Prof. Dr. Reinhard Herzog
Schnelligkeit spielte früher an der Börse keine große Rolle. Wer Aktien kaufen wollte, rief seinen Berater an und die Order wurde per Telex an die Maklerabteilung übermittelt. Spätestens um 11 Uhr war Annahmeschluss, alle danach eingehenden Aufträge wurden für den nächsten Tag disponiert. Die Abrechnung kam dann per Post zuerst an die Bankfiliale, die sie mit den Kontoauszügen dem Kunden übermittelte. Das gleiche Prozedere erforderte der Verkauf, sodass es letztlich kaum möglich war, auf Kursveränderungen schnell zu reagieren. Sollte gar an ausländischen Börsen gehandelt werden, konnten zwischen Auftragserteilung und Abrechnung durchaus ein bis zwei Wochen vergehen; während des Börsenkrachs 1987 warteten Anleger manchmal sogar zwei Monate auf die Bestätigung.
Aktienkauf in Sekunden
Heute hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Über 80 % der Aktienkäufer erteilen ihre Order selbst online am Computer, die Ausführung erfolgt in Sekundenbruchteilen, und bei zahlreichen Banken weiß der Anleger innerhalb weniger Minuten, wie viel er insgesamt bezahlen muss. Mehrfache Käufe und Verkäufe während eines einzigen Börsentags sind kein Problem mehr und manche Anleger versuchen sich sogar als „Day-Trader“, die selbst kleinste Kursveränderungen zu ihrem Vorteil nutzen. Aber selbst wenn die Ordererteilung noch mit persönlicher oder telefonischer Unterstützung des Bankberaters erfolgt, wird die Ausführung binnen Minuten bestätigt.
Während Aufträge früher jedoch weitgehend automatisch an die nächstgelegene Börse weitergeleitet wurden, hat der Anleger heute die Wahl: Er kann sie im elektronischen Handelssystem Xetra platzieren oder an eine der verbliebenen Präsenzbörsen geben. Zunehmend an Bedeutung gewinnt daneben der von immer mehr Banken und Sparkassen, insbesondere aber Onlinebrokern angebotene „außerbörsliche Handel“, also die Direktabwicklung der Transaktion unter Ausschluss einer reglementierten Börse. Alle verfügbaren Möglichkeiten werden in der Regel bereits bei der Auftragserteilung angezeigt und der Anleger erfährt auf einen Blick, welche Preise für welche Stückzahlen an den verschiedenen Aktienmärkten verlangt bzw. bezahlt werden.
Alle drei Varianten bieten Vor-, aber auch Nachteile. So ist der Xetra-Handel bei liquiden Papieren, also insbesondere deutschen Standardaktien, besonders schnell und – da vollelektronisch – auch besonders preiswert. Allerdings stehen sich hier Kauf- und Verkaufsaufträge direkt gegenüber. Möchte nun ein Anleger z.B. 100 XY-Aktien kaufen und werden im Xetra-System nur geringere Stückzahlen angeboten, kann es möglicherweise zu Teilausführungen kommen. Der Anleger erhält dann also z.B. drei Abrechnungen über 60, 22 und 18 Stück. Und oftmals berechnen die Banken dafür auch dreimal die Mindestspesen, was sich insbesondere bei geringen Ordervolumina schmerzlich niederschlägt.
Makler oft günstig für Privatanleger
Günstiger sind hier die Präsenzbörsen, die in der Regel zwar auch elektronisch, aber mit Maklerunterstützung laufen. Die Aufteilung einer Order wird dabei in der Regel vermieden, dafür fällt meist jedoch die Maklergebühr an. Diese ist mit 0,04 % bis 0,08 % der Kaufsumme vergleichsweise gering, allerdings berechnen Banken und Sparkassen oft Mindestsätze, die bei kleinen Aufträgen zum Tragen kommen. Dennoch stellen insbesondere die auf Privatanleger spezialisierten Börsen Stuttgart und München eine sinnvolle Alternative zum Xetra-Handel dar, wobei Best-Price-Garantien sicherstellen, dass die Wertpapiere zum günstigst verfügbaren Preis gekauft bzw. zum höchstmöglich erzielbaren Preis verkauft werden. Auch bei weniger stark gehandelten Titeln sind diese beiden Börsen oft die beste Lösung, da die Makler selbst bei momentan nicht verfügbaren Papieren bemüht sind, die Aufträge auszuführen.
