Wertpapier im Test

MAN SE-Aktie


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Unternehmen

Der MAN-Konzern in seiner heutigen Form entstand im Jahr 1986 aus der Verschmelzung der M.A.N. auf die Gutehoffnungshütte Aktienverein AG zur MAN Aktiengesellschaft und wird nun als „Societas Europea (SE)“ geführt. Die Geschichte der Vorgängerfirmen reicht jedoch wesentlich weiter zurück. 1758 wurde in Oberhausen die Eisenhütte St. Antony in Betrieb genommen. 1782 nahm die Hütte Gute Hoffnung ihre Arbeit auf. 1808 wurden die beiden Hütten zusammen mit anderen Unternehmen zur Hüttengewerkschaft und Hand­lung Jacobi fusioniert, die später als Gutehoffnungshütte firmierte. Parallel dazu wurde 1840 die Sander‘sche Maschi­nen­fab­rik gegründet, die 1908 zur Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (M.A.N.) wurde. 1921 übernahm die Gutehoffnungshütte die Mehrheit an M.A.N.



Weltweit beschäftigt das Unternehmen knapp 48.000 Mitarbeiter, die an 28 Produktionsstätten in 11 Ländern tätig sind. Die Geschäftstätigkeit gliedert sich in die beiden Bereiche „Commercial Vehicles“ sowie „Powerengineering“.

Zur Fahrzeugsparte zählen die Unternehmensbereiche MAN Nutzfahrzeuge, MAN Latin America sowie eine 25%ige Beteiligung an Sinotruk. In der Energiesparte vereint das Unternehmen die Bereiche MAN Diesel, MAN Turbo so-wie einen 76%igen Anteil an der Firma Renk. Schwerpunk­te sind die Herstellung von Nutzfahrzeugen, also Last­kraftwagen und Bussen in jeder Größenordnung, Diesel- und Gasmotoren, Kompresso­ren, Turbinen und komplet­ten Maschinensträngen sowie Spezialgetrieben. 30% der MAN-Anteile werden derzeit von VW gehalten, eine Auf­stockung erscheint wahrscheinlich.

Fundamentale Daten

Nach mehreren Jahren soliden Wachstums hat sich die Wirtschaftskrise in vollem Umfang auf die Unternehmensentwicklung der MAN SE niedergeschlagen. So lag der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2009 mit 9,9 Mrd. € um 30% unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz ging um 20% auf 12,0 Mrd. € zurück, das operative Ergebnis brach von 1,7 Mrd. € auf 0,5 Mrd. € ein. Entsprechend lag die Umsatzrendite bei nur noch 4,2% nach 11,6%, die Kapitalrendite wurde mit 7,9% nach 40,2% ausgewiesen. Den deutlichsten Rückgang verzeichnete die Nutzfahrzeugsparte. Hier wurden nur noch 6,4 Mrd. € nach 10,6 Mrd. € umgesetzt, wobei das Segment Lkw ein Minus von 44% aufwies. Überdurchschnittlich schlecht entwickelte sich der Inlandsumsatz mit einem Minus von 26% auf 2,7 Mrd. €, hingegen wurde im Ausland nur ein Rückgang um 17% auf 9,3 Mrd. € verzeichnet. Deutlich erhöht hat das Unternehmen seine Investitionen: Hier wurden 2,3 Mrd. € nach 0,9 Mrd. € eingesetzt, wobei ein erheblicher Teil auf Akquisitionen entfiel. Unter anderem wurde die Sparte VW Truck & Buses von der Volkswagen AG übernommen.


Wesentlich besser entwickelte sich das Geschäftsjahr 2010: Nachdem bereits im ersten Quartal ein Umsatzanstieg von 54% auf 3,5 Mrd. € ausgewiesen werden konnte, lag das Plus im ersten Halbjahr bei 19% auf 6,7 Mrd. €, wobei das Inland 10% und das Ausland 21% zulegen konnten. Das operative Ergebnis wurde um 66% auf 404 Mio. € verbessert. Vor Steuern lag der Gewinn bei 285 Mio. € nach 118 Mio. €. Nach Steuern verdiente der MAN-Konzern 200 Mio. € nach 208 Mio. €. Diese unterproportionale Entwicklung beruht in erster Linie auf den Nachwirkungen des schwa­chen Auftragseingangs im Jahr 2009 und den damit verbundenen Kosten u.a. für Kurzarbeit sowie steuerlichen Effekten. Besonders zuversichtlich gibt sich derzeit die Sparte Diesel & Turbo: Hier verzeichnete das Unternehmen einen deutlichen Anstieg des Auftrags­eingangs, sodass der Umsatz entgegen früheren Erwartun­gen zumindest auf Vorjah­resniveau gehalten werden kann.


Analysten gehen davon aus, dass sich die Umsatz- und Ertragszahlen im laufenden Jahr wieder deutlich stabilisieren und 2011 an die vorange­gangenen erfolgreichen Geschäftsjahre angeschlossen werden kann. Bereits 2010 sollten wieder schwarze Zahlen geschrieben werden und für 2012 wird – bei unverändertem Börsenkurs – ein Rückgang des Kurs/Gewinn-Verhältnisses auf unter 10 prognostiziert. Entsprechend soll auch die Dividendenzahlung wieder erhöht werden können.

Charttechnische Daten

Nach einer soliden Kursentwicklung in den 1990er-Jahren folgte im Zuge der Wirtschaftskrise 2000/2003 ein massiver Rückgang von 40 € auf zeitweise nur noch 10 €. Bedingt einerseits durch die Konjunktur- und Börsenerholung, andererseits aber auch durch Übernahmespekulationen schloss sich ein Kursanstieg auf mehr als 120 € an, jedoch kam es 2008 zu einem massiven Einbruch. Seit Anfang 2009 ist die Aktie wieder in einem soliden Aufwärtstrendkanal, aus charttechni­scher Sicht bestehen erst dann Risiken, wenn der bei rund 61 € verlaufende Gleitende 200-Tage-Durchschnitt nachhaltig nach unten durchbrochen wird.

Gesamtmarkttrend

Die Deutsche Börse konnte sich mittlerweile wieder über die 6.000-Punkte-Marke erholen und präsentiert sich – auch bei Vorstellung negativer Unternehmensdaten – in vergleichsweise robuster Ver­fas­sung. Nach erfahrungsgemäß ruhigen Sommermonaten ist ab September eine weitere Stabilisierung durchaus wahrscheinlich, sofern sich die aktuel­le Konjunkturerholung festigt.

Fazit

Die MAN-Aktie kann insbesondere unter langfristigen Gesichtspunkten als interessante Depotbeimischung be­trachtet werden.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(16):12-12