Apothekeneinrichtung

Rendite mit Ambiente


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Der Erfolg einer Apotheke hängt neben ihren Standortqualitäten maßgeblich von der Kundenorientierung der Mitarbeiter ab. Nicht zu unterschätzen ist jedoch das Ambiente: Der Kunde will sich wohlfühlen und den Betrieb eindeutig als „seine Apotheke“ wiedererkennen können.

Bei den Apotheken besteht ein gewisser Trend zur Uniformität, Motto: funktionell und gut. Franchisesysteme haben dies noch verstärkt. Von außen unterscheiden sie sich häufig nur wenig voneinander und auch innen setzt sich dieses Bild oft fort: auf die Warenpräsentation hin orientiert, praktisch, mit durchaus freundli­cher Erschei­nung – aber eben doch eigenartig konturlos, austauschbar, gar langweilig. Manche Apotheken hingegen sind bereits so veraltet und verstaubt, dass sie schon wieder interessant wirken...

Die Apotheken erfüllen ihren Zweck, die eine besser, die andere schlechter, aber vermitteln sie etwas Besonderes, eine Wohlfühlatmosphäre, einen unverwechselbaren Wiedererkennungswert? Selbst manche Designer-Apotheke be­friedigt viel­leicht die Ansprüche der Gestalter, aber trifft oft nicht den Geschmack der meist älteren Kundschaft. Und darauf kommt es an: Ihre Apotheke muss zuallererst Ihren Kunden gefallen, sie ansprechen und anlocken.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Es geht nicht um „Design-Overkill“, um teure Gestaltungsexperimente oder da­rum, Modetrends hinterherzulaufen. Vielmehr lässt sich mit überraschend geringem Aufwand den meisten Apotheken eine persönliche Note mit Wohlfühleffekt geben, die eine gesteigerte Kundenattraktivität und so eine kaufmännische Rendite verspricht. Mit etwas gestalterischem Talent können Sie sogar das meiste selbst leisten. Oder auf den Punkt gebracht: Auffallen ja, aber nicht um jeden Preis!

Die Einmaligkeit herausheben

Was macht Ihre Apotheke unverwechselbar? Und wie lässt sich das mit hohem sympathischem Wiedererkennungswert darstellen? An dieser Stelle fällt gerne der Begriff „Logo“. Ein gutes ApothekenLogo ist einprägsam, nicht zu kompliziert, trotzdem einzigartig. Nichtsdestotrotz profitiert eine Apotheke darüber hinaus von einem Sympa­thieträger, einem Apotheken-Mas­kottchen. Das kann das Logo selbst sein oder eine zusätzliche Figur. Damit wird die Botschaft transportiert: Bei uns geht es fröhlich, unkompliziert, positiv zu. Hierfür bieten sich spaßige, nette Tierfiguren an, doch es kann beispielsweise auch ei­ne „sprechende Kapsel“ sein. Dieses Apotheken-Maskottchen, am besten mit einem einprägsamen Namen, erscheint dann auf allen Werbeträgern.

Mit weiteren „Eye-Catchern“ können Sie sich optisch von der Konkurrenz abheben. Ob ein überdimensionales Tier, ein großes Modell von einer Burg oder einem Schloss, falls die Apotheke danach benannt ist, ins Auge stechende Mineralien, Pflanzen oder sogar Kunstgegenstände und (Apotheken-)Antiquitäten: Es bedarf oft nur einzelner herausragender Stücke, um bei der Kundschaft ein positives Staunen und die Unverwechselbarkeit zu erzielen. Dabei gilt: Lieber weniger und hochwertig, denn schnell ist die Grenze zum Kitsch überschritten.

Licht lockt Leute

Die Beleuchtung ist für die Atmosphäre eines Geschäfts von herausragender Bedeutung. Selbst gute Einrichtungs- und Farbkonzepte können durch eine ungeeignete – z.B. zu kalte oder zu grelle – Beleuchtung zunichtegemacht werden. In der Praxis dominiert die professionelle Grund­ausleuchtung, kombiniert mit der Anstrahlung der Regale, aber ohne nennenswerte Kontraste – praktisch eben, nicht einmal unsympathisch. Aber es gibt weit mehr Gestaltungsmöglichkeiten:

  • das Spiel mit Kontrasten und punktuellen Ausleuchtungen,
  • der Einsatz von farbigen Leuchten sowie die Modifikation der Farbtemperatur (Blau- bzw. Rotanteil),
  • der Wechsel zwischen direkter und indirekter Anstrahlung einschließlich der trickreich gestaltbaren Hinterleuchtung von Regalen,
  • der Einsatz von Blickfängen wie Salzkristall-Leuchten, sonstigen Dekoleuchten, Deckenflutern, kunstvoll beleuchteten Brunnen und Wasserspielen bis hin zu Wellness- und Wohlfühllampen mit vielfältigen Farbspielen.

