Klaus Hölzel
Der Montag beginnt quälend. Eine PTA fällt wegen Krankheit aus. Die Backoffice-Software funktioniert nicht wie gewohnt und der Hauptverordner ist aus dem Urlaub zurückgekommen.
Die Apothekenleiterin arbeitet im Normalfall strukturiert: Sie nimmt sich für den Montag nicht zu viel Büroarbeit vor, plant eine Stunde Pause ein und verlässt um 19 Uhr die Apotheke. Doch die Planungen werden über den Haufen geworfen. Nun muss sie vorne im HV und hinten im Backoffice aushelfen – ohne richtige Pause. Das ergibt am Ende des Tages eine wenig motivierende Bilanz und noch weniger Lust auf den Dienstag. Doch wie kann diese immer häufiger auftretende Überlastung systematisch gelindert werden?
Tipp 1: Langsam starten
„Der glücklichste Teil im Leben eines Menschen ist der, den er morgens wach im Bett verbringt“, meint Faulheits-Experte Tom Hodgkinson. Er rät, nach dem Aufwachen noch eine Weile liegen zu bleiben. Diese Zeit verschwendet der Faulpelz aber nicht etwa, sondern stellt sich dösend auf die Herausforderungen des Tages ein. Er trennt Wichtiges von Belanglosem, reflektiert die Leistungen und Fehler vom Vortag und kann später in der Apotheke koordiniert an die Arbeit gehen.
Dazu gehört eine wichtige Aufgabenverteilung: Nicht der Chef schließt morgens die Apotheke auf, sondern eine vertrauenswürdige Mitarbeiterin, die als Frühaufsteherin bekannt ist.
Tipp 2: Luft holen
Der Faule befindet sich in prominenter Gesellschaft: Auf seiner halbstündigen Mittagspause bestand schon Winston Churchill. Leider tun viele in Zeiten des Stresses das Gegenteil. Sie verzichten auf Erholungspausen. Besser ist jedoch, vor der ersten spürbaren Erschöpfung eine kurze Pause einzulegen – das genügt zum Regenerieren. Beispiele sind der kurze Weg zur Bank, zum Bäcker oder zur Post.
Eine Pause von 15 Minuten an einem stressigen Vormittag ist wertvoller als eine Stunde auf dem Sofa an einem vertrödelten Sonntag. Pausen sind also nicht nur ein Ausdruck von Müßiggängertum, sondern auch die Möglichkeit, Abstand von aufreibender Arbeit zu gewinnen und einen klaren Blick auf Probleme zu entwickeln.
Tipp 3: Kein Essen im Eiltempo
Eine beliebte Methode, um Zeit zu gewinnen, ist der Verzicht auf ein Mittagessen. Außerdem gibt man sich dem Gefühl hin, damit abnehmen zu können. Wer Ernährungsberatung in der Apotheke anbietet, kennt die Problematik. Ein Mittagessen darf nicht zum bloßen Magenfüller degradiert werden. Wird zwischen zwei Terminen ein Burger hinuntergeschlungen, bleibt die belebende Wirkung der Mahlzeit aus. Auch eine Nahrungsaufnahme im Eiltempo führt kurz danach zu Müdigkeit. Der Ratschlag lautet also: Essenszeiten einplanen, möglichst abgeschirmt vom Alltag der Apotheke. Telefonkontakte sind in dieser Zeit tabu. Wer es sich leisten kann, macht ein 15-minütiges Mittagsschläfchen. In Spanien zum Beispiel ist das Nickerchen fest in den Arbeitstag integriert.
Tipp 4: Delegation ist Motivation
Zu den Maximen des Faulen gehört es, nicht jede Arbeit anzunehmen, sondern konsequent zu delegieren. Wer die Fähigkeit zur Selbstbeschränkung bei den zu erledigenden Aufgaben und den möglichen materiellen Vorteilen besitzt, hat eindeutig weniger Stress.
Wichtig ist es, nicht nur kleine Arbeiten und Durchführungsaufgaben weiterzugeben, sondern „richtige“ Aufgaben und vor allem Verantwortung zu übertragen, denn Menschen wachsen vor allem mit ihrer Verantwortung. Beim Delegieren geht es darum, Mitarbeiterqualität und Führungsqualifikation zu kennen und auf- sowie auszubauen.
