Apotheke im Preiswettbewerb

Drei Fragen an Prof. Dr. Justus Haucap


Dr. Christine Ahlheim

Prof. Dr. Justus Haucap ist Gründungsdirektor des Instituts für Wettbewerbsökonomie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Düsseldorf Institute for Competition Economics, DICE) und Vorsitzender der Monopolkommission.

?Warum sehen Sie überhaupt die Notwendigkeit, durch die von Ihnen vorgeschlagene Freigabe des Apothekenabschlags das gut funktionierende und vergleichsweise kos­tengünstige deutsche Apothekensystem an die Grenzen seiner Belastbarkeit zu führen?

Auch im Apothekenwesen gibt es noch zahlreiche Ineffizienzen, d.h., Ressourcen werden nicht dazu verwendet, die bestmögliche Versorgung für die Verbraucher zu gewährleisten. Während in manchen teuren Innenstadtlagen zahlreiche Apotheken auf engstem Raum miteinander konkurrieren, gibt es auf dem Land viel weniger Apotheken, die Verbraucher müssen viel weiter fahren. Durch eine differenzierte Vergütung lässt sich die Position der ländlichen Apotheken stärken, das ist gut für die Verbraucher. Wenn in der Innenstadt ein paar Apotheken schließen, ist die Versorgung kaum gefährdet – im Gegenteil, es lassen sich Größenvorteile realisieren, die im Wettbewerb auch an die Patienten weiterge­geben werden können.


?Wie wollen Sie bei Ihrem Modell verhindern, dass die Nacht- und Notdienst leistenden Präsenzapotheken noch weiter ins Hintertreffen geraten gegenüber den (ausländischen) Versandapotheken?

Der Nachteil der Präsenzapotheken gegenüber den ausländischen Versandapotheken besteht doch jetzt schon. Wenn die einzelne Apotheke selbst festlegen könnte, welchen Zuschlag sie von ihren Kunden erhebt, dann könnte die Präsenzapotheke doch viel wirkungsvoller gegen die ausländischen Versand­apotheken konkurrieren als heute. Das würde die Position der Prä­senzapotheke also gar nicht schwächen.

Zudem sollte stärker über kooperative Modelle beim Notdienst nachgedacht werden. Dass manche Apotheker sich (mit Hilfe der Apothekerkammer) dagegen wehren, wenn ein Konkurrent mit ei­ner Hauptapotheke mit drei Filialen den Notdienst immer in derselben Hauptapotheke verrichtet und nicht in den Filialen, zeigt deutlich, dass es manchen Apothekern gar nicht um das Wohl der Verbraucher geht, sondern darum, den Wettbewerb zu schwächen. Einige Apotheken sehen Wettbewerb und freie Patientenwahl nur als Bedrohung und nicht auch als Chance, das ist bemerkenswert für eine Zunft, die so überzeugt von ihrer Leistung ist.


?Wie sähe Ihre Idealvorstellung des Apothekenwesens der Zukunft aus?

Im Apothekenwesen der Zukunft steht der Patient im Mittelpunkt. Die verfügbaren Ressourcen werden so ein­gesetzt, dass für die Patienten die bestmögliche Versorgung erreicht wird. Die Apotheken stehen im Wettbewerb um Patienten, die zwischen Apotheken wählen.

Heute ist oftmals die Nähe von interessanten Arztpraxen und das Bemühen um diese Ärzte wichtiger als die direkten Bemühungen um die Patienten. Umgekehrt wäre es mir lieber.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(08):3-3