Investmentfonds 2010

Schwache Langfristzahlen, solide Kurzzeitergebnisse


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Zum Jahreswechsel 2010/2011 knallten bei vielen deutschen Fondsgesellschaften die Champagnerkorken. Das verwaltete Vermögen hatte ein Rekordvolumen von 1.829,6 Mrd. € erreicht. Verbessert haben sich ebenfalls die Ergebniszahlen, wenn auch längst nicht bei allen Fonds.

In den USA ist die Investmentbranche knallhart: Fonds, die mit dem Markt nicht regelmäßig mithalten können, verlieren schnell Marktanteile, während sich erfolgreiche Fonds hoher Zuwachsraten erfreuen. Anders in Deutschland: Da Banken und Sparkassen überwiegend die Anteile der haus­eigenen Fondsgesellschaft vertreiben, bleiben Anlegern kaum Wahlmöglichkeiten. Entsprechend werden Fonds­an­lagen selten umgeschichtet, selbst wenn die Performance zu wünschen übrig lässt.

Allerdings hat sich auch die deutsche Fondslandschaft in den vergangenen Jahren verändert: Während private Anleger meist die Produkte kaufen, die ihnen vom Bankberater empfohlen werden, sind institutionelle Anleger kritischer geworden. Nicht nur Veränderungen der Marktlage führen zu schnellen Umschichtungen, auch Fonds mit unterdurchschnittlicher Performance haben bei den Profi-An­legern einen schweren Stand.

Gerade das Börsenjahr 2010 hat gezeigt, dass auch deutsche Fondsmanager durchaus in der Lage sind, solide Wertentwicklungen zu erreichen. So weist der Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) in seiner Jahresstatistik 2010 für Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt in Deutschland ein solides Plus von 17,1 % aus – mithin den nahezu gleichen Wert wie der DAX. Nicht ganz so zufriedenstellend sind jedoch die längerfristigen Zahlen: In den letzten fünf Jahren erreichten Deutschland-Aktienfonds nur einen Zu­wachs von 21,6 % (DAX: 27 %), in zehn Jahren 9,5 % (DAX: 8,1 %) und in 20 Jahren 303,6 % (DAX: 411 %). Gerade bei den Langzeitergebnissen zeigt sich, dass der Ausgabeaufschlag von meist 5,0 % erheblich an der Performance zehrt – und dies umso mehr, je länger der Betrachtungszeitraum ist.

Gewinne mit Osteuropa und Emerging Markets

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den international engagierten Investmentfonds. Hier lag die Jahresperformance zwischen 10,6 % (Schwerpunkt: Europa) und 25,8 % (Schwerpunkt: Osteuro­pa). Während jedoch im Fünf-Jahres-Rückblick die Eu­ropa-Fonds ebenso wie die weltweit ausgerichteten Produkte kaum positive Zahlen ausweisen konnten, war mit Osteuropa- und Emerging-Market-Fonds gut zu verdienen: Immerhin 22,7 % bzw. 46,6 % Wertzuwachs ließen sich in fünf Jahren realisieren, in zehn Jahren waren es 248,5 % bzw. 115,4 %. Und damit wurden sogar die einschlägigen Indizes übertroffen.

Zumindest stabile Zuwachsraten erzielten Anleger im vergangenen Jahr auch mit Rentenfonds. Nach der Statistik des BVI lag hier der Wertzuwachs bei Euro-Anteilen je nach Laufzeit des Fonds-Portefeuilles zwischen 1,0 % und 5,6 %, bei international anlegenden Fonds aufgrund der Kursgewinne vieler Fremdwährungen gegenüber dem Euro zwischen 4,1 % und 10,9 %. In den längerfristigen Vergleichen lagen die Jahresrenditen meist im Bereich von 2,5 % – mithin im Vergleich zu entsprechenden Direktanlagen deutlich niedriger. Der Grund für dieses schwache Abschneiden liegt weniger am Unvermögen der Fondsmanager, sondern eher an den anfallenden Kosten: Bei meist 3,0 % Ausgabeaufschlag und jährlichen Verwaltungs- und Transaktionskosten von oftmals mehr als 1,2 % bleibt von einer Marktrendite von durchschnittlich 4,0 % nicht mehr viel übrig. Gerade bei rentenorientierten Anlagen sollte jeder Sparer daher überlegen, sich selbst ein Portefeuille mit solider Mischung unterschiedlicher Laufzeiten und Bonitäten aufzubauen.

Mischfonds stark nachgefragt

Zumindest bei den Absatzzahlen besonders erfolgreich waren im vergangenen Jahr die Mischfonds, auf die 13,8 Mrd. € des gesamten Netto­mittelzuflusses der Publikumsfonds von insgesamt 19,3 Mrd. € entfielen. Bei den Mischfonds mit Aktienbeto­nung lag der Ein-Jahres-Wertzuwachs mit 10,5 % auf solider Basis. Hingegen erscheint die Performance von 3,5 % bei den rentenbetonten Mischfonds nicht marktgerecht. Wenig zufriedenstellend sind auch die Zahlen für den Fünf- und Zehn-Jahres-Rückblick. Hier gelang es nur rentenbetonten Fonds, das Kapital des Anlegers überhaupt zu erhalten, manche weisen sogar eine negative Wertentwicklung auf.

Dass in Zeiten niedriger Ka­pitalmarktzinsen mit Geldmarktfonds nicht viel zu verdienen ist, hat das Jahr 2010 deutlich gezeigt: Mit gerade einmal 0,6 % durchschnittlicher Rendite liegt der Ertrag sogar unter vergleichbaren Bankangeboten. Zumindest wurden 2010 nur noch selten Verluste ausgewiesen, wie dies 2009 aufgrund allzu gro­ßer Spekulationsfreude mancher Fondsmanager der Fall war. Dass Geldmarktfonds jedoch nach wie vor keine Langfrist-Anlage sind, zeigt der Blick auf die Mehrjahreszahlen: Auch wenn zeitweise wesentlich höhere Geldmarktzinsen gegolten haben, erzielten die Fonds im Durchschnitt nur 2,3 % pro Jahr (10-Jahres-Vergleich) bzw. 3,7 % pro Jahr (20-Jahres-Vergleich).

Nur unzureichend spiegelt der gemeldete Wertzuwachs für 2010 von 2,1 % die Lage bei den offenen Immobilienfonds wider. Denn neben Fonds mit positiver Entwicklung (z.B. SEB Immo-Portfolio Target Return Fund mit +5,3 %) finden sich auch zahlreiche „Ausreißer“. Hierzu zählen etwa der DEGI Europa (–24,1 %), der DEGI International (–15,2 %) und der Morgan Stanley P2 Value (–39,1 %).

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(05):12-12