Mit vergleichsweise geringen Zusatzinvestitionen kann es Ihnen gelingen, beeindrucken­de Akzente zu setzen und Ihrer Apotheke ein viel positiveres und interessanteres Erscheinungsbild zu geben. Gerade in der Beleuchtungstechnik tut sich enorm viel, die Auswahl ist groß. Eine Recherche im Internet lohnt, da viele Anbieter ihre Kataloge zum Herunterladen bereitstellen.

Auch im Hinblick auf die Lebensdauer der Leuchtmittel, den Energieverbrauch und die damit verbundene Wärmeabgabe, die sich negativ auf das Raumklima auswirkt, lohnt ein Blick auf innovative Technologien – Stichwort LED-Technik. Oft schlummert hier ein deutlich vierstelliger jähr­licher Einsparbetrag alleine bei den Stromkosten.

Farben machen glücklich

Die Farbgebung – vom Boden über Wände und Decken bis hin zum Mobiliar – bestimmt die Atmosphäre der Apotheke ganz entscheidend. Selbst ohne Boden und Möbel aufwendig auszutauschen, können Sie der Offizin durch einen neuen Wandanstrich, eine kreative De­ckengestaltung und das Dra­pieren ausgesuchter Dekostoffe in verschiedenen Bereichen ein deutlich freundlicheres, einladenderes Ambiente verleihen. Die Beleuchtung sollte darauf abgestimmt werden.

Die Decke ist in vielen Geschäften ein regelrech­tes Design-Stiefkind. Dabei bietet sie vielfältige Betätigungsmöglichkeiten: Ob diverse Deko-Gegenstände und „Eye-Catcher“, die sich vorteilhaft aufhängen lassen, eine künstlerische Umgestaltung und Modellierung oder das Anbringen von Design-Leucht­elementen (z.B. „Sternen­himmel“) – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Überraschungen halten die Apotheke lebendig

Überraschungen für die Kunden bestehen nicht nur in der neuesten Prämienaktion oder dem x-ten Sonderangebot. Die moderne Technik bietet noch ganz andere Möglichkeiten.

Beamer – mit dem PC verbundene Bildprojektoren – haben bereits in etlichen Apotheken Einzug gehalten, vor allem für Schulungen. Weit weniger genutzt wird die Möglichkeit, an den Rechner eine Kamera anzuschließen und z.B. „live“ Bilder zu senden, ob nun vom Vogelnest auf dem Dach oder aus dem Labor. Für wenig Geld gibt es per USB-Schnittstelle anschließbare (Klein-) Mikroskope, mit denen Sie beispielsweise eine Zecke, Pflanzenteile oder anatomi­sche Details direkt auf den PC-Bildschirm holen und dann via Beamer an die Wand werfen bzw. auf einen separaten Großbildschirm übertragen können. Der Überraschungseffekt dürfte sicher sein!

In diesem Zusammenhang sei eine weitere, aber ambivalent zu beurteilende Entwicklung erwähnt: das Apotheken-TV. Zweifelsohne ist heute der Flachbildschirm als Unterhaltungs- und Informationsmedium allgegenwärtig. So gegenwärtig, dass es schon besonderer Darstellungen bedarf, um noch einen Aufmerksamkeitseffekt zu erzielen. Reine Industriewerbung kann dies nicht leisten und zudem lassen Sie sich damit vor einen fremden Karren spannen. Ihrer Profilschärfung dient dies sicher nicht, denn die bisweilen gesponserten, teilweise aber auch für beachtliche Monatsbeträge vermieteten Geräte kann sich genauso gut jeder Konkurrent aufstellen. Die Betriebskosten sind übrigens gar nicht so niedrig; auf mögliche Brandgefahren vor allem bei „24-h-Nonstop-Berieselung“ z.B. im Schaufenster sei ebenfalls hingewiesen.

