Kreditkarten

Nicht jedes Plastikgeld lohnt sich wirklich


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Kreditkarten gewinnen auch hierzulande immer mehr an Bedeutung. Dabei ist es jedoch nicht allein die Bequemlichkeit beim Bezahlen, die das Plastikgeld attraktiv macht: Die meisten Karten bieten mehr oder minder umfangreiche Versicherungs- und Serviceleistungen.

Vor 20 Jahren waren Kreditkarten in Deutschland noch kein Thema: Überweisungen und Lastschriften dominierten den bargeldlosen Zahlungsverkehr und wer in Hotels, Restaurants oder Geschäften größere Summen zu bezahlen hatte, wählte den Eurocheque bzw. die EC-Karte. Anders in Ländern wie Frankreich, Norwegen oder den USA: Hier war das Zahlungsverkehrssystem längst nicht so ausgereift wie in Deutschland, stattdessen wurden Kreditkarten bereits in den 1970er-Jahren das Kernstück bargeldlosen Zahlens.

Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt: Zum einen rüsten Kartenemittenten ihr Plastikgeld mit immer mehr Zusatzleistungen auf und bieten häufig den Anschluss an attraktive Bonussysteme. Zum anderen wurden aber auch die Kartenprovisionen oft deutlich heruntergesetzt, sodass die Akzeptanz nicht wesentlich teurer ist als bei anderen Zahlungssystemen. Nicht zuletzt erkennen immer mehr Unternehmen, dass die Annahme von Kreditkarten ein Zusatzgeschäft generieren kann, kaufen Karteninhaber doch erfahrungsgemäß für deutlich höhere Beträge ein als Bar­zahler.

Allerdings gibt es auch bei Kreditkarten erhebliche Unterschiede. Von den vier in Deutschland vertriebenen Systemen MasterCard (früher: EuroCard), VISA, American Express und Diners Club können nur die ersten beiden auf eine breite Akzeptanz verweisen. Hingegen wird die für den Handel immer noch teure Ame­rican-Express-Karte vornehmlich in stark frequentierten Zentren, bei großen Einzelhandelsketten und in der gehobenen Hotellerie akzeptiert, kaum jedoch „auf dem flachen Land“. Noch geringer ist die Akzeptanz der Diners-Club-Karte, wobei man hier derzeit aber über einen umfassenden „Relaunch“ nachdenkt.

Karten für die Feuerwehr

Ausgegeben und abgerechnet werden Kreditkarten zwar stets von Banken bzw. Sparkassen oder darauf spezialisierten Finanzdienstleistern, allerdings tragen sie oft Logos von „Co-Branding-Partnern“. Ob Audi-, Porsche- oder Mercedes-Fahrer, Golffan oder Feuerwehrmann – fast jeder kann sich mit einer speziellen Kreditkarte schmücken, die vielfach besondere Leistungen vorsieht. Allein schon deshalb tragen immer mehr Bundesbürger inzwischen nicht nur eine, sondern sogar mehrere Kreditkarten der in Deutschland besonders aktiven Marken MasterCard und VISA in ihren Brieftaschen.

Gerade angesichts der zunehmenden Kartenflut lohnt es sich, die Angebote genauer unter die Lupe zu nehmen. Eines der wichtigen Unterscheidungskriterien ist dabei der Preis. Wem es allein um die Möglichkeit geht, weltweit komfortabel bargeldlos zu bezahlen, ist mit einer der kostenlos oder zu Tiefstpreisen von 10 € bis 20 €/Jahr angebotenen Kreditkarten gut beraten. Erhältlich sind der­artige Standardkarten häufig im Rahmen eines bestehenden Girokontos, aber auch von Anbietern wie Payback – die sich diesen Service u.a. damit „be­zahlen“ lassen, dass sie sta­tistische Auswertungen über das Zahlungsverhalten ihrer Kunden erstellen. Auch bei den meisten Banken und Sparkassen sind etwa die MasterCard oder die VISA-Karte kostenfrei, wenn bestimmte Mindestumsätze erzielt werden. Gleiches gilt für einige Ameri­can-Express-Karten, bei denen ein Gebührenerlass manchmal aber nur auf gezielte Nachfrage hin gewährt wird.

