Spekulationsblasen

Rechtzeitiger Ausstieg vor der Wende


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Nicht nur das Wetter wird immer extremer, auch an den Kapitalmärkten nehmen die Schwankungen in schöner Regelmäßigkeit zu. Immer häufiger bilden sich sogenannte Spekulationsblasen, die manche Chance, aber auch enorme Risiken bergen.

Im 19. Jahrhundert war es der Boom der amerikanischen Ei­senbahngesellschaften, der Geldanleger begeisterte. Das neue Verkehrsmittel erlaubte eine Erschließung bisher ungenutzter Regionen und Ressourcen, die Börsennotierung der Unternehmen ließ auch Kleinanleger vom Boom profitieren. Die Folge: Massiv steigende Kurse, manche Sparer und erst recht manche Eisenbahnpioniere brachten es zu schnellem Reichtum. Doch bald schon machte sich Ernüchterung breit, die Kurse brachen ein und viele Eisenbahngesellschaften steuerten in den Konkurs oder muss­ten vom Staat übernommen werden.

Eine ähnliche Spekulationsblase bildete sich vor rund zehn Jahren. Diesmal waren es das Internet und die mobi­- le Kommunikation, die „die Welt revolutionieren“ sollten. Nach anfänglichen moderaten Kursanstiegen investierten selbst Kleinsparer, die Kurse kannten kein Halten mehr. Die weitere Entwicklung ist bekannt: Im März 2000 platzte die Spekulationsblase und die einst hochgepuschten Werte verloren binnen weniger Monate 90% und mehr, die meisten Neuemissionen sind in­zwischen vom Kurszettel verschwunden.

Gerade seit den 1990er-Jahren verzeichnen die Märkte ein verstärktes Auftreten solcher „Blasen“ – selbst wenn die wenigsten auch nur annähernd an die Technologieblase der Jahre 1998/2000 heranreichten. Zu nennen sind et­wa der Asienboom Mitte der 90er-Jahre sowie der Immobilienboom in den USA zwischen 2003 und 2006. Zu den jüngsten Entwicklungen dieser Art zählt die Rohstoffhausse im vergangenen Jahr

Überhitzungserscheinungen erkennen

Aus Anlegersicht ist es jedoch durchaus sinnvoll, zunächst engagiert zu sein. Denn gerade hier winken letztlich die größten Gewinne, während in Seitwärtsbewegungen – wie wir sie aktuell bei deutschen Aktien erleben – meist nicht viel zu verdienen ist. Entscheidend ist es jedoch, die spekulative Überhitzung zu erkennen und rechtzeitig auszusteigen – ohne Wenn und Aber.

Erforderlich ist es daher, sich etwas mit der typischen Entwicklung einer Spekulationsblase zu befassen. Am Anfang steht meist eine gute „Story“, etwa in Form gesellschaftlicher Veränderungen oder der Etablierung neuer Technologien. Die Idee muss beim Anleger einen „Aha-Effekt“ auslösen. Dies ist der ideale Zeitpunkt für den Einstieg, selbst wenn mit früh­zeitigen Engagements auch manche Fehlinvestition verbunden sein kann. Ausbauen sollten Anleger ihr Engagement, sobald sich das Interesse der Märkte zunehmend auf dieses Thema konzentriert. Wenn „alle Welt“ nur noch vom Boom spricht, dann kann ein entsprechender Wert­papierkauf nicht falsch sein. Keinesfalls beirren lassen dürfen sich Investoren in einer solchen Phase von temporären Rückschlägen, solange damit lediglich erste Übertreibungen korrigiert werden.

Zeit zum Aussteigen

Wenn jedoch eines Tages die Kurse nur noch die Aufwärts-Richtung kennen, an Stammti­schen von „phänomena­len Aus­sichten“ geschwärmt wird und viele neue Produkte auf den Markt kommen, sollte der Ausstieg eingeleitet werden. Denn dann ist die Zeit bis zum Rückschlag nicht mehr lang – wie beim US-Immobilien­boom im Jahr 2007 und der Tech­nologieblase im Jahr 2000.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(17):16-16