Edelmetalle

Von der Goldkette zu barer Münze


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Von den Unsicherheiten an den Kapitalmärkten haben sie besonders profitiert: Edelmetalle gelten als „sicherer Hafen“, der vor Inflations- und Bonitätsrisiken schützt. Die hohen Preise wecken aber auch das Verkaufsinteresse vieler Sammler. Gerade hier lohnen sich Vergleiche.

In den Schatullen der Bundesbürger schlummert so mancher Schatz: Die Goldkette der Großmutter, das Zahngold des verstorbenen Onkels oder auch die in jungen Jahren aufgebaute Silbermünzensammlung gelten als Preziosen, die zwar aufgehoben werden, aber keinen konkreten Zweck mehr erfüllen. Seit jedoch der Goldpreis die 1.000-Dollar-Marke überschritten hat und auch Silber und Platin teuer gehandelt werden, stellt sich immer öfter die Frage, ob nicht ein Verkauf die beste Lösung wäre.

Blickt man in die Inserate­seiten der Tageszeitung, erscheint alles ganz einfach: Mit Schlagzeilen wie „Gold-Ankauf zu besten Tagespreisen“ oder „Sofort-Bargeld für Gold, Schmuck und Uhren“ werden alle angesprochen, die über einen Verkauf nachdenken. Doch das Ergebnis ist oftmals ernüchternd: Die teuer geglaubte Goldkette wird als minderwertiges Imitat klassifiziert und auch für die Münzsammlung werden Preise geboten, die deutlich unter dem einstigen Kaufpreis liegen. Der Grund: Die meisten Ankaufsfirmen – die ihre Geschäfte oftmals auch zeitlich begrenzt in Hotels oder Gaststätten anbieten – agieren nur als Zwischenhändler. Sie kaufen entsprechendes Metall, um es – mit möglichst hohem Gewinn – an die Scheideanstalten weiterzugeben, die dann das Einschmelzen vornehmen. Und weil die Ankäufer oftmals nur über geringe Fachkenntnisse und wenig Prüf­möglichkeiten verfügen, wird regelmäßig nur der Preis für die schlechtest mögliche Legierung geboten. Der Vorteil jedoch: Bargeld gibt es sofort und ohne Umwege, zudem erspart sich der Käufer den aufwändigen Versand. Ins­besondere für Ein­zel­stücke und Kleinmengen stellt diese Variante daher durchaus eine Lösung dar.

Hohe Handelsspannen

Gerade bei Schmuck kann sich aber auch der Gang zum Juwelier des Vertrauens lohnen. Insbesondere im Fall einer guten Geschäftsbeziehung werden hier oft durchaus seriöse Preise bezahlt. Dies gilt speziell für den Ankauf von Schmuck aus dem eigenen Haus, der möglicherweise aufbereitet und weiterverkauft werden kann. Allerdings sollte man sich auch hier über die hohen Handelsspannen von 50% und mehr im Klaren sein. Während bei seltenen kunstvollen Exemplaren auch die Verarbeitung eine Rolle bei der Bewertung spielt, dient bei „Standardschmuck“ lediglich der Metallwert als Maßstab.

Vergleichbares gilt im Bereich der Münzen und Edelmetallbarren: Nach wie vor betreiben viele Banken und Sparkassen einen eigenen Münz- bzw. Edelmetallhandel und kaufen gut erhaltene Exemplare an. Die Handelsspannen sind dabei vergleichsweise niedrig, allerdings werden eingereichte Stücke meist erst zu einer Qualitätsprüfung beim Mutterhaus weitergeleitet. Kaum Absatzchancen bestehen allerdings für Medaillen, die z.B. zu einem Stadt­jubiläum geprägt und ausgegeben wurden, aber keinen Nennwert eingeprägt haben.Hier herrscht allenfalls ein Liebhaber-Markt, wobei selbst dann der Preis meist in Höhe des realen Metallwerts lie­‑ gen wird. Auch Schmuck wird von Banken und Sparkassen – wenn überhaupt – regelmäßig lediglich zum Schmelz-wert angekauft.

Alternativ bietet sich speziell für Schmuck der Verkauf über Auktionen an. Passende Auktionshäuser lassen sich über die Fachpresse aus dem Kunst- und Schmuckbereich finden. Nach telefonischer Kontaktaufnahme kann dann ein Besichtigungs- bzw. Abholtermin vereinbart werden, bei kleineren Beständen erfolgt die Einlieferung üblicherweise per Post. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass der Startpreis – wie von vielen Auktionatoren ange­strebt – nicht zu niedrig an­gesetzt wird. Konnte man bis vor wenigen Jahren noch davon ausgehen, dass die große Nachfrage letztlich für faire Preise sorgte, mangelt es heute oftmals an Interessenten und Geboten. Die Folge: Das gute Stück wird bestenfalls zu dem niedrig angesetzten Ausrufpreis veräußert oder – wenn dies nicht möglich war – erst nach der Auktion mit einem weiteren Abschlag verkauft.

