Editorial

Einigkeit macht stark


Dr. Christine Ahlheim

Noch selten dürften Ärzte und Apotheker sich beim Thema Arzneimittelversor­gung so einig gewesen sein wie beim ak­tuellen ABDA-KBV-Konzept. Danach bestimmt der Arzt Wirkstoff, Dosierung und Therapiedauer, der Apotheker wählt das Fer­tig­­arz­nei­mit­tel aus und gibt es mit ent­sprechender Beratung ab. Zudem erhält der Patient einen Medikations­plan, der die Therapiesicherheit verbessern soll.

Eigentlich kennt dieses Konzept nur Gewinner: Die Ärzte werden zumindest teilweise aus der wirtschaftlichen Verant­wortung für die Arzneimitteltherapie ent­lassen, die Apotheker können sich der lästigen Rabattverträge entledigen und die Patienten bekommen mehr Sicherheit, da ihnen ständig wechselnde Packungen erspart bleiben und eine erweiterte phar­mazeutische Betreuung geboten wird.

Auch die gesetzliche Kran­kenversiche­rung würde zu den Gewinnern gehören, da sie z.B. dank verbesserter Adhärenz – früher: Compliance – erhebliche Kosten durch vermiedene Kran­ken­­haus­ein­weisungen sparen könnte. Doch beim Deutschen Apothekertag lehnte GKV- Vize Johann Magnus Freiherr von Stackel­berg eine bundesweite Umsetzung des Konzepts kategorisch ab – offen­sichtlich wollen die Kassen ihren durch die Rabatt­verträge gewonnenen Einfluss auf die Arz­neimitteltherapie nicht mehr verlieren.

Bleiben Ärzte und Apotheker sich wei­ter­hin einig, so dürften die Chancen den­noch nicht schlecht stehen, dass sie ihr Ziel er­reichen. Denn gemeinsam sollten sie die Politik davon überzeugen können, wo die Verantwortung für die Arzneimittel­therapie hin­gehört: in die Hände der Heil­berufler – und nicht in den Einflussbereich der nach Allmacht gierenden Kassen.

Deutscher Apotheker Verlag
AWA -Redaktion

Dr. Christine Ahlheim M.A.

Apothekerin

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(20):2-2