Energiekosten

Unterschätzte Einsparpotenziale


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Ölpreise bei 100 Dollar je Barrel, Benzinpreise auf Höchstständen, erheblich steigende Strompreise: Die Energiekosten sind längst keine „Nebensache“ mehr! Welche Einsparpotenziale lassen sich in der Apotheke mit vertretbarem Aufwand realisieren?

Der Energiebedarf einer modernen Apotheke wird häufig unterschätzt. Gerade Betriebe auf großen Flächen, hell ausgeleuchtet, mit gut ausgebau­ter EDV, vielen Werbe-Flachbildschirmen und vielleicht noch einem Kommissionier­automaten haben allein schon einen elektrischen Leistungsbedarf von oft deutlich über 10 Kilowatt. Die Klimatisierung (Heizung sowie die heute vielfach ebenfalls vorhandenen Kühlaggregate) steht ebenfalls auf der Liste der „Energiefresser“ weit oben. Alles in allem schlagen die Energiekosten mit jährlich hoch vierstelligen, bisweilen sogar deutlich fünfstelligen Be­trägen zu Buche.

Schon eine Einsparung von 10% oder 20% verspricht eine erkleckliche Summe, vor allem, wenn man die Langzeitwirkung betrachtet. Den Umwelteffekt gibt es obenauf. Möglicherweise wird schon bald ein Label wie „Unsere Apotheke arbeitet energieoptimiert und weitgehend CO 2 -neutral“ eine werbewirksame Botschaft entfalten.

Energiebedarfsanalyse

Wo geht die ganze Energie hin? Die meiste Energie wird typischerweise in der Apotheke aufgewendet für

  • die Klimatisierung (Heizung/Lüftung und heute im­mer häufiger Kühlung),
  • die Beleuchtung,
  • die EDV und
  • größere Spezialgeräte wie einen Kommissionierau­to­maten, Reinräume einschließlich Sterilwerkbänken u.a. Deren Verbrauchsdaten haben allerdings nur informellen Wert, denn hieran können Sie kaum etwas ändern.

Im Privathaus hingegen verblasst die Beleuchtung meist, stattdessen sind hier neben der dominierenden Raumheizung zusätzlich das Warmwasser sowie die verschiedensten Gerätschaften (von der inflationär zunehmenden Unterhaltungselektronik bis hin zum Geschirrspüler und Kochherd) die üblichen Energiefresser.

Eine Energiebedarfsanalyse hilft weiter. Dazu nehmen Sie zum einen Ihre Heizkosten­abrechnungen zur Hand, zum anderen gilt der Blick dem Stromverbrauch. Für wenig Geld gibt es heute Leistungsmessgeräte; sie werden zwischen Stromverbraucher und Steckdose geschaltet und können den Energieverbrauch auch längerfristig erfassen. So kommen Sie schnell dem realen Verbrauch einzelner Kom­ponenten auf die Spur. Die Typenschilder der Geräte geben ebenfalls Aufschluss, genauso wie die Wattzahlangaben auf Netzteilen.

Heizung und Kühlung

In Bezug auf die Klimatisierung lassen sich Ladenlokale kaum mit Privatwohnungen ver­gleichen. Während es bereits Wohnhäuser in Passiv- oder gar Plusenergiebauweise gibt, verhageln in erster Linie ausladende Schaufenster, die sich ständig öffnende Ladentür (bisweilen steht sie ja ganz offen) sowie sonstiger „Durchgangsverkehr“ in der Apotheke eine günstigere Ener­giebilanz. Dennoch gibt es viel Raum zur Optimierung im täglichen Betrieb:

  • Durch die zahlreichen elektrischen Verbraucher und die Personen findet ein beträchtlicher Wärmeeintrag statt – die Apotheke heizt sich von selbst auf und muss oft nur wenig aktiv geheizt werden. Im Winter lohnt es daher, morgens eher kühl zu starten, die Temperatur erhöht sich rasch auch ohne aktives Zuheizen. Eine deutliche Nachtabsenkung der Heizung ist zu empfehlen.
  • Im Sommer sollte der Wärmeeintrag begrenzt werden (muss die Beleuchtung im hellen Sonnenlicht genauso laufen wie an dunklen Tagen?). Durch geschicktes morgendliches Lüften wird die Temperatur kosten­günstig abgesenkt. Aktives Kühlen mit Klimageräten ist sehr energieaufwendig; an heißen Tagen können über 100 kWh zusammenkommen, bei rund 20 Cent je kWh sind dies 20 € und mehr. Überlegen Sie also, wo und wie lange Sie kühlen. Ein oder zwei Grad Temperaturunterschied machen bereits sehr viel aus; das „ameri­kanische Kühlen“ auf fast eisige Ladentemperaturen ist Energievergeudung schlecht­hin (und erkältungs­trächtig oben­drein). Eine Differenz von maximal 5 bis 6 Grad zur Außentemperatur reicht im Allgemeinen völlig aus und wird als angenehm empfunden.
  • Inwieweit eine bauliche energetische Sanierung (Dämmung, Fenster) sinnvoll ist, auch unter dem Aspekt möglicher Fördermaßnahmen, kann nur im Einzelfall entschieden werden. Viele Effekte besserer Dämmung verflüchtigen sich quasi durch die Ladentür. Die Schaufenster sind jedoch ohne Frage ein sehr wichtiger Punkt bei jeder energetischen Betrachtung.

