Prof. Dr. Reinhard Herzog
In den abendlichen Fernsehnachrichten ist ein Lichtblick immer wieder erkennbar: Der deutschen Wirtschaft geht es gut, manche Branchen sprechen gar von einem wahren Boom. Doch das Umfeld stimmt alles andere als zuversichtlich. In Europa versinkt ein Land nach dem anderen im Schuldenstrudel und kann nur durch den Rettungsschirm der Staatengemeinschaft aufgefangen werden. Milliardenbeträge verschwinden in Haushalten, bei Banken und einzelnen Unternehmen – eine Besserung scheint in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Entsprechend verliert der Euro gegenüber starken Währungen ständig an Boden: Schweizer Franken, australischer Dollar oder japanischer Yen konnten gegenüber der europäischen Währung in den vergangenen Monaten bis zu 40% zulegen.
Lediglich der US-Dollar notiert auf vergleichsweise konstantem Niveau. Doch dies verwundert nicht. In den USA hängt die Wirtschaft am Tropf der Notenbank, die mit immer neuen Geldern den Konjunkturmotor zum Laufen bringen will. Der Erfolg ist mäßig, die Verschuldung steigt indes sprunghaft. Das Vertrauen in den Dollar als „Weltwährung Nummer eins“ schwindet ebenso wie die Zuversicht, der Euro werde sich zu einer sinnvollen und vor allem wertstabilen Währung entwickeln. Im Gegenteil: Immer wieder wird über die Zukunft des Euro diskutiert, über den „geordneten Staatsbankrott“ und die Wiedereinführung der Deutschen Mark. Gerade bei deutschen Anlegern, durch zwei Geldentwertungen in den letzten 100 Jahren mehr als leidgeprüft, weckt dies unbewusste Ängste und die Frage nach Anlagealternativen.
Sicherheit kostet Prozente
Und in der Tat sind in solchen Wirtschaftsszenarien auch besondere Verhaltensweisen erforderlich. Dies beginnt bei der Frage nach der Sicherheit. Deutsche Sparer konzentrieren sich seit nunmehr zwei Jahren in erster Linie auf extrem konservative Produkte. Favoriten sind insbesondere Tages- und Festgelder bei Banken und Sparkassen. Die Folge der enormen Mittelzuflüsse: Die Zinsen sind so niedrig, dass sie – insbesondere nach Abzug der Abgeltungssteuer – nicht einmal mehr die aktuelle Geldentwertungsrate ausgleichen können. Und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren wohl noch deutlich verstärken. Denn die Inflationsrate dürfte bereits 2011 erheblich anziehen, bedingt u.a. durch die boomende deutsche Konjunktur, durch steigende Rohstoffpreise und nicht zuletzt durch die hohen Lohnforderungen von Seiten der Arbeitnehmer. Bringt dann jedoch ein Tagesgeldkonto nach Steuern z.B. nur 0,75%, während die Geldentwertungsrate bei 3,0% liegt, verliert der Anleger jedes Jahr mehr als zwei Prozent seines Vermögens. Setzt sich diese Entwicklung in den kommenden zehn Jahren unverändert fort, schrumpft die Kaufkraft einer heutigen Anlage von 100.000 € auf unter 80.000 €. Tages- und Festgelder sollten daher heute nur noch als kurzzeitiger „Parkplatz“ für freie Gelder sowie als Liquiditätsreserve gesehen werden.
Kritisch zu betrachten sind aber auch deutsche Staatsanleihen, die bei Anlegern derzeit ebenfalls sehr hoch im Kurs stehen. Hier hat der „Run“ auch dazu geführt, dass die Renditen extrem niedrig sind, andererseits bieten sie ein Höchstmaß an Sicherheit. Die Konsequenz: Deutsche Staatspapiere sollten zwar nicht ganz vernachlässigt werden, allerdings sollte sich der Anteil am Gesamtdepot in überschaubaren Grenzen halten. Im Übrigen muss sich jeder Anleger bewusst sein, dass auch der deutsche Staatshaushalt unter der Schuldenkrise leidet. Sollte z.B. die deutsche Konjunktur in den kommenden Monaten an Fahrt verlieren und die Steuereinnahmen des Staates stark zurückgehen, könnten eines Tages auch deutsche Staatspapiere unter Druck geraten.
