US-Dollar

Comeback oder temporäres Intermezzo?


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Hektische Betriebsamkeit prägte in den vergangenen Monaten die Devisenmärkte. Nicht nur gegenüber dem Schweizer Franken und dem Japanischen Yen verlor der Euro deutlich, auch gegenüber dem US-Dollar büßte die Gemeinschaftswährung zeitweise massiv ein.

Fragt man Experten nach dem Grund des massiven Kursrückgangs beim Euro, gibt es nur eine Antwort: Die Haushaltskrisen von Griechenland, Italien, Portugal und Irland haben das Vertrauen der Anleger in die Gemeinschaftswährung nachhaltig geschwächt. Bevorzugt wurden – und werden – stattdessen Währungen wie etwa der Schweizer Franken, aber auch der Australische und der Neuseeländi­sche Dollar konnten um zweistellige Prozentsätze zulegen. Überraschend schnell hat sich auch der US-Dollar stabilisiert: Anleger, die unserem Rat im Dezember 2009 gefolgt waren ( AWA -Ausgabe vom 1. Dezem­ber 2009, Seite 16) und den „Greenback“ in ihre Portefeuille-Überlegungen eingebaut hatten, erzielten seitdem nicht nur solide Zinsen und Kursgewinne in einer Größenordnung von rund 3%, sondern konnten weitere 20% Währungsgewinn verbuchen.

Entsprechend stellt sich jetzt die Frage nach der weiteren Entwicklung. Zahlreiche Volkswirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Haushaltsprobleme bereits hinreichend in den aktuellen Kursen eskomptiert sind. Dem Euro wird eine weitere Stabilisierung prognostiziert, wobei die Zielkurse in einer Bandbreite zwischen 0,72 und 0,83 Euro je Dollar gesehen werden. Entsprechend empfehlen sie einen Rückzug aus Dollar-Anlagen und stattdessen ein verstärktes Engagement in Euro-Papieren.

Manche erfahrene Börsianer stufen die aktuelle Entwicklung hingegen als Beginn einer Trendwende ein. Denn die aktuellen Kurse sind keineswegs außergewöhnlich: Bereits im Vorfeld der Euro-Einführung in den Jahren 1994 bis 2000 konnte der Dollar kräftig zulegen und in der Spit­ze wurden bis zu 1,20 € je Dollar gezahlt (aktuell: rund 0,78 €). Blickt man gar auf die 1980er-Jahre zurück, kostete der Dollar zeitweise sogar mehr als das Doppelte des heutigen Kurses. Entsprechend raten sie zu einer Beibehaltung der aktuellen Strategie.

Klar ist: Global investierende Anleger kommen am Dollar nicht vorbei. Weiterhin attraktiv sind etwa Dollar-Anleihen deutscher Konzerne, deren Bonität über jeden Zweifel erhaben ist. Zurückhaltung erscheint allenfalls dann geboten, wenn das Geld lediglich kurzzeitig zur Verfügung steht. Denn schließlich ist nach dem kräftigen Kursanstieg eine zeitweilige Gegenbewegung nicht auszuschließen, auch die Frage nach der konjunk­turellen Entwicklung dürfte künftig wieder an Bedeutung gewinnen.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(15):14-14