Mehr Leistungen bieten hingegen die meist als Goldkarten herausgegebenen Plastikkärtchen, die zwischen 40 € und 140 € pro Jahr kosten, bei hohen Umsätzen aber manchmal auch gebührenfrei sind. Hier kann der Kunde meist auf ein umfangreiches Versicherungsbündel zurückgreifen, das durchaus sinnvolle Leistungen bietet. Sind z.B. ein Auto-Schutzbrief und eine Reiserücktrittskostenversiche­rung im Kartenpreis enthalten, lohnt sich der Aufpreis oft schon bei einer einzigen Urlaubsreise. Allerdings sollte man die Vertragsbedingungen sehr genau lesen, sind manche Versicherungen doch z.B. an den Einsatz der Kreditkarte zum Bezahlen von Leistungen gebunden. Neben Versicherungen werden auch Vorteile bei Hotelaufenthalten und Mietwagenpartnern geboten, die sich aber oft nur im Einzelfall rechnen.

Eine immer wichtigere Rolle spielen inzwischen auch Bonusprogramme: Mit jedem Umsatz sammelt der Karten­inhaber eine bestimmte Anzahl von Punkten, die er dann z.B. in Sachwerte oder Hotelaufenthalte tauschen kann. Einen besonders hohen Nutzwert bietet u.a. American Express mit einem Membership Rewards Classic Programm, aber auch die Teilnahme am Miles & More-Programm der Lufthansa kann sich speziell für Vielflieger rechnen. Die Punkte haben dabei meist einen Gegenwert von 0,5% bis 1,5% des gezahlten Betrags – wobei auch der Verwendungszweck eine Rolle spielt. Zurückhaltung ist indes bei Programmen geboten, bei denen der Karteninhaber nur zwischen 0,1% und 0,5% Gegenwert bekommt, lohnt sich hier das Sammeln doch kaum.

Nobles aus Titan

Insbesondere American Express, aber auch MasterCard und VISA haben daneben „Nobel-Kreditkarten“ aufgelegt, die meist in schwarzer Farbe angeboten werden. Hier ist zum einen das Versicherungsbündel noch umfangreicher, zum anderen werden auch Dienstleistungen wie etwa ein Concierge-Service angeboten. Sie ermöglichen dem Karteninhaber, rund um die Uhr z.B. Hotel- und Restau­rantreservierungen vorzunehmen, Geschenke zu bestellen oder die nächste Geburtstagsfeier organisieren zu lassen. Nicht zuletzt sind auch kostenfreie Mitgliedschaften in Hotelprogrammen mit hohem Status wie z.B. Hilton Honors oder Starwood Pre­ferred im Kartenpreis enthalten, ebenso wird ein Priority Pass für den Zugang zu hochwertigen Flughafenlounges ausgestellt.

Die Karten – die teilweise nur auf Einladung vergeben werden – haben jedoch ihren Preis: Zwischen 200 € und 500 € Jahresgebühr gelten als Minimum, die aus echtem Titan handgefertigte American-Express-Centurion-Karte kostet sogar 2.000 €. Lohnend sind derartige Karten nur für Vielreisende, die z.B. über freie Hotelnächte und vergünstigte Flüge den Kartenpreis schnell einsparen können.

Weniger prestigeträchtig sind indes „ Prepaid-Kreditkarten“, die in den vergangenen Jahren auch hierzulande po­pulär gemacht wurden. Sie werden allein auf Guthabenbasis geführt, einen Kredit- bzw. Ausgabenrahmen gibt es nicht. Entsprechend kommen die Karten in erster Linie für Bankkunden in Frage, die z.B. aus Bonitätsgründen keine „echte“ Kreditkarte erhalten.

Allerdings ist auch z.B. eine Standard-MasterCard in der Regel keine „echte“ Kreditkarte. Schließlich wird dem Karteninhaber nur ein gewisses Ausgaben­limit eingeräumt, das nicht überschritten werden darf. Zudem ist ein Ausgleich mit der nächsten Monatsrechnung vorgesehen. Insbesondere einige VISA-Karten bieten daneben die Möglichkeit der Ratenzahlung, jedoch konnten sich angesichts der verlangten hohen Zinsen von bis zu 20% p.a. bislang nur wenige Kartenin­haber dafür begeistern.

In jedem Fall sollte man seinen verfügbaren Kreditrahmen kennen, drohen sonst doch etwa bei einem teuren Auslands­aufenthalt unliebsa­me Über-raschungen. Problemlos ist dies bei Karten von VISA und MasterCard, die den Spielraum meist auf der Kartenabrechnung nennen. Bei American Express und Diners Club wird zwar mit „unbegrenztem Ausgabevolumen“ geworben, letztlich bestehen jedoch auch hier interne Grenzen, die auf Basis von Bankauskünften festgelegt werden. Vor größeren Ausgaben ist daher ein Gespräch mit dem Kartenemittenten sinnvoll, der den Rahmen ggf. heraufsetzen kann.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(03):15-15