Alternativ bieten sich daher z.B. Schuldverschreibungen der Banken an. Sie sind zwar nicht – wie etwa Spareinlagen – durch ein Einlagensicherungssystem geschützt, dennoch ist es extrem unwahrscheinlich, dass eine bedeutende deutsche Bank ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Aktuell lassen sich mit entsprechenden Schuldverschreibungen gegenüber Staatspapieren durchaus Mehrerträge zwischen 0,3% und 1,0% erzielen. Zudem erfolgt der Handel oftmals außerbörslich in Form eines Direktgeschäfts, was erhebliche Kosten spart.
Deutlich höhere Renditen lassen sich im Anleihebereich mit Unternehmenspapieren erzielen. Ob BMW, Deutsche Telekom oder Toyota – alle haben bereits Schuldverschreibungen am Euro-Markt aufgelegt, deren Renditen heute durchaus einen Inflationsausgleich bieten. Dabei gilt: Je größer das – vermeintliche – Risiko, umso höher ist die Rendite. Da es sehr unwahrscheinlich ist, dass z.B. die Deutsche Telekom ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, bringen deren Anleihen nur einen vergleichsweise geringen Mehrertrag gegenüber Staatspapieren. Wer jedoch beispielsweise die Anleihen der großen Automobilbauer oder von Stahlkonzernen wählt, kann heute bereits wieder mit mehr als 4% Rendite rechnen. Auch international wenig bekannte Kleinunternehmen zahlen oft hohe Erträge. Solange hier von einer soliden Bonität auszugehen ist, stellen entsprechende Papiere eine interessante Depotbeimischung dar.
Aktien mit hoher Rendite
Erheblich ausbauen sollten Anleger ihr Engagement in Aktien. Dividendenrenditen von deutlich über 5% sind keine Seltenheit, auch die fundamentalen Kennzahlen sind solide. Im Übrigen spielt die Schuldenkrise der Staaten für international orientierte Unternehmen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Neben deutschen Standardwerten sollten auch europäische Spitzentitel in jedem Depot vertreten sein. Gerade die aktuellen Krisenszenarien erfordern jetzt auch ein globales Denken. Länder wie China, Brasilien oder Australien erfreuen sich einer recht soliden Konjunkturentwicklung – allenfalls zeitweilig getrübt durch Überhitzungserscheinungen. Auch private Anleger sind gut beraten, einen Teil ihres Kapitals – je nach Risikomentalität 5% bis 20% – in Papieren aus diesen Regionen anzulegen. Da die Einzeltitelauswahl schwierig ist, kommen insbesondere Zertifi- kate und Fonds in Betracht, die eine entsprechende Bündelung vornehmen.
Fremdwährungsanlagen: stetige Kontrolle
Gerade für Euro-Skeptiker müssen Fremdwährungen eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Das Problem dabei: Viele Devisen haben in den vergangenen Monaten bereits so hohe Kursgewinne erzielt, dass der Einstieg zunehmend riskant erscheint. Und dennoch: Wer den Euro in Gefahr sieht, muss sein Depot mit Papieren etwa in Schweizer Franken, dem australischen oder neuseeländischen Dollar sowie der norwegischen oder schwedischen Krone anreichern. Selbst der US-Dollar sollte nicht fehlen. Hier ist es besonders wichtig, das Engagement laufend zu beobachten: Zeichnet sich beim Euro eine Entspannung ab bzw. droht ein Einbruch bei den gewählten Fremdwährungen, sind Engagements schnell umzuschichten.
Als letzter Bestandteil eines auf die aktuellen Gegebenheiten ausgerichteten Depots sollten schließlich Rohstoffe dienen. Dabei stellen Gold und die anderen Edelmetalle einen Schwerpunkt dar, aber auch Rohöl und ggf. Agrarprodukte. Zum Investment bieten sich insbesondere Exchange Traded Commodities (ETCs) an, mit denen der Anleger nahezu jedes Rohstoff-Investment ausgestalten kann, oder Fonds, die – wenn auch mit höheren Kosten – eine breite Streuung und oft ein solides Management erwarten lassen.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(04):14-14