Prof. Dr. Reinhard Herzog
Die Wirtschaftskrise hat sich auch an den internationalen Devisenmärkten bemerkbar gemacht: US-Dollar und Euro standen in den vergangenen beiden Jahren tendenziell unter Druck, hingegen konnten die Währungen mancher anderer Regionen oft deutlich zulegen. Anleger, die Anfang 2009 z.B. den kanadischen Dollar gewählt hatten, erzielten allein über die Wechselkursveränderung zeitweise über 30% Kursgewinn, mit dem australischen Dollar konnten mehr als 50% verdient werden und selbst der als eher behäbig geltende Schweizer Franken brachte es in der Spitze auf ein Plus von rund 20%. Auch in den kommenden Jahren wird mit vergleichsweise starken Schwankungen gerechnet – abhängig von den konjunkturellen Entwicklungen in den jeweiligen Volkswirtschaften und dem Verhalten der Spekulanten.
Allerdings ist es nicht einfach, bestehende Kurschancen zu nutzen. Während die Anlage in ausländischem Bargeld allein schon aus Kostengründen ausscheidet, sind Fremdwährungskonten deutscher Banken eine vielfach gewählte Möglichkeit. Sie werden ähnlich geführt wie Euro-Tagesgeldkonten, d.h., das Geld ist täglich verfügbar und wird grundsätzlich marktgerecht verzinst. Da allerdings auch in vielen anderen Ländern eine „Zins-Baisse“ herrscht, liegt dieser „marktgerechte Zins“ nicht selten bei 0%, d.h., es geht allein um Wechselkursveränderungen.
Anleihen als Langfristanlage
Interessanter sind daher festverzinsliche Wertpapiere, die z.B. auch von deutschen Banken und Unternehmen in fremder Währung aufgelegt werden. Hier erzielt der Anleger einerseits einen festen Zins, andererseits profitiert er gegebenenfalls von Kursgewinnen der Fremdwährung gegenüber dem Euro. Nicht zuletzt kann es auch zu Kursveränderungen kommen, sofern sich das allgemeine Zinsniveau der Anlagewährung ändert: Steigende Zinsen haben fallende Kurse zur Folge und umgekehrt. Entsprechende Anlagen sollten da-her in erster Linie langfristig gesehen werden, denn schließlich sind auch die Risiken nicht zu unterschätzen.
Möglichkeiten für erfahrene Anleger
Wem es allein um Wechselkursveränderungen geht, wird auch bei Optionsscheinen sowie Termingeschäften fündig. Hier werden alle gängigen Weltwährungen gehandelt, zudem kann sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse gesetzt werden. Nicht zuletzt bieten diese Anlagen eine Hebelwirkung, d.h., schon mit kleinen Anlagesummen können erhebliche Fremdwährungsbeträge „bewegt“ werden. Nachteil: Entsprechende Transaktionen erfordern einiges an Erfahrung, denn die Produkte sind vielfach alles andere als transparent, zudem bestehen hohe Risiken.
Noch recht neu im Fremdwährungsgeschäft sind die „Währungs-ETNs“ (ETNs = Exchange Traded Notes), mit denen Anleger direkt an der Wertentwicklung von Währungsindizes und damit letztlich von Währungen partizipieren können. Angeboten werden die börsennotierten Papiere z.B. auf den australischen und den neuseeländischen Dollar, aber auch auf den chinesischen Renminbi oder die indische Rupie. Von jedem Produkt gibt es überdies zwei Varianten: Mit der „Long-Variante“ können Anleger auf steigende Kurse setzen, mit der „Short-Variante“ auf sinkende Notierungen. Damit eignen sich ETNs auch zur Absicherung bestehender Fremdwährungsanlagen, deren Kurse stark gestiegen sind.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2010; 35(23):15-15