Day Turbos

Mit großem Hebel zum Börsenprofit


Prof. Dr. Reinhard Herzog

Das Depot ist gut bestückt, die Börse eröffnet freundlich und lässt hohe Tagesgewinne erwarten. Doch neue Engagements will man nicht eingehen, denn bereits am nächsten Tag könnte die Tendenz umschlagen. Eine Lösung bieten hier die Day Turbos von HSBC.

Über 70% der Aktienanleger sind eher langfristig orientiert. Depots werden aufgebaut und zumindest über mehrere Monate, oft sogar Jahre beibehalten. Diese Strategie verspricht durchaus Erfolg: Wer sein Geld in den vergangenen Jahrzehn­ten z.B. analog zur DAX-Zusammensetzung angelegt hat, konnte nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts bei einer Investitionsdauer von mindestens zehn Jahren stets ein Plus verbuchen – unabhängig vom Zeitpunkt des Einstiegs oder Verkaufs. Durchschnittliche Zuwachsraten von mehr als 10% p.a. waren dabei keine Ausnahme.

Schnelle Spekulation

Allerdings gibt es immer wieder Tage, die aufgrund bestimmter Konstellationen – etwa deutlich positiver Vorgaben von der Wall Street oder unerwartet guter Un­ter­neh­mens­ergebnisse – besonders Erfolg versprechend erscheinen. Doch die „schnelle Spe­ku­lation“ ist nicht einfach: An der Börse gibt es zwar viele Produkte, mit denen Geldanleger bereits von minimalen Kursschwankungen profitieren kön­nen. Das Problem ist aber die oft ge­ringe Transparenz: Häufig sind Sonderbedingungen vorgesehen, auch die Lauf­zeit spielt eine bedeutende Rolle.

Vergleichsweise einfach konzipiert sind die sogenannten Day Turbos von HSBC Trink­aus: Sie basieren auf dem DAX-Future, der die Kurserwartung des Marktes für den Deutschen Aktienindex DAX auf Sicht von ein bis drei Monaten widerspiegelt. So lag der DAX Anfang April bei 7.170 Punkten, der DAX-Future bei 7.190 Punkten. Ein Anleger, der an diesem Tag mit einem starken Kursanstieg rechnete, konnte einen Day Turbo mit einem Basispreis von 7.125 Punkten für 0,70 € kaufen. Da das Bezugsverhältnis des Turbos bei 100:1 liegt, investierte er also zu einem Kurs von 7.195 Punkten (Basispreis 7.125 + 100 x 0,70) in den Index. Während der Börsensitzung kletterte nun der DAX-Future um einen halben Prozentpunkt auf 7.225 Punkte. Entsprechend stieg der Day Turbo auf stolze 1,05 €, was einem Kursgewinn von immerhin 50% in wenigen Stunden entsprach.

Laufend beobachten

Chance und Risiko liegen bei den Day Turbos allerdings eng beieinander: Geht die Erwartung nicht auf und fällt der Futures-Kontrakt, macht auch der Anleger Verluste. Kritisch wird es, wenn der Basispreis erreicht wird (hier: 7.125 Punkte). Zu diesem Zeitpunkt verfällt der Day Turbo ersatzlos, d.h., der komplette Kapitaleinsatz ist verloren. Entsprechende Engagements sollten also nur dann eingegangen werden, wenn man die Papiere ständig beobachten und ggf. schnell wieder verkaufen kann. Ohnehin sind Day Turbos nichts für Langfrist-Anleger: Um die Kosten niedrig zu halten, laufen sie generell nur einen Börsentag, dann allerdings von 8 bis 22 Uhr. Nachbörsliche Tendenzen etwa aufgrund der Lage an der Wall Street können also noch wahrgenommen werden.

Day Turbos eignen sich jedoch nicht nur zur Spekulation auf steigende Kurse. Mit der Put-Variante setzen Anleger auf einen fallenden DAX- Future. Ihr Preis steigt, wenn der DAX-Future nachgibt – und umgekehrt. Damit können Anleger also sowohl auf fallende Kurse spekulieren als auch mit geringem Kapital­einsatz ihr Aktiendepot kurzzeitig absichern.

Unser Fazit: Day Turbos sind eine interessante und preiswerte Lösung für Kurzfrist-Spekulanten. Engagements erfordern allerdings eine laufende Beobachtung, da die Risiken eines Totalverlusts nicht zu unterschätzen sind.

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2011; 36(08):15-15