Nochmals wesentlich aufwendiger sind ausgefeilte Projektionstechniken, die ganze Bildserien, Fantasieeffektdar­stellungen oder Videos an die Decke bzw. auf den Boden projizieren, teilweise mit erstaunlichen Bewegungs- und 3-D-Effekten („Living Surfa­ce“). Hier wird vor allem auf einen Showeffekt gesetzt, in Einkaufspassagen durchaus erwünscht. Die Kosten wirklich professioneller Projektionen sind aber immer noch hoch.

Prima Klima

Der Einfluss der Klimatisierung auf den Geschäftserfolg wird oft unterschätzt. Grundsätzlich sollte das Klima im La­den spürbar angeneh­mer sein als draußen. Der Kunde darf nicht den Eindruck haben, dass in der Apotheke die „Luft steht“, und das Bedürfnis verspüren, das Geschäft möglichst rasch wieder zu verlassen. Im Winter überheizte, zu trockene Luft und im Sommer zu hohe Raumtemperaturen mit geringer Luftbewegung laden nicht zum Verweilen ein. Bedenken Sie, dass gerade Ältere und Kranke oft auf das Klima viel empfindlicher als Normalbürger reagieren. Bedenken Sie darüber hinaus den leistungsfördernden oder aber ermattenden Einfluss des Klimas auf Ihre Mitarbeiter. Fehlerhäufigkeit und Konzentrationsmängel nehmen insbesondere bei hohen Temperaturen erheblich zu.

Allerdings können Kühlanlagen schnell ins Geld gehen. Je 100 qm Fläche sind je nach räumlichen Gegebenheiten 10 bis 20 kW Kühlleistung nötig. Es empfiehlt sich ein konzeptioneller Ansatz, der erst einmal den Wärmeeintrag durch Fenster, Wände, Eingangstüren, aber auch Beleuchtung und EDV betrachtet und hier ggf. Optimierungen vorsieht. Beleuchtungen, die weniger Wärme abstrahlen, benötigen zudem weniger Strom. Das gleiche gilt für die EDV: Statt energiefressender veralteter Röhrenbildschirme und großer „Computerkisten“ tun es auch sparsame – und elegante – Notebooks.

Auswahl, Positionierung und Dimensionierung der Kühl­aggregate sollten Profis übernehmen, hier kann man viel falsch machen. Manchmal reicht aber bereits eine Kombination aus optimierter Lüftung, Isolierung von Wänden, Thermoscheiben, Dach- und Wandbegrünung sowie anderen baulichen Maßnahmen, um ohne zusätzliche energieintensive Kühlung ein angeneh­mes Raumklima zu erzielen.

Im Winter beobachtet man oft überheizte, zu trockene Räume – das ist herausgeworfenes Geld und steigert zudem die Infektanfälligkeit der Apothekenmitarbeiter. Auch hier lohnt sich eine Optimierung, steht doch bekanntlich ein Grad Raumtemperaturdifferenz für 5% bis 7% Heizkostendifferenz.

Duften mit Gefühl

Sie können das Wohlfühl-Klima erheblich durch eine ausgeklügelte Beduftung steigern. Ausgeklügelt deshalb, weil der Einsatz von Duftmischungen viel Fingerspitzengefühl und die richtigen situationsangepassten Duftnoten er­fordert. Schnell ist nämlich der schmale Grad zum Störfaktor Geruch bis hin zum Gestank überschritten. Richtig dosiert, geben Sie Ihrer Apotheke eine charakteristische Duftnote – die zudem nachweisbar leistungssteigernd und aufmunternd wirkt.

Fazit

Mit gar nicht einmal so hohem finanziellen Aufwand, dafür aber mit umso mehr Fantasie und Kreativität lässt sich Ihre Apotheke ganz erheblich atmosphärisch aufwerten. Hier bietet sich eine Chance mit gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis, die man sich in einem zunehmend ungemütlicheren Konkurrenzumfeld nicht entgehen lassen sollte.

Dr. Reinhard Herzog,
Apotheker, 72076 Tübingen,
E-Mail: Heilpharm.andmore@t-online.de

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(18):5-5