Grundsätzlich sind Stuttgart und München auch bei Anleihen und anderen Finanzprodukten faire Partner. Will man allerdings in Fremdwährungspapiere eher exotischer Länder investieren, sollte man auch einen Blick auf weitere Börsenplätze werfen. Hier sind insbesondere Berlin und Düsseldorf zu nennen, die sich mit diesen Titeln einen Nischenmarkt gesichert haben. Bei Investmentfonds hat sich indes Hamburg mittlerweile etabliert, wobei man allerdings auch bei den süddeutschen Handelsplätzen bemüht ist, entsprechende Angebote zu machen. Letztlich sollte also der im System genannte Preis darüber entscheiden, welchen Markt man bevorzugt.
Außerbörslich kann auch teurer sein
Bietet die Hausbank auch den außerbörslichen Handel an, werden direkt in der Ordermaske hierfür verbindliche Kurse angezeigt, zu denen das Wertpapier gekauft bzw. verkauft werden kann. Da dabei wesentlich geringere Spesen anfallen als beim Börsenhandel, ist diese Variante immer dann die erste Wahl, wenn der Kurs allenfalls minimal über den entsprechenden Preisangaben von Xetra oder den Präsenzbörsen liegt.
Wichtig jedoch: Im außerbörslichen Handel gelten die Kurse stets nur für eine festgelegte Menge des entsprechenden Papiers. Wer mehr kaufen bzw. verkaufen will, muss entweder darauf vertrauen, dass seine Hausbank auch größere Stückzahlen zu diesem Preis abwickelt, oder direkt einen anderen Handelsplatz mit ausreichender Auftragslage wählen. Aber auch wenn der Preis zu stark vom aktuellen Börsenkurs abweicht, sollte man einem anderen Markt den Vorzug geben.
Ein weiteres Problem sind schließlich ausländische Papiere. In der heutigen „elektronischen“ Zeit spielt es zwar keine Rolle, ob die Order nun in Stuttgart oder in Mexiko platziert wird, jedoch fallen bei Auslandsaufträgen oft ganz erhebliche Zusatzkosten an. Darüber hinaus müssen teure Währungstransaktionen vorgenommen werden. Hier sollten Anleger also zunächst prüfen, ob das gewünschte Papier auch in Deutschland gehandelt wird. Ist dies der Fall, sind wiederum speziell Stuttgart oder München erste Wahl; beide richten ihre Kursangaben nach den Preisen im Heimatland des jeweiligen Wertpapiers aus. Da die Börsennotierung bei den meisten Aktien aus dem Nicht-Euro-Raum regelmäßig in Euro erfolgt, entfällt im Übrigen auch die Währungsumrechnung. Erforderlich ist sie hingegen bei festverzinslichen Wertpapieren, wobei der Handelsplatz allerdings keine Rolle spielt.
Originalaktien bieten größere Sicherheit
Bei ausländischen Aktien kann schließlich ein Blick auf die Aktiengattung lohnen. Viele Papiere werden in Deutschland quasi in ihrer „Ursprungsform“ angeboten, wie sie auch im jeweiligen Heimatland gehandelt werden. Dies hat den Vorteil, dass sie – zumindest grundsätzlich – auch an ihrer Heimatbörse verkauft werden können, was z.B. in Krisenzeiten möglicherweise Bedeutung erlangt. Daneben werden von zahlreichen Titeln deutsche Zertifikate oder sogenannte ADRs (American Depositary Receipts) angeboten. Dabei handelt es sich quasi um „Hinterlegungsquittungen“ für den jeweiligen Basiswert, die speziell für ausländische Märkte konzipiert wurden. Sie gelten zwar ebenfalls als weitgehend sicher, allerdings hat es der Anleger letztlich mit einer zwischengeschalteten Depotstelle zu tun – mit allen damit verbundenen Risiken. Günstiger ist daher in der Regel der Kauf des Originalpapiers, lediglich in bestimmten Ausnahmefällen – etwa bei wenig gehandelten japanischen Aktien – sollte auf die Zertifikat-Variante zurückgegriffen werden.
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(05):14-14