Selbstmotivation

Das Prinzip Hoffnung


Klaus Hölzel

Angesichts zunehmend geringer Rentabilität und mit Blick auf die Zukunft schwindet bei zahlreichen Apothekenleitern die Hoffnung auf eine stabile geschäftliche Entwicklung. Zuversicht zu fördern ist deshalb gerade jetzt dringend geboten.

Ein scheinbar hoffnungsloser Fall: Die Filiale war mit einem ausgeglichenen Ergebnis kalkuliert, doch nach zwölf Mo­naten kommt ein Minus von 120.000 € heraus – Tendenz leider steigend. Die Filialleiterin war als Hoffnungsträgerin eingestellt worden und entpuppt sich als völlig überforderte Teilzeitkraft. Die Nachrichten aus der Gesundheitspolitik lassen ebenfalls keinen Optimismus aufkommen. Da ist von Rabattnachzahlungen, neuen Wettbewerbern und Pick-up-Stellen die Rede. Das Prinzip Hoffnung erscheint auf den ersten Blick als reine Utopie.

Glaube an eine bessere Zukunft

Ein ähnlicher Fall mit Entlassungen von Mitarbeitern und sinkenden Erträgen wurde für den Inhaber einer Filiale zu der Herausforderung seiner Selbstständigkeit. Er stellte alle Konzeptmerkmale und den Standort auf den Prüfstand und entwickelte gemeinsam mit einem Berater die Strategie einer kleinen, feinen Filiale. Nach drei Jahren erzielte er wieder Gewinne. Die Filial­apo­theke wird nie ein Riesengeschäft werden, sichert aber womöglich eine zweite Rente für den Lebensabend des Inhabers.

Solche Erfahrungen bauen den Apotheker und sein Team, aber auch alle, die es als Partner und Kollegen (räumlich entfernte natürlich) miterlebt haben, richtig auf. Gerade wenn die Gegenwart düster erscheint, will man hören, dass es die Möglichkeit eines besseren Morgens gibt. Wie machtvoll der Glaube an eine bessere Zukunft ist, wissen auch Politiker. In den USA wurde der Slogan von Barack Obama „Yes we can“ zum geflügelten Wort.

Auf eine Besserung zu hoffen, hat also psychologische Wirkungen. Hoffnungsfrohe Menschen sind selbstbewusster, konzentrierter und achtsamer als hoffnungsarme Menschen. Sie leiden zudem weniger unter Ängsten und depressiven Verstimmungen. Im Sport finden sich auf dem Siegertreppchen oft besonders hoffnungsstarke Athleten.

Mehr als Wunsch und Optimismus

Was ist der Kern einer hoffnungsfrohen Haltung? Man kann ihn als emotionalen Treib­satz verstehen, in schwierigen Situationen weiterzumachen, etwas zu riskieren und eben nicht zu resignieren. Das ist mehr, als sich etwas nur zu wünschen. Der Wunsch setzt nicht voraus, dass man tatsächlich Erfüllung erwartet. Man kann sich wünschen, in der Lotterie zu gewinnen, ohne dass man tatsächlich glaubt, das Erwünschte jemals zu erreichen. Insofern kann Wünschen auch einfach eine angenehme Flucht aus der Realität sein. Hoffen dagegen impliziert eine zumindest gewis­se Eintrittswahrscheinlichkeit und hat damit einen größeren Realitätsbezug.

Auch Optimismus ist nur ein Teil der Hoffnung: Der optimistische Filialapotheker glaubt an den Erfolg, meint aber, selbst dafür wenig bis nichts tun zu müssen. „Alles wird gut“ ohne eigene Aktivität – doch wer ernsthaft hofft, packt selbst an.

Schwere Zeiten fördern Pessimismus

Geht man nach Umfragen unter Apothekern oder Ärzten, dann scheint Zuversicht hierzulande Mangelware zu sein. Die Befürchtungen reichen von immer weniger Arbeitsfreude bis zum Verlust des Arbeitsplatzes oder gar der Apotheke. Die täglichen Schreckensnachrichten in den Medien wirken verstärkend wie eine sich selbst erfüllen­de Prophezeiung: Schlechte Nachrichten führen zu Existenz- und Zukunftssorgen – und diese lassen wirtschaftliche Aktivitäten erlahmen.