Kostenfalle Beleuchtung

Die Beleuchtung erfordert meist etliche Kilowatt Leistung, in größeren Apotheken teilweise über 10 kW. Haben Sie noch Ihren Beleuchtungsplan, dann finden Sie dort den Leistungsbedarf. Ansonsten addieren Sie die Leistungen der einzelnen Leuchtkörper.

Basis für die jährliche Stromverbrauchskalkulation ist die Jahresöffnungszeit in Stunden, erhöht um etwa 10% für die Randzeiten vor und nach regulärer Ladenöffnung. Wer von 8 bis 20 Uhr an 6 Tagen die Woche geöffnet hat, kommt so auf gut 4.000 Jahresstunden. Beispiel: 7,5 kW Beleuchtungsleistung stehen für 30.000 kWh bzw. 6.000 € jährlich. Schon ei­ne 20%ige Ersparnis bedeutet 1.200 € weniger, d.h. 100 € im Monat – immerhin! In einer kleinen Offizin mit kürzeren Öffnungszeiten liegt der Strom­verbrauch niedriger, aber einige tausend Euro kommen auch hier schnell zusammen.

Nebenbei: Bei den heutigen Leuchtkörpern werden, je nach Leuchtprinzip, bis über 90% der genannten Leistung als Wärme in den Raum abgegeben. Das können somit etliche Kilowatt sein, die Leistung mehrerer Heizkörper. Im Sommer muss diese Wärmelast dann wieder aufwendig per Klimagerät abgeführt werden – Sie zahlen also doppelt. Auch aus diesem Grund ist eine energieeffiziente Beleuchtung sinnvoll. Im Winter sparen die Halogenstrahler wenigstens etwas Heizung ein...

Auf Seiten der Technik steht die LED-Technik (Hochleistungs-Leuchtdioden) vor dem Durchbruch. In Bezug auf den Energieverbrauch liegen moderne LED etwa auf dem Niveau guter Energiesparlampen oder etwas darunter. Um wirklich Energie zu sparen, lautet die Aufgabe also: „Ha­lo­genstrahler bzw. Glühlampen gegen LED oder Energiesparlampen austauschen.“ Ener­gie­sparlampen (ESL, Leuchtstoffkörper) durch LED zu ersetzen, ist zumindest aus Sicht der Stromersparnis absehbar nicht sinnvoll. Für LED sprechen dagegen die sofort nach Einschalten vorhandene Helligkeit, die meist höhere Lebensdauer und die größeren Variationsmöglichkeiten bei der Farbgebung.

Täglich wächst das Angebot an zunehmend praxistauglichen LED-Leuchtmitteln und die Preise beginnen deutlich zu sinken. In ein oder zwei Jahren dürfte das Preisniveau ganz erheblich tiefer liegen, bei besseren Leistungen. Wer jetzt investiert, gehört zu den Pionieren und leistet über die hohen Preise noch quasi Entwicklungshilfe. Was Sie aber in jedem Fall beachten sollten: Der Markt wird zunehmend unübersichtlich. Man kann schnell auf qualitativ minderwertige (aber gar nicht unbedingt billigere) Produkte hereinfallen, die bei Weitem nicht die erwartete Leistung und Lebensdauer erbringen. Mit Mar­kenprodukten liegt man meist auf der teuren, aber sichereren Seite. Doch auch hier gilt: Probieren Sie erst einmal aus! Bestellen Sie Ein­zel­exemplare in verschiede­nen Leistungsstufen und schauen Sie in der Praxis, inwieweit die­se neuen Lampen bestehende Lösungen ersetzen können.

