Dr. Christine Ahlheim
Noch bevor die Kommission zur Reform unseres Gesundheitssystems ihre Arbeit überhaupt aufgenommen hat, verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass der Misserfolg dieses Unterfangens bereits programmiert ist. Die Gründe hierfür sind offensichtlich.
Erstens: Eine umfassende Reform wie in der Schweiz oder den Niederlanden ist ohnehin ausgeschlossen, da keine der in der Regierungskoalition vertretenen Parteien an der Zweiteilung unseres Versicherungssystems in gesetzliche und private Krankenkassen rütteln will.
Zweitens: Die FDP befindet sich in der Wählergunst im Sinkflug. Das schwächt den bislang ohnehin eher blassen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler zusätzlich und mindert seine Chancen, in der GKV die Gesundheitsprämie einzuführen – zudem sein gesundheitspolitischer Gegenspieler Horst Seehofer den Widerstand gegen die Prämie immer lauter artikuliert.
Drittens: Auch in der Bevölkerung stößt die Gesundheitsprämie auf breite Ablehnung. Anstatt sich zu empören, dass der Sozialausgleich innerhalb der GKV stattfindet und „Besserverdienende“ und Beamte dabei außen vor bleiben, will man lieber am Altbekannten festhalten.
Angesichts dieser Umstände sind die Rahmenbedingungen für einen Systemwechsel denkbar ungünstig. Das Monstrum Gesundheitsfonds hat eindrucksvoll gezeigt, wie schlecht ein Kompromiss sein kann. Eine solch missglückte Reform sollte den Bürgern nicht noch einmal zugemutet werden – möge dieses Ziel die Regierungskommission bei ihrer künftigen Arbeit leiten.
Deutscher Apotheker Verlag
AWA -Redaktion
Dr. Christine Ahlheim
M.A. Apothekerin
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(05):2-2