Wer erfolgreich delegieren möchte, muss bei sich selbst beginnen. „Meine Tätigkeiten sind nicht delegierbar!“, „Keiner kann es so gut wie ich!“ und „Da ist ja meine Position in Gefahr, wenn das auch andere können!“ sind falsche und kurzfristige Denkweisen. Sie hindern nur am erfolgreichen und effektiven Abgeben von Aufgaben und wirken sich langfristig negativ auf die Apotheke aus.
Viele Chefs haben mit dem Delegieren schlechte Erfahrungen gemacht oder wissen nicht, wie sie wirkungsvoll delegieren sollen. Manchmal bestehen sie nur aus Prinzip und Gewohnheit darauf, dass weiterhin alles so gemacht wird, wie es schon immer gehandhabt wurde. Die einen haben Angst vor möglichen Kompetenz- und Imageverlusten, die anderen trauen es ihren Mitarbeitern einfach nicht zu. Vielleicht nutzt es, eine andere Denkhaltung einzunehmen: Beim Delegieren gibt es keine Misserfolge, sondern nur Ergebnisse und Erfahrungen.
Mehr als 45 bis 50 Wochenstunden Arbeit können den Verdacht erwecken, dass man sein Pensum in der regulären Zeit nicht bewältigt. Zwängt man das Privatleben in den Rest, den die Arbeit übrig lässt, kommt man nie dazu. Hilfreich sind fixe Termine, die freigehalten werden für Privates. Wer sich verbietet, täglich voll und ganz der Apotheke zur Verfügung zu stehen, lebt zufriedener.
Tipp 5: Krankheit nicht ignorieren
Auch Chefs müssen lernen, Krankheit nicht als schlechtes Benehmen zu sehen, findet Faulheitsexperte Hodgkinson. Anstatt sich angeschlagen in die Apotheke zu schleppen und den halben Mitarbeiterkreis anzustecken, sei es für den Erkrankten wichtig, die Genesung als Erholungsphase zu betrachten – und nicht auf sein schlechtes Gewissen zu hören, das ihm einredet, er stürze die Apotheke in eine tiefe Krise.
Tipp 6: Balance halten
Neben den Alltagsratschlägen sollte man sich grundsätzlich über das Arbeitspensum Gedanken machen. Wer 20 Jahre lang im gleichen Team volle Leistung bringt, vielleicht sogar auf Urlaube verzichtet, merkt erst spät oder nie, was er seinem Streben nach im‑ mer mehr Erfolg alles geopfert hat. Ist das, wofür man so hart arbeitet, wirklich das, was man wollte? „Machen Sie sich bewusst, dass Sie alle Güter nicht nur mit Geld, sondern auch mit Ihrer Zeit, Ihrer Freizeit bezahlen“, raten die Faulheits-Autoren Axel Braig und Ulrich Renz in ihrem (leider nur noch antiquarisch erhältlichen) Werk „Die Kunst, weniger zu arbeiten“. Allzu oft rackere man sich für Unnötiges ab, dabei sei der Lebensstandard nicht gleichzusetzen mit der Lebensqualität. Die wenigsten dürften am Ende ihres Lebens bedauern, zu wenig Zeit in der Apotheke verbracht zu haben.
Wer sich Faulheit durch mehr Mitarbeiter erkauft, muss die Grenzen kennen. Doch mit einem bescheideneren Gewinn vor Steuern lässt sich auch noch leben. Es sei denn, man ist als Apotheken-Workaholic längst nicht mehr in der Lage, die Freizeit sinnvoll zu nutzen. Doch das dürfte die Ausnahme sein. Ebenso wie der Traumjob jedes Faulenzers: Der ist nämlich Bettentester.
Dipl.-Volkswirt Klaus Hölzel,
Apotheken Management-Institut GmbH,
65375 Oestrich-Winkel,
E-Mail: sekretariat@apothekenzukunft.de
Buchtipp
Hodgkinson, Tom: Anleitung zum Müßiggang, Edition der Freitag, 2009, 11,80 € zu beziehen über den Deutschen Apotheker Verlag (Telefon: 0711/2582 341, Telefax: 0711/2582 290, E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de).
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2009; 34(20):8-8