Deutlich an Bedeutung verloren haben indes Internet- Auktionsplattformen wie etwa eBay. Dominierten hier vor wenigen Jahren noch private Anbieter, deren Offerten auf reges Interesse stießen, werden die meisten Marktplätze jetzt von Händlern beherrscht. Die Folge: Im System finden sich seitenlange Festpreisangebote, oftmals sogar die gleichen Produkte in zahlreichen Einzelauktionen. Private Käufer, die einstmals hohe Preise sicherstellten, kehren diesen Marktplätzen zunehmend den Rücken, bieten sie doch kaum noch wirk­‑ lich interessante Schnäppchen. Im Übrigen besteht selbst für Privatverkäufer bei einer größeren Zahl von Offerten stets das Risiko, als „Händler“ eingestuft zu werden – mit allen rechtlichen Pflichten. Kommt man diesen nicht peinlich genau nach, drohen teure Abmahnungen. Interessant sind solche Plattformen daher allenfalls für marktgängige Qualitätsware, für die es immer noch eine angemessene Zahl von Interessenten gibt.

Geht es allein um den Wert des Edelmetalls, bieten inzwischen auch Scheideanstalten eine interessante Alternative: Die Preziosen werden entweder bei einer Niederlassung abgegeben oder per Post/Kurierdienst eingeschickt und innerhalb weniger Tage erfolgt ein konkretes Preisan­gebot. Der Vorteil: Es ist kein Händler oder Vermittler zwischengeschaltet, sodass vergleichsweise marktgerechte Preise erzielt werden. So bringt derzeit z.B. 333er-Goldschmuck zwischen 6,00 € und 7,00 € je Gramm, für 999er-Feingold werden um die 20,00 € bezahlt. Silber wird mit knapp unter 300 € je Kilogramm abgerechnet. Meist sind dabei Staffelpreise vorgesehen, d.h., bei kleinen Abgaben wird ein relativ niedriger Preis gezahlt, bei Mengen ab 100 bzw. 200 Gramm kommen höhere Preise zur Anwendung. Im Regelfall sind in diesen Preisen die Schmelzkosten bereits berücksichtigt. Bei größeren Beständen kann es allerdings interessant sein, die Schmelzkosten separat abzurechnen und dafür einen vergleichsweise hohen Preis für das Edelmetall zu erzielen.

Feste Preise sichern

Gerade bei Geschäften mit Scheideanstalten, die sich auch im Internet finden lassen, sind klare Preisverein­barungen wichtig. Viele machen bereits im Vorfeld konkrete Angaben, wie viel sie z.B. für 100 Gramm 333er-Gold bezahlen oder nennen sogar einen festen Preis nach Prüfung der Ware. Der Kunde hat dann immer noch die Möglichkeit, dem Angebot zu widersprechen und er bekommt das Edelmetall zurückgeschickt. Andere Scheideanstalten versprechen indes lediglich den „beim Einschmelzen geltenden Tagespreis“, sodass der Verkäufer letztlich auf eine faire Abwicklung vertrauen muss. Dabei besteht im Übrigen keine Möglichkeit des Widerspruchs, denn schließlich ist das Metall bei der Preisfestlegung bereits ein­geschmolzen.

In jedem Fall stellt sich die Frage, wie man sich derzeit verhalten soll. Hier kommt es auf den Einzelfall an: Wer auf weitere Preissteigerungen setzt, ist mit Edelmetallbarren und kostengünstigen Anlagemünzen wie etwa dem Krü­gerrand gut bedient. Gleiches gilt für Anleger, die z.B. über Gold als Krisenmetall verfügen wollen. Hingegen kann angesichts der hohen Edelmetallpreise sicherlich über den Verkauf etwa von Schmuck nachgedacht werden. Anders im Bereich des Sammelns/der Liebhaberei: Solange die Verarbeitung und die Qualität etwa von Goldschmuck von Bedeutung sind, spielen Veränderungen beim Goldpreis regelmäßig keine Rolle. Hier kommt der Verkauf also lediglich für Stücke in Betracht, zu denen man keinen Bezug mehr hat.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(01):14-14