Prof. Dr. Reinhard Herzog
Die deutsche Investmentgesellschaften haben derzeit einen schweren Stand: Magere Ergebnisse in der Hausse, katastrophale Verluste in der Baisse und nicht zuletzt Diskussionen um Gebührenanhebungen und Fondsschließungen haben dazu geführt, dass Anleger zunehmend zur Eigenanlage zurückfinden. Banken und Sparkassen ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. Beim Direkterwerb etwa von Aktien liegt ihr Anteil deutlich unter der 1-%-Marke, hingegen bringen Aktienfonds der Branche zunächst einen Ausgabeaufschlag von meist 5,0%, jährliche Verwaltungsgebühren von bis zu 2,5% und nicht zuletzt Transaktionskosten für Käufe und Verkäufe innerhalb des Fondsportefeuilles.
Doch die Kreditwirtschaft kennt ein probates Rezept: Man kombiniere einen Fonds mit einem Produkt, das bei Anlegern besonders gefragt ist. Aktuell sind dies Tages- und Festgelder, die vor den Turbulenzen an den internationalen Kapitalmärkten schützen sollen. Die Offerten lesen sich denn auch recht vielversprechend: So bietet etwa die Volkswagenbank für eine einjährige Festgeldanlage in Form eines Sparbriefs 5% Zinsertrag – und damit wesentlich mehr als die ansonsten marktgerechten 1,5% bis 2,5%. Allerdings wird der Kunde verpflichtet, die Hälfte seiner Gesamteinlage in einen dafür freigegebenen Investmentfonds (z.B. Cominvest Adiselekt P oder SEB Immoinvest) zu investieren. Das Problem: Die Fondsanlage kostet einen Ausgabeaufschlag von bis zu 6,36%. Hingegen können Anleger diese Fonds bei Discountbrokern wie etwa CortalConsors mit 50% Rabatt erwerben. Letztlich wird also der hohe Festgeldzins über die überhöhten Kaufspesen subventioniert.
Kombination entscheidet
Zumindest etwas günstiger ist die Offerte etwa der Comdirect: Sie bietet einen Festgeldzins von immerhin 5%, allerdings befristet auf lediglich sechs Monate. Der Kunde hat die Wahl unter zehn verschiedenen Fonds, die allerdings mit einem Rabatt auf den Ausgabeaufschlag von 50% angeboten werden. Letztlich erfolgt zwar auch hier wieder eine Subventionierung der Festgeldzinsen über den Fondskauf, denn auch am halben Ausgabeaufschlag verdient die Comdirect noch gut. Dennoch ist das Modell insoweit kundenfreundlicher konzipiert, dass ein vergleichbarer Rabatt wie beim Direktkauf der Fonds ohne Koppelungsmodell eingeräumt wird. Aber auch die von manchen Geldhäusern gebotene Variante, Geld erst nach Ablauf des Festgeldzeitraums in Fonds umzuschichten, kann – bei entsprechenden Gebührenrabatten – überlegenswert sein.
Keinesfalls sollten Sie sich jedoch allein vom hohen Festgeldzins blenden lassen. Zum einen gilt er regelmäßig nur für die Hälfte der Geldanlage, zum anderen „kaufen“ sie mit der Koppelung möglicherweise andere Bausteine ein, die nicht unbedingt in ihre Anlagekonzept passen und/oder hohe Folgekosten erwarten lassen. Überlegenswert sollte der Abschluss daher nur dann sein, wenn Sie ohnehin ein Fondsengagement in Betracht ziehen und auf diesem Weg einen Zusatznutzen für Ihr Tages- bzw. Festgeld erzielen können. Aber auch dann sollten Sie die angebotenen Fonds genau unter die Lupe nehmen, finden sich in den Offerten doch häufig „Ladenhüter“ mit eher mäßiger Performance.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(17):12-12