Im Übrigen gilt nach wie vor: Die guten, langen, geraden Leuchtstoffröhren gehören zu den effizientesten Leuchtkörpern – und sind auch effizienter als kleine Energie­sparlampen. Für die Grund­beleuchtung sind sie daher immer noch gut geeignet.

EDV mit Energiehunger

Über 55 Milliarden kWh (gut 10% des Gesamtverbrauchs) werden in Deutschland allein für EDV und Kommunikation aufgewendet. Im Privatbereich sind ständig laufende PCs für lange Gesichter beim Betrachten der Stromrechnung mit ursächlich.

In der Apotheke verschlingt eine typische EDV-Anlage 1 bis 2 kW, je nach Zahl der Plätze und Ausstattung auch mehr. Damit rangiert sie meist deutlich hinter der Beleuchtung. Trotzdem: Ein Notebook kommt mit 40 bis 75 Watt aus, ein „großer“ Desktop-Rechner mittlerer Leistung braucht inklusive Flachbildschirm 200 bis 300 Watt, ein multimedia­taugliches Gerät mit leistungsstarken Multikern-Prozesso­ren, aufwendiger Grafikkarte und großem Bildschirm kann ohne Weiteres das Doppelte benötigen. Bei Rechnern bestimmen in erster Linie die Rechen- und Grafikprozessoren den Stromverbrauch, daneben der Bildschirm (alte Röhrenbildschirme sollten allein deshalb „out“ sein).

Für die Apotheke ist aber in aller Regel weder eine extreme Rechenleistung nötig noch herausragende Multi­mediafähigkeit, sondern eher ein gut ausgebauter, schneller Arbeits- und Festplattenspeicher. An den Kassenplätzen sind sogar die viel sparsameren Notebooks erwägenswert. Zwar lohnt das sofortige Ausrangieren eines Rechners aus rein energeti­schen Gründen nicht unbedingt; bei z.B. 4.000 Betriebsstunden im Jahr (Center-, Lauflagenapotheke) benötigt ein 300-Watt-Gerät aber immerhin Strom im Gegenwert von rund 240 € (1 kWh = 20 Cent). Der Ersatz durch ein Notebook spart davon etwa 75% ein, das sind jährlich immerhin 180 €. Zumindest, wenn sowieso eine (vielleicht nach diesen Rechnungen etwas vorgezogene) Modernisierung ansteht, sollten Sie diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit widmen.

An dieser Stelle sei auf den teilweise beträchtlichen Stand­by-Verbrauch hingewiesen, den sowohl Rechner und Bildschirme als auch die zahlrei­chen Netzteile haben. Alles, was warm wird, verbraucht offenkundig Energie – selbst im Ruhezustand. Sofern möglich, sollten die Geräte per Stecker­leiste oder zentraler Schaltung vom Netz getrennt werden. Das ist übrigens auch praktizierter Brandschutz – durchgebrannte Netzteile, die dauernd am Netz hängen, gehören heute zu den häufige-ren Brandursachen!

Manche Geräte benötigen hin­gegen einen ständigen Stromanschluss, um diverse Einstellungen zu erhalten oder aber schlicht für ihre Betriebs­bereitschaft, wie die gesamte Telekommunikation.

Überlegen Sie an dieser Stelle zudem, ob Werbemittel wie Bildschirm-Dauerberieselung, Licht­spiele, allerlei Projektionstechniken usw. wirklich 24 Stunden in Betrieb sein müssen. Eine Zeitschaltuhr amortisiert sich hier sehr schnell...

Fazit

Zwar müssen Sie schon etwas genauer hinschauen, aber der Adlerblick auf die Energie­kosten kann sich vor allem langfristig lohnen. Das gilt insbesondere für große Betriebe mit hohem Beleuchtungs- und EDV-Aufwand. Vierstellige Ersparnisse Jahr für Jahr sind hier durchaus realistisch. Dabei amortisieren sich viele Investitionen, vor allem im Bereich der Beleuchtung, durch die Energieeinsparung und die oftmals wesentlich höhere Lebensdauer sogar um ein Mehrfaches.

Dr. Reinhard Herzog,
Apotheker, 72076 Tübingen,
E-Mail: Heilpharm.andmore@t-online.de

Weitere interessante Informatio­nen zum Thema Energiesparen finden Sie unter

www.elektronikinfo.de

www.bmu.de/energieeffizienz

www.energiefoerderung.info

Checkliste

Ein Excel-Rechenblatt zur Berech­nung der Energiekosten finden Sie hier.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(04):5-5