderban­ken wie die Investitionsbank Schleswig-Holstein mit entsprechenden Konzepten. Daneben sind auch freie Finanzvermittler aktiv, hier besteht aber stets die Gefahr, an ein schwarzes Schaf zu geraten.

Unser Urteil: Die Immobilienrente ist insbesondere für kinderlose Ehepaare eine interessante Möglichkeit, einen finanziellen Zusatznutzen aus der Immobilie zu ziehen. Entscheidend sind die Konditionen, die für beide Seiten fair sein müssen. In jedem Fall sollten sich Interessenten früh informieren, denn schließlich schlagen sich rechtzeitige Erhaltungsmaßnahmen in Form einer höheren Rente nieder.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(12):16-16