Gewerbeimmobilienmarkt

Trotz der Krise steigen die Preise


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Allen Unkenrufen in Hinblick auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zum Trotz: Der Markt für Gewerbeimmobilien in Deutschland ist immer noch ausgesprochen intakt. Trotz signifikant rückläufiger Umsätze steigen vielerorts sogar die Preise.

Die Wirtschaftskrise hat Deutschland immer noch fest im Griff: Die Umsätze der Unternehmen brechen ein, Gewinne schwinden, Kurzarbeit und spektakuläre Pleiten bestimmen das Bild. Doch während sich frühere Krisen auch auf den Gewerbeimmobilienmarkt niedergeschlagen haben, ist diesmal davon nicht viel zu spüren. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) meldet in seinem neuen Preisspiegel 2009/2010 zwar einen Rückgang bei Neuvermietun­gen von Büroflächen um immerhin 20%, die Preise sind jedoch weitgehend stabil.

Im Bürosektor wurden gegen­über dem Vorjahreszeitraum nur Preisrückgänge zwischen 0,3% und 0,5% festgestellt, in guten Lagen der Großstädte kam es sogar zu weiteren Steigerungen um 2,5%. Lediglich in Kleinstädten leidet der Markt unter der schwachen Kon­junkturentwicklung, jedoch liegt auch hier der Rückgang der Nettokaltmieten für Büros mit 1,5% bis 2,5% innerhalb der üblichen Schwan­kungs­breiten. Am teuersten ist nach Beobachtungen des IVD weiterhin Frankfurt/Main mit ei­nem Preis je Quadrat­meter von 35 €, gefolgt von München mit 30 €, Düsseldorf und Hamburg mit jeweils 22 € und Berlin mit 21 €.

Aber auch im Einzelhandel ist die Preisentwicklung kaum durch die Wirtschaftskrise belastet. Nach der Analyse des IVD sind die Neuvertrags­mieten für kleine und große Einzelhandelsgeschäfte in 1a- Lagen der Geschäftskerne

Nebenlagen sind weiterhin gefragt

Vergleichsweise gut war aber auch die Entwicklung bei den sogenannten 1b-Lagen der Geschäftskerne, zu denen die attraktiven Nebenstraßen der Top-Lagen zählen. Hier verzeichnet der IVD in allen Großstadtkategorien Steigerungsraten von 0,5% bis etwa 2,4%. Begründet wird dies zum einen mit der Tatsache, dass die Krise den Einzelhandel noch nicht in vollem Umfang erreicht hat, zum anderen mit einer zunehmenden Diversifizierung der Kundenströme. Das „Einerlei der Filialisten ist“, so der IVD, „nicht mehr so gefragt.“ Teuerster Standort ist wieder München mit einer Spitzenmiete von über 300 € je Quadratmeter. Es folgen Frankfurt/Main mit ca. 250 €, Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg mit je ca. 220 € sowie Berlin und Köln mit jeweils ca. 210 € je Quadratmeter. Klarer Verlierer sind – zum wiederholten Mal in Folge – Flächenanbieter in den sogenannten 2a-Lagen bzw. Nebenkern­lagen der Großstädte, die nach wie vor von sinkenden Preisen und wachsenden Leerstandsraten geprägt sind.

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung sind sich die Ex­perten nicht einig. Viele rechnen mit einer anhaltenden Konjunkturbelebung und gehen davon aus, dass sich auch der Gewerbeimmobilienmarkt entsprechend stabil zeigt. Andere verweisen auf den drohenden Anstieg der Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Kaufzurückhaltung, aber auch auf den zu­nehmenden Internethandel. Einigkeit herrscht jedoch darin, dass auch künftig die Spitzenlagen besonders gefragt sein werden, während es bei Neben- und Randlagen zunehmend darauf ankommt, ob die Kommunen den Handel in diesen Bereichen hinreichend fördern können.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(01):16-16