Hoffnungsschimmer 1: Die Grundeinstellung

Hoffnung kann man ebenso wie andere Gefühle als eine Grundeinstellung zum Leben verstehen. Die grundsätzliche positive Annahme des Inhabers über die Zukunft erleichtert den Einstieg in auftauchende Probleme. „Der Chef wird die Filiale schon so gestalten, dass sie gut läuft“, meinen dann auch die Mitarbeiter. Das Team lässt sich die positive Sicht nicht nehmen und interpretiert Probleme als Herausforderun­gen, an denen es wachsen kann. Dadurch ist das Team auch in der Lage, sich schnell an neue Gegebenheiten an­zupassen. Die Hoffnung, dass sich in Zukunft eine erwünsch­te Situation einstellen wird, geht mit Mut, Vertrauen und Zuversicht einher. Wer hofft, fühlt sich beflügelt und gestärkt.

Hoffnungsschimmer 2: Ziele formulieren

Hoffnungsvolle Apothekenleiter sind eher entschlossen, ihre Ziele zu erreichen, und sie glauben, dies auch zu schaffen. Diese Willenskraft äußert sich in Gedanken wie: „Ich kann“ oder „Ich bin bereit, das zu tun“. Die Willensstärke steigt mit dem Mut und dem Selbstvertrauen in die eigene Leistung. Hoffnungen erfüllen sich dabei leichter, wenn man lang­fris­tige Ziele in kleinere Unterziele zerlegt und sich erst einmal auf den nächsten Schritt konzen­triert. Man sollte auch trainieren, verschiedene Lösungswege zu entwickeln, auf die man im Falle von Schwierigkeiten ausweichen kann.

Hoffnungsschimmer 3: Das soziale Netz

Kraft und Zuversicht entstehen auch dadurch, dass man die Herausforderungen auf mehrere Schultern verteilt und gemeinsam nach Lösun­gen sucht. Einzelgänger besitzen oft weniger Hoffnungsstärke, weil ihnen der Rückhalt aus der Familie, dem Freundeskreis oder dem Team fehlt.

Hoffnungsschimmer 4: Die Besserung

In aussichtslosen Lagen helfen konkrete Teilziele nicht mehr, um sich große Hoffnungen zu machen. Die Filiale ist ökonomisch vielleicht wirklich nicht mehr zu retten. Dann bleibt eine Art Grundhoffnung, das Berufsleben gehe eben in der Hauptapotheke weiter. Diese Aussicht auf Besserung hält den Chef über Wasser, auch wenn er die Schließung der Filiale als Niederlage empfindet. Man hört häufig den Satz, dass die Zeit alle Wun­den heilen würde. Das trifft auf hoffnungsstarke Apothekenleiter tatsächlich auch zu.

Hoffnungsschimmer 5: Der Optimismus

Wie Hoffende sind auch Optimisten zuversichtlich, dass sich die Zukunft zum Besseren wenden wird. Der Optimist will jedoch oft selbst wenig aktiv zum Gelingen bei­tragen – ihm genügt meist die Haltung, es werde doch alles wieder einmal gut gehen. Verbindet er seinen Optimismus mit der Tatkraft, die sich aus der Hoffnung auf einen Erfolg speist, gelingt sein Vorhaben eher. Gerade was die diver­sen Gesundheitsrefor­men betrifft, entwickelt sich bei Inhabern eine optimistische Grundhaltung – es kam immer weniger schlimm als befürchtet. Das hat sich bei den letzten Ge­setzesmaßnahmen geändert. Insofern reicht purer Optimismus nicht mehr aus.

Bei vielen Apothekenleitern genügt es, das Verhindern des größtmöglichen Schadens als Ziel auszugeben und zu hoffen, dass dieser nicht eintritt. Solche bescheidenen Hoff­nun­gen schützen zwar oft vor Enttäuschungen, schränken aber die Lebens- und Arbeitsfreude erheblich ein. Sicher ist jedoch auch: Von der Hoffnung allein funktioniert keine Apotheke – aber ohne Hoffnung in Zukunft immer weniger.

Dipl.-Volkswirt Klaus Hölzel,
Apotheken Management-
Institut GmbH, 65375 Oestrich-Winkel,
E-Mail: sekretariat@apothekenzukunft.de

Buchtipp

Verena Kast: Freude, Inspiration, Hoffnung, Patmos Verlag, 2008, 9,95 €

zu beziehen über den Deutschen Apo­theker Verlag
(Telefon: 0711/2582 341, Telefax: 0711/2582 290,
E-Mail: service@deutscher-apotheker-verlag.de